Hilden: Wie das Stadtwappen entstand

Hilden : Wie das Stadtwappen entstand

Am 2. April 1900 genehmigte der Regierungspräsident der Stadt Hilden, ein offizielles Wappen zu führen. Eine ganze Reihe von Vorschlägen war zuvor abgelehnt worden: ein Blick auf die Geschichte eines Symbols, dessen Entstehung ganz und gar nicht glatt verlaufen ist.

Als sich die Stadt Hilden vor einigen Wochen ein neues Logo zulegte, glaubten einige besorgte Bürger, dies sei das Aus für das historische Stadtwappen. Ein Missverständnis, stellte Bürgermeister Horst Thiele klar: Das städtische Wappen bleibe erhalten und werde auch weiter eingesetzt. Es prangt unter anderem auf der Einladung zu einem offiziellen städtischen Empfang von Rat und Verwaltung zum 60. Geburtstag des Bürgermeisters am 9. September in der Stadthalle — was wiederum zu der Frage führte, ob man nicht das neue Logo dafür hätte verwenden können. Doch ganz glatt ist auch die Entstehungsgeschichte des Stadtwappens selbst nicht verlaufen. Die RP ist ihr — mit Hilfe des Stadtarchivs — nachgegangen.

30 Jahre nach Verleihung der Stadtrechte (1865) reifte bei den Stadtverordneten der Entschluss, sich auch noch ein Wappen zuzulegen. Wer den Anstoß gab, lässt sich nicht mehr feststellen. Wolfgang Pagenstecher hat in einem Aufsatz das Hin und Her dargestellt. Vier Entwürfe wurden gezeichnet, diskutiert und anschließend von den Heraldikern beim Regierungspräsidenten und dem Königlichen Heroldsamtes in Berlin zerpflückt, kritisiert und schließlich korrigiert. Erst der fünfte von Zeichner Peter Wymar (er hatte schon vier Vorlagen geliefert) fand schließlich Gnade vor den Augen der Obrigkeit.

Von den ursprünglichen Ideen der Hildener Stadtväter blieb am Ende nicht viel übrig. Beispiel: Sie hatten sich "drei Blüten" vorgestellt, die Handel, Gewerbe und Industrie versinnbildlichen sollten. Das sei "ohne besondere Belehrung" nicht zu erkennen, mäkelte Geheimer Archivrat Dr. Harleß vom Staatsarchiv Düsseldorf — und schlug stattdessen Rad und Sichel vor. Er sorgte auch dafür, dass der Querbalken die rote statt schwarze Farbe hat, weil Rot und Weiß (Silber) seit alter Zeit bergische Farben darstellten. Bergische Löwen im Wappen wurden den Hildenern verwehrt, weil Territorial- und Hoheitszeichen nicht mehr aufgenommen werden dürften, belehrte der Regierungspräsident. Die Itter, dargestellt als silberner Faden, gefiel dem Königlichen Heroldamt in Berlin nicht. Namentlich in verkleinerter Siegeldarstellung werde diese Figur "eher als ein hagerer Aal" denn als Fluss gedeutet.

Nach fünf Jahren Hin und Her war es schließlich am 2. April 1900 doch noch geschafft. Hilden hatte ein Stadtwappen, mit dem alle Instanzen leben konnten. Bis auf die Mauerkrone sah es schon so aus wie das heutige Wappen. Und die Genehmigung kam gerade noch so rechtzeitig, dass die Steinmetze es über dem Haupteingang des nahezu vollendeten neuen Rathauses (heute Bürgerhaus Mittelstraße) und in den Glasbildern des Sitzungssaales (alter Ratssaal) in Erscheinung treten lassen konnten. Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende.

1938 nahmen die Nazis dem Hildener Stadtwappen die Mauerkrone weg, hat Michael Krambrock vom Stadtarchiv recherchiert. 1954 beschloss der Kulturausschuss, das Stadtwappen in alter Form wieder herzustellen. Ein tüchtiger Heraldiker wurde mit einem Entwurf beauftragt. 1957 findet sich dann ein Vermerk, das alte Stadtwappen sei wiederhergestellt. Krambrock: "Es findet sich aber kein Beschluss dazu. Das heutige Stadtwappen scheint von 1957 zu stammen."

(RP/ila)