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Was Markthändler bei Tropenhitze tun

Kreis Mettmann : Was Markthändler bei Tropenhitze tun

Ventilatoren, Duschen und moderne Kühlsysteme halten die Ware frisch. Die Öffnungszeiten werden angepasst.

(ilpl/isf/mei) In Hilden ist scheinbar alles wie immer: Der Mittwochsmarkt ist wie gewohnt von 7 bis 13 Uhr geöffnet, die Zahl der Markthändler dieselbe wie üblich – etwas reduziert in den Ferien. Und doch gibt es Änderungen, angefangen bei der legeren Kleidung: „Wir lassen die Kittel weg und trinken viel“, sagt Heidrun Möller, die Sprecherin der Hildener Marktbeschicker. „Feste Schuhe muss ich leider tragen wegen der Messer, nur die Kollegin am Eierstand darf Sandalen tragen.“ Möller verkauft Hühner- und Putenfleisch, die Kühlung läuft auf Hochtouren. „Sie ist so modern, dass sie die Ware bis 13 Uhr kalt hält“, versichert die Marktfrau. Vor Keimen muss sich keiner gruseln. Es sei denn, die Kunden durchbrechen die Kühlkette. „Ich wundere mich immer, wenn Leute ohne Kühltasche kommen, Fleisch kaufen und damit dann noch eine Stunde durch die Stadt laufen oder sich erst einmal ins Straßencafé setzen“, sagt sie kopfschüttelnd.

An heißen Tagen sind deutlich weniger Kunden auf dem Markt und sie nehmen weniger Ware mit: „Hier in Hilden kommen mittwochs überwiegend ältere Leute. Die erledigen ihre Einkäufe früh. Ab 12 Uhr gehen die nicht mehr raus“, hat sie beobachtet. Die Markthändler passen sich an und bringen ebenfalls weniger Ware mit. Trotzdem ist es so, dass mehr weggeworfen werden muss.

Tillmanns Fisch und Feinkost gleich nebenan hält es ähnlich: Weniger Ware, ein Kühlanhänger, in dem möglichst viel Fisch bei 0 Grad eingelagert ist, 0 Grad auch im Marktwagen selbst, wo frischer Fisch auf Eis gelagert und gekühlt wird. Er wird „täglich frisch geliefert“, versichert Stefan Tillmanns. Die Kühlkette wird auch hier erst unterbrochen, wenn der Kunde mit seinem Einkauf losläuft.

Zeyd Sariyurek vom Prümtaler Brotvertrieb hat sich einen großen Ventilator mitgebracht. „Ich habe mir extra einen Zettel gemacht, damit ich den nicht vergesse“, sagt er und freut sich über die Kühlung. Dazu kaut er nicht Gebäck, sondern einen knackigen Apfel.

Gemüsemann Matthias Plenkers hat eine kleine Gemüsedusche im Gepäck. Hin und wieder bekommt der Salat eine kleine Erfrischung. Auch er hat weniger Ware dabei und will zum Ende hin schnell einpacken, wahrscheinlich schon um 12 Uhr. Bereits um 11 Uhr beginnt bei ihm der Abverkauf: „Zwei Schalen Erdbeeren, jetzt für fünf Euro.“ Sofort bleiben Kunden stehen.

Der kälteste Stand, der auch Kunden zum Verweilen einlädt, ist der der Leverkusener Metzgerei Hilgemeier. Chefin Barbara Hilgemeier sischwärmt: „Hier ist alles gekühlt. Die Schubladen, die Theke, der Verkaufsraum.“ Trotzdem plant sie bereits die Betriebsferien: Vom 5. bis 23. August wird ihr Platz auf dem Hildener Markt leer bleiben.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf dem Wochenmarkt in Mettmann. „Die Hitze macht uns zu schaffen, dem Geschäft und auch den Menschen“, sagt Katy Jacobs von der gleichnamigen Metzgerei. „Die Menschen haben dann einfach weniger Hunger.“ Um die Temperaturen am Stand zu minimieren, hat Jacobs bereits die rückwärtige Beleuchtung ausgeschaltet. Ihre Angestellte Margit Schiefer trennt sich nur ungern von ihrem Fächer. „Das ist das beste Stück, das ich derzeit besitze.“ Temperaturen von mehr als 70 Grad muss teilweise Bernd Scholl ertragen. Er verkauft am Stand der Firma Mast heiße Suppen und Eintöpfe - momentan mit reduziertem Angebot. „Da hilft nur viel trinken“, erklärt er. Wichtig sei jetzt bei der Hitze, dass die Gerichte schnell verzehrt oder bei Mitnahme schnell schnell gekühlt werden.

Wer auf dem Langenfelder Wochenmarkt am Freitag fürs Wochenende einkaufen möchte, muss sich sputen: Den Händlern ist ab 13 Uhr freigestellt, ihren Stand schon drei Stunden vor dem sonst üblichen Ende zu schließen. „Bei Temperaturen von 37 Grad Celsius haben nicht alle Händler die Möglichkeit“, so Ordnungsamtsleiter Christian Benzrath, „ihre verderblichen Waren ausreichend zu kühlen. Deshalb wird es den Händlern gestattet, frühzeitig abzubauen.“ Da in der Vergangenheit auch Verkaufsfahrzeuge mit eingebauter Kühlung nicht immer störungsfrei funktioniert hätten, werden laut Benzrath wohl auch einzelne Anbieter von Käse, Wurst oder Fisch früher abbauen müssen. „Die Entscheidung wird in das Ermessen der Händler gestellt, die für die Qualität und Frische ihrer Waren einstehen.“ Ab 13 Uhr dürfte es auf dem jedenfalls ein deutlich verringertes Angebot geben.