Wielpütz-Mitarbeiter in Hilden und Haan bleiben zuversichtlich

Hilden : Zuversicht bei der Wielpütz-Belegschaft

Mitte Dezember der Schock: Der Automobil-Zulieferer kommt finanziell ins Schlingern. Der Insolvenzverwalter zeigt sich aber überzeugt, dass die Firma mit Standorten in Hilden und Haan gerettet wird.

Die Chancen stehen gut, sagt Nikolaos Antoniadis. „Sehr gut sogar“, erklärt der Jurist. Der Düsseldorfer ist so genannter Sachwalter und kümmert sich seit Mitte Dezember um die Sanierung des angeschlagenen Automobilzulieferers Wielpütz. Am heutigen Montag wird die Belegschaft über den Fortschritt des Verfahrens in einer Betriebsversammlung am Hildener Standort an der Max-Vollmer-Straße informiert. Um 14.30 Uhr soll es soweit sein.

Schon im Vorfeld hat sich bei vielen Mitarbeitern eine gewisse Entspannung breit gemacht – auch wenn die Kuh noch nicht komplett vom Eis ist. Aber alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Firma noch einmal mit einem blauen Auge davonkommt.

„Wir haben wirklich viel Arbeit, die Auftragsbücher scheinen voll zu sein“, sagt einer. Natürlich sei man seit Bekanntgabe der Insolvenz verunsichert zur Arbeit gegangen. „Aber wir haben so viel zu tun, dass wir beim Arbeiten nicht daran denken können.“ Er selbst habe ein festes Anstellungsverhältnis. „Die Kollegen mit befristeten Verträgen zittern immer noch, ob ihre Verträge verlängert werden. Auch die Leiharbeiter wissen nicht, wie es weitergeht.“

Sachwalter Nikolaos Antoniadis hat gute Nachrichten für die Belegschaft: „Die Kunden stehen zu Wielpütz – aber sie möchten natürlich auch Bewegung sehen. Das haben sie bei einem Treffen noch einmal bekräftigt“, sagt der Sanierungsexperte, der neben Wielpütz momentan auch die finanziell angeschlagene Einrichtungskette „Habitat“ betreut. „Wir werden keinen Mitarbeiter entlassen. Im Gegenteil: Seit Mitte Dezember haben wir 30 Leiharbeiter direkt bei Wielpütz angestellt. Es ist viel Arbeit da, die erledigt werden muss“, sagt Nikolaos Antoniadis. Die Firma wird strukturell auf Vordermann gebracht, die Maßnahmen betreffen aber nicht das Personal, erklärt er.

Das Düsseldorfer Amtsgericht hatte am 12. Dezember dem Antrag der Firma Wielpütz auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung stattgegeben. Auf diese Weise konnte die Geschäftsführung vorerst an Bord bleiben, steht seitdem aber verstärkt unter Zugzwang. Ihr zur Seite gestellt ist Anwalt Nikolaos Antoniadis als Sachwalter, der vom Gericht bestellt wurde. Läuft die Eigenverwaltung schief, könnte er als Insolvenzverwalter komplett die Zügel übernehmen.

Als Grund für die finanzielle Schieflage nannte die Wielpütz-Geschäftführung damals den Umbruch am Automarkt und die generelle Kritik am Verbrennungsmotor. Wielpütz stellt unter anderem Ölleitungen, Ölmessstäbe, Rohre und Pedale her.

Nikolaos Antoniadis sichert als Sachwalter alle Vermögenswerte und hält den Geschäftsbetrieb aufrecht. Parallel dazu treibt er die Sanierung mit organisatorischen Maßnahmen voran. „Îch denke, dass wir entweder eine Sanierung mit dem Alteigentümer schaffen oder einen Investor finden“, erklärt er.

Ende Februar schlägt dann die Stunde der Wahrheit: Wenn sich abzeichnet, dass die Maßnahmen zum Erfolg geführt haben, geht der Betrieb im neu strukturierten Unternehmen Wielpütz weiter. Sollte noch mehr Sanierungsbedarf bestehen, wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Ziel dabei: Einen Investor finden, die Arbeitsplätze erhalten und den Betrieb weiter sichern.

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