Wielpütz: Autozulieferer aus Hilden geht in Sanierungsverfahren

Hilden : Autozulieferer Wielpütz gerät in Geldnöte

Er hat Standbeine in Hilden und Haan – doch jetzt ist das gesamte Unternehmen betroffen: Der Autozulieferer Wielpütz ist insolvent. Das Düsseldorfer Amtsgericht gab am Mittwoch dem Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung statt.

Die 850 Mitarbeiter an den beiden Standorten bekommen bis Ende Februar Insolvenzgeld der Arbeitsagentur, ab März muss die Firma die Löhne und Gehälter dann wieder selbst schultern.

Mit der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung vorerst an Bord, steht nun aber verstärkt unter Zugzwang. Ihr zur Seite gestellt ist ein Anwalt als sogenannter Sachwalter, der vom Gericht bestellt wurde. Läuft die Eigenverwaltung schief, könnte er als Insolvenzverwalter komplett die Zügel übernehmen.

Als Grund für die finanzielle Schieflage nannten die Beteiligten den Umbruch am Automarkt und die generelle Kritik am Verbrennungsmotor. Das seit 2017 geltende, strengere Testverfahren WLTP habe „zu Veränderungen im Markt geführt, die sich auch auf Automobilzulieferer wie Wielpütz auswirken“, heißt es in der Mitteilung. „Die verzögerte Marktzulassung von neuen Motoren verursachte erhebliche kurzfristige Umsatzverschiebungen.“

Wielpütz stellt unter anderem Ölleitungen, Ölmessstäbe, Rohre und Pedale her. Zu den Kunden zählt nahezu die gesamte Autoindustrie, von VW-Audi über Ford, General Motors bis zu BMW, Porsche oder Daimler.

Sachwalter Nikolaos Antoniadis zeigte sich zuversichtlich, dass die Firma eine Perspektive habe.

Erst vor drei Jahren hatte Wielpütz ein 20.000-Quadratmeter-Grundstück im Hildener  Gewerbegebiet Ost erworben. 2014 hatte das Unternehmen 3,7 Millionen Euro in eine 5000 Quadratmeter große Halle an der Boschstraße in der Stadt Haan investiert.

Wielpütz kann auf fast 120 Jahre Firmengeschichte zurückblicken. Als Teilezulieferer habe man stets vom starken Exportanteil der Kunden profitiert, hieß es.

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