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Hilden: Werbung für evangelisch

Hilden : Werbung für evangelisch

In einem bislang beispiellosen Marathon präsentierte sich die protestantische Kirchengemeinde Hilden von Mitte September bis Mitte Dezember rund um die Reformationskirche. Eine Bilanz.

Das hatte es in der Evangelischen Kirchengemeinde Hilden noch nie gegeben. Unter dem Motto "Evangelisches Hilden — mehr als Sie glauben" gingen Vertreter der Gemeinde an 15 Samstagen von Mitte September bis Mitte Dezember auf die Straße vor der Reformationskirche, stellten ihre zahlreichen Angebote vor und versuchten gezielt, Menschen zu erreichen. Im Gespräch mit der Redaktion zogen Pfarrer Traugott Vitz, Vorsitzender des Presbyteriums, und Presbyter Dr. Christoph Leifer, Leiter des Organisationsteams, jetzt Bilanz.

Mit der Aktion wurden rund 2000 Menschen auf der Mittelstraße angesprochen oder haben die Reformationskirche besucht, schätzt Leifer: "Ein zahlenmäßiger Einfluss auf Wiedereintritte oder Austritte konnte nicht festgestellt werden." Besonderes Lob habe der extra für die Aktion aufgelegte Kirchenwegweiser bekommen. Die Auflage von 2500 Stück sei restlos vergriffen. Jetzt werde über eine Neuauflage nachgedacht.

Kritisiert worden sei das Fehlen der Kirchenmusik. Sie stelle einen wesentlichen Teil des Gemeindelebens dar, der auch mehr auf sich aufmerksam machen sollte. Zudem habe man festgestellt, dass an Samstagen mit Musik in der Reformationskirche auch deutlich mehr Besucher gekommen seien.

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"Es gab kein messbares Ergebnis, aber ein gefühltes — und das war sehr positiv", fasst Pfarrer Traugott Vitz, Vorsitzender des Presbyteriums, aus seiner Sicht zusammen. Die Aktion sei sehr zeitaufwendig gewesen. Am Ende sei man sich aber einig gewesen: "Gut, dass wir sie gemacht haben." Viele Passanten hätten gelobt, dass die Gemeinde öffentlich Präsenz zeige und seien überrascht gewesen, welche Fülle von Angeboten und Aktivitäten es gebe, hinter denen die Gemeinde steht.

Werbung hat ihre eigene Gesetze. Gute Erfahrungen habe man mit den witzigen "Testamints" gemacht, erzählt Vitz: kleine Tütchen mit Pfefferminz und Bibelsprüchen auf der Verpackung. Mit dem Spruch "Hier ist die Verpackung wichtiger als der Inhalt" wurden sie unters Volk gebracht. Das fanden viele Passanten witzig. Einen Hingucker hatte sich Vitz von seinem Haaner Kollegen Christian Doerr abgeschaut. Er stellte eine Kirchenbank auf die Straße, setzte sich im Talar darauf, neben sich ein großes Plakat mit der Aufschrift "Wir haben Platz für Sie".

Bewegt habe ihn jedoch eine andere Begegnung. In der Reformationskirche habe ihn ein Paar zwischen 50 und 60 spontan angesprochen. Sie hätten sich in Liebe gefunden und jetzt verlobt. Ob er sie segnen könne? "So eine Anfrage habe ich noch nie erhalten", gesteht der Seelsorger. Er habe nichts über die beiden Menschen gewusst. Aber dann sei ihm klargeworden, dass dies auch gar nicht wichtig sei. Und so habe er sie — nach kurzem Zögern — im Namen des Herrn gesegnet.

(RP)