Serie: "Ich war einmal...": Wasserburg, Villa, Wohnstift

Serie: "Ich war einmal...": Wasserburg, Villa, Wohnstift

Seit 1404 war Haus Horst im Besitz des Kölner Erzbistums. Die Villa, die auf den Grundmauern der Burg entstand, wurde 1965 abgerissen. Es folgte ein Immobilienskandal, der Schlagzeilen machte.

Im Gedächtnis der Stadt ist der Name Haus Horst vor allem mit einem beispiellosen Immobilien-Skandal verknüpft. Das Eigentum an den 500 Morgen Land, auf denen sich auch die zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert entstandene Wasserburg befand, erwarb die Stadt 1951 von der Erbengemeinschaft Klingelhöfer. Die Burg war seit 1404 im Besitz des Kölner Erzbischofs gewesen und verfiel allmählich.

1892 nahm sich Wilhelm Ferdinand Lieven, seinerzeit Stadtrat, der Renovierung – vor allem des markanten Turms – an. Er rettete Kranzgesims und Turmhaube; auf den Grundmauern der Wasserburg entstand eine Villa, die bereits vier Jahre darauf nach Plänen des Berliner Architekten Otto March (1845-1913) für die Familie des Düsseldorfer Fabrikanten Klingelhöfer erweitert wurde. Stilistisch lehnte March sich dabei an die englische Landhaus-Architektur an, die ihn wenige Jahre zuvor, während einer Reise nach England, nachhaltig beeindruckt hatte und ihm seither als fortschrittlich galt.

Nur der Turm blieb stehen

Die Stadt entrichtet vor 60 Jahren einen Kaufpreis von 43 Pfennigen pro Quadratmeter an die Erbengemeinschaft. Sie lässt das Gelände als Bauland ausweisen, parzelliert und erschließt es, um einen Teil bald darauf an 3 M zu verkaufen. 1965 wird die Villa abgerissen, nur Grundmauern und der historische Turm bleiben stehen.

1967 schließlich betritt Jobst Müller-Jäger die Bühne. Der Düsseldorfer Makler erwirbt die Grundstücke Haus Horst und Glasmacher, insgesamt eine Fläche von 25 000 Quadratmetern zum Preis von je 25 DM. Entgegen jahrelanger Praxis bedingt sich die Stadt in dem zwischen ihr und Müller-Jäger geschlossenen Vertrag kein per Vormerkung im Grundbuch gesichertes Wiederkaufsrecht aus.

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Dem Makler gelingt es, die Stadt im Glauben zu wiegen, er werde Träger des Bauvorhabens. Seine Pläne, an Ort und Stelle eine Altenwohnanlage entstehen zu lassen, stoßen auf Gegenliebe in der Politik. Ihm gelingt es, die Entscheidungsträger im Glauben zu wiegen, er selbst werde als Bauträger in Erscheinung treten. Wenig später veräußert Müller-Jäger jedoch an die Neue Heimat und Bremer Treuhand und brüskiert so die Stadt. Er streicht einen Quadratmeterpreis von 92,90 DM ein, macht also mit dem Geschäft einen Gewinn von fast 1,7 Millionen DM.

Während in der Folgezeit die "Affäre Haus Horst" große Wellen schlägt, zieht Spekulant Müller-Jäger sich wieder zurück und gönnt sich ein großzügiges Domizil in Portugal.

In Hilden kommt es derweil zu Scharmützeln, bei denen auch Erich Scheffler, Redakteur dieser Zeitung, sich die ein oder andere Kugel fängt. Heinz Brieden, Stadtdirektor, hält die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, er habe seine Dienstpflichten verletzt, für infam. Es hagelt geharnischte Kommentare, Leserbriefe, Gegendarstellungen. In einer Ratssitzung fällt das Wort "Gestapo-Methoden". Die DKP greift das Thema dankend auf und agitiert, dass am Ende die Bewohner des Altenstifts den Schaden zu tragen hätten: in Form überhöhter Mieten.

Brieden, dem nach umfangreichen Untersuchungen keine Dienstpflichtverletzung nachgewiesen werden kann, bringt es im Gespräch mit dieser Zeitung (Oktober 1970) so auf den Punkt: "Den großen Gewinn hat gewiss nicht die Stadt gemacht."

Die Serie entsteht in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Hilden.

(maxl)
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