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Hilden: Wie weiblich ist die Stadt ?

Hilden : Wie weiblich ist die Stadt ?

Fünf Fragen an fünf Frauen in Führungspositionen rund um die Frauenquote – die von den Unternehmerinnen abgelehnt, von leitenden Verwaltungsangestellten und Gleichstellungsbeauftragten befürwortet wird.

hilden / haan Nicht nur die CDU-Ministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder streiten sich über die Notwendigkeit einer Frauenquote: Auch die tonangebenden Frauen in Haan und Hilden sind sich in dieser Frage nicht einig. So hält die Hildener Gleichstellungsbeauftragte Monika Ortmanns eine Quotierung angesichts der Tatsache, dass nur 2,3 Prozent der Vorstandsposten in Deutschland mit Frauen besetzt sind, für "absolut notwendig: Jüngere Frauen wie Schröder vergessen, dass dieses Thema schon über zehn Jahre alt ist", begründet Ortmanns.

Schon die damalige rot-grüne Bundesregierung habe versucht, eine freiwillige Frauenquote einzuführen. "Das hat nicht funktioniert", findet Ortmanns. Wie sich ihre Haaner Kollegin Sylvia Lantzen, die beiden Unternehmerinnen Isabell Schnitzler-Keller und Gabriele Römer sowie die Hildener Amtsleiterin Noosha Aubel und die Haaner Erste Beigeordnete Dagmar Formella angesichts der Frauenquote definieren und positionieren, lesen Sie im Folgenden.

Wollten Sie immer schon Karriere machen?

Lantzen: Ja! Nicht zuletzt, weil das berufliche Weiterkommen für die eigene Altersvorsorge wichtig ist.

Schnitzler-Keller: Ich wollte zumindest – im Gegensatz zu meinen beiden Schwestern – das Unternehmen meines Vaters leiten. Dafür habe ich sowohl eine kaufmännische Ausbildung gemacht als auch Kfz-Mechanikerin gelernt.

Römer: Nicht unbedingt. Wichtig war mir allerdings, selbständig sein.

Aubel: Ja – mein Studium der Erziehungswissenschaften sowie mein Zweitstudium "Organisation und Management" soll ja nicht nur der persönlichen Erbauung dienen.

Formella: Ja. Wichtig ist dabei die Lust auf Veränderung – nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich.

Braucht Deutschland eine Frauenquote?

Lantzen: Ja! Nichts, was freiwillig ist, wird wirklich umgesetzt.

Schnitzler-Keller: Nein. Ich definiere mich lieber über meine Kompetenz als über mein Geschlecht.

Römer: Nein. Wir Frauen sind so stark, dass wir uns schon selbst in die oberen Etagen befördern.

Aubel: Ich bin dafür, da es auf freiwilliger Basis und auf Grund des Männerklüngels in manchen Branchen offenbar nicht anders klappt.

Formella: Ja. Freiwillig bewegt sich nichts.

Wie bringen Sie (haben Sie) Familie und Beruf unter einen Hut (gebracht)?

Lantzen: Als meine erste Tochter vor 29 Jahren geboren wurde, war es sehr schwierig. Obwohl er dafür belächelt wurde, haben mein Mann und ich uns Job und Erziehung geteilt – mit Hilfe meiner Eltern und eines Au-Pair-Mädchens.

Schnitzler-Keller: Es ist schwer, weil beides uneingeschränkte Aufmerksamkeit fordert. Deshalb haben wir im Autohaus Schnitzler zwei Geschäftsführer – und ich mehr Zeit für unsere beiden Kinder.

Römer: Ohne die Mithilfe der (Schwieger-)Eltern ging es nicht.

Aubel: Es ist schwierig, beiden Seiten gerecht zu werden. Ich bewundere alle berufstätigen Mütter, die das schaffen!

Formella: Wenn Frauen Karriere machen wollen, bleibt das Privatleben ganz klar auf der Strecke.

Was macht unsere Stadt frauenfreundlich?

Lantzen: Mir ist es wichtig, dass Haan familienfreundlich ist und dabei auch die Senioren einbezieht.

Schnitzler-Keller: Ich brauche als Frau nichts Besonderes, so lange Hilden menschenfreundlich ist.

Römer: Ich schätze die Sauberkeit – und dass ich mich sicher fühle.

Aubel: Dass es viele Anlauf- und Beratungsstellen für Frauen gibt.

Formella: Positiv finde ich den U-3-Ausbau, der Frauen mehr Freiraum für einen Teilzeitjob gibt. Für mein subjektives Sicherheitsbedürfnis gibt es in Haan zu viele Angsträume – gerade auch in der Innenstadt.

Wo wurde/wird Hilden beziehungsweise Haan von Frauen gestaltet?

Lantzen: Dass wir in der Verwaltung nur drei Frauen in Führungspositionen haben, zeigt mir, dass Frauen trotz Förderplan nicht immer "bei gleicher Qualifikation bevorzugt" werden.

Schnitzler-Keller: Ich begrüße die Weitsicht älterer Hildener beiderlei Geschlechts, die Stadt in den 70er Jahren von der Monokultur zu einem vielfältigen Wirtschaftsstandort umzumodeln.

Römer: Außer unserer patenten Ersten Beigeordneten Dagmar Formella gibt es viele Frauen in leitenden Funktionen – beispielsweise Margit Thomas bei der Awo.

Aubel: Das gesamte Dezernat des Beigeordneten Gatzke wird von Frauen verantwortet. Vielleicht wird ja auch mal das Baudezernat weiblich besetzt – das würde den Verwaltungsvorstand bereichern.

Formella: Da gibt es einige, die ihre Sozialkompetenz und ihren Sachverstand einbringen – wie Barbara Wachsmann, Gabriele Römer und Friederike von Wiser.

(RP)