Hilden: WG für Demenzkranke entsteht

Hilden: WG für Demenzkranke entsteht

Einrichtungen wie die Wohngemeinschaft "Frieda" werden in Zukunft immer wichtiger. 880 Demenzkranke leben in Hilden. Jährlich kommen etwa 240 Neuerkrankungen hinzu. Die WG versteht sich als Alternative zum Pflegeheim.

Der Rohbau von "Frieda" steht. "Frieda" ist die erste ambulant betreute Wohngemeinschaft für Demenzkranke in Hilden. Der Name entstand durch die direkte Nähe zur Friedenskirche. "Frieda" ist kein Pflegeheim, sondern eine private und selbstständige Wohnform, in der auf den Betreuungs- und Pflegebedarf, als auch auf die individuellen Bedürfnisse der Mieter eingegangen werden kann. So beschreibt es die Diakonie, die das Haus betreiben wird.

Die Demenz-WG entsteht im 400 Quadratmeter großen Erdgeschoss des Gebäudes an der Schumannstraße 16. Voraussichtlich im Herbst 2012 bietet die WG zehn Menschen ein neues Zuhause. "Das Gefühl, zu Hause zu sein ist sehr wichtig, denn die Wenigsten wollen ihr Heim verlassen", erzählt Karla Geyr von der Spartenleitung Altenhilfe der Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann. "Gleichzeitig können die Angehörigen entlastet werden, wenn eine 24-Stunden-Betreuung einfach nicht mehr möglich ist."

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Der Initiator, Eigentümer und Vermieter des Hauses ist das Diakonische Werk Hilden. Der Partner des Projekts, der Bauträger IBS Immobilien, unterstützt das sozialdiakonsiche Vorhaben und verkauft die Wohnungen im ersten und zweiten Stock. "Das hier ist ein guter Standort", sagt Sonja Schüller, Pfarrerin und Vorsitzende des Diakonischen Werkes. "Alle in der Umgebung sind darauf vorbereitet, dass hier Demenzkranke wohnen werden. Die Menschen dürfen erwarten, mit offenen Armen empfangen zu werden. Wenn keine gravierenden Probleme oder Krankheiten auftreten, soll das hier das letzte Zuhause sein." Die Kosten für "Frieda" belaufen sich auf etwa eine Million Euro. Ein Drittel trägt das Diakonische Werk durch Kredite. Die restlichen zwei Drittel werden vom Kreissozialamt der Stadt und des Kreises, von verschiedenen Stiftungen und Privatpersonen getragen. Da Demenzkranke ein großes Bedürfnis nach Sicherheit haben, aber auch in einem freundliche Zuhause wohnen möchten, wird die WG klein, übersichtlich und familiär gestaltet. Jeder Mieter richtet sein Zimmer mit Bad mit seinem eigenen Mobiliar ein. Die anderen Räume, eine Wohn- und Essküche, ein Wintergarten und ein Sinnesgarten, werden gemeinsam genutzt. Die Fläche teilt sich zur Hälfte in Privat- und Gemeinschaftsräume. Das größte Zimmer mit 25 m² kostet mit Miete, anteiliger Gemeinschaftsfläche und Nebenkosten rund 400 Euro. Hinzu kommen Lebenshaltungs- und Pflegekosten.

Die Mieter entscheiden mit ihren Angehörigen, wie das gemeinsame Leben und Wohnen aussehen soll. Jeder kann sich nach seinen Möglichkeiten in die Alltagsarbeiten einbringen, wobei die Mieter unterstützt werden. Wichtig ist, dass die Angehörigen sich aktiv in die Belange der Wohngemeinschaft einbringen. Zum Beispiel entscheiden Mieter und Angehörige, wer die 24-Stunden-Präsenz-Betreuung und die Pflegeleistungen übernehmen soll und wer neu in die WG einziehen darf. "Die Wohnung ist aber gar nicht das Wichtigste. Viel wichtiger ist das Wissen, dass jemand da ist", so Schüller.

(RP)
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