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Was Sprayer aus Hilden am Lügenbaron fasziniert

Ausstellung : Was Sprayer am Lügenbaron fasziniert

Torwart-Legende Toni Schumacher ist ein Fan von Felix Gephart und Dominik Hebestreit. Sie zeigen ihre riesigen Wandbilder in der städtischen Galerie im Bürgerhaus: künstlerische Kommentare zu Münchhausen.

Ein riesiger Wal auf dem Dach der Elba-Halle in Elberfeld verschlingt einen ganzen Dreimaster. Seitdem erwachen in immer mehr großformatigen Wandbildern die Lügengeschichten von Münchhausen zu neuem Leben. Auf der Zeche Zollverein in Essen, in Berlin, Bayern und in Luxemburg sind inzwischen mehr als 15 dieser riesigen Wandbilder, sogenannte Murals, entstanden. Sie zeigen jeweils eine Episode aus der literarischen Vorlage.

Was interessiert die beiden bekannnten Graffiti-Künstler Felix Gephart (Berlin) und Dominik Hebestreit (Wuppertal) so Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen  (1720-1797), dem die Geschichten des Barons Münchhausen zugeschrieben werden?

 „Die Lüge spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle“, erläutert Felix Gephart, der in Dortmund und in New York studiert hat: „Heute heißt das Fake News oder Alternative Fakten. Münchenhausen ist ein großer Karrikaturist der Lüge. Mit seiner Prahlerei und Übertreibung entlarvt er sie.“ Münchhausen habe fantastisch surreale Bilder geschaffen.

 Torwart-Legende Toni Schumacher (r.) ist mit Felix Gephart (Mitte) befreundet. Dominik Hebestreit  arbeitet mit Gephart zusammen.
Torwart-Legende Toni Schumacher (r.) ist mit Felix Gephart (Mitte) befreundet. Dominik Hebestreit  arbeitet mit Gephart zusammen. Foto: Köhlen, Stephan (teph)
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Und der französische Maler, Grafiker und Illustrator Paul Gustave Doré (1832-1883) habe es wie kein Zweiter verstanden, große literarische Vorlagen etwa von Dante Alighieri, Cervantes oder Edgar Allan Poe auf faszinierende Weise ins Grafische zu übersetzen. Das habe sie zu den Münchhausen-Murals inspiriert.

Graffiti ist eine relativ junge Kunstform , die aber bis in die geritzten Wandbilder der Steinzeit zurückreicht, weiß Dominik Hebestreit, der in Hilden aufgewachsen ist. Die Spray-Künstler signieren ihre Werke mit einer Unterschrift, einem „Tag“. In den 1970er Jahren war das Kürzel TAKI183 immer häufiger an Hauswänden in New York zu finden. Bürgern und Zeitungen gab das ein großes Rätsel auf. Im Juli 1971 lüftete die New York Times das Geheimnis.

Der griechische Botenjunge Dimitakti verewigte sich auf seinen Touren an den Hauswänden und –mauern mit jener Kombination aus Buchstaben und Zahlen. Er fand viele Nachahmer. Daraus wurde Graffiti, eine neue Jugendkultur, auch in Europa. Ihr Begründer hat sich im „Tag“ noch erhalten: (Dimi)taki. Dominik Hebestreit (42) hat an der Bergischen Universität Wuppertal Kommunikationsdesign studiert und kann von seiner Kunst heute leben. Er (Künstlername „Birne“) hat schon für so bekannte Kunden wie Ebay, Puma, die Stadt Luxemburg, die Maßschneider-Innung in Frankturt/Main oder ein Hotel in Koh Phangan (Thailand) gearbeitet. Auch in seiner Heimatstadt Hilden hat er sichtbare Spuren hinterlassen. Er hat unter anderem die E-Ladestation in der Rathaus-Tiefgarage gestaltet und das riesige Gürteltier auf der Hauswand Talstraße/Ecke Lindenplatz. 20 Liter Fassadenfarbe und weitere Farbe aus 100 Sprühdosen waren für dieses Mural nötig. Gemeinsam mit Norman Schlegel alias „Angus78“ hat es Dominik Hebestreit auch schon in die „Bild-Zeitung“ beschafft. Mit ihrem 15 Meter hohen Porträt der Kölner Oberbürgermeisterin  Henriette Reker 2020 in der Südstadt. „Groß, größer, Reker“, titelte die Boulevard-Zeitung über das künstlerische „Wahlkampf-Plakat“ XXL. Was am Ende nur beweist: Graffiti ist inzwischen eine Kunstform mit großer Reichweite, die kaum jemanden kalt lässt.