Serie Energiesparen (4): Wann ein Heizungstausch wirklich ratsam ist

Serie Energiesparen (4) : Wann ein Heizungstausch wirklich ratsam ist

Wenn die alte Heizung unwirtschaftlich, veraltet oder kaputt ist, steht der Hauseigentümer vor der Qual der Wahl.

Gut drei Viertel aller im Haus verbrauchten Energie wird für die Heizung benötigt. Der Heizkessel ist dabei ein Ausdauer-Athlet. Er sorgt fünf bis sechs Monate im Jahr für Wärme. Aber tut er das auch effizient? Ein Temin mit der Energieberatung der Stadtwerke Hilden kann eine Antwort liefern. Vor Ort können die Experten nach einer Besichtigung eine Technologieberatung leisten. Das Messprotokoll des Schornsteinfegers und der Vergleich mit Kennzahlen liefern einen Anhaltspunkt, wie es um die alte Heizung bestellt ist. Über das Instrument der Gradtagszahlen lassen sich auch unterschiedliche Heizperioden miteinander vergleichen.

Verbrauchswerte überprüfen Für ein Einfamilienhaus wäre ein Jahresverbrauch von 120 bis 160 Kilowattstunden (entspricht etwa 12 bis 16 Liter Heizöl) je Quadratmeter schon ein Wert, bei dem Gedanken an eine neue Heizung beginnen könnten. Bei Reihen- und Mehrfamilienhäusern liegt der Schwellenwert bei 90 bis 120 Kilowattstunden. "Man sollte sein Verbrauchsverhalten hinterfragen", sagt Jens Müller, Energieberater der Stadtwerke. Die Heizungserneuerung ist eine Investition in die Immobilie, die sich relativ schnell rechnen kann. Eine Brennwertheizung bringt 15 bis 20 Prozent Energieeinsparung.

Verschiedene Heizsysteme Bei Sanierung im Bestand sind Aspekte der Systemtemperatur, des Brennstofflagers, der Investitions- und Unterhaltskosten in die Überlegungen einzubeziehen. "In Hilden haben wir wegen des teuren Wohnraums eine hohe Gasheizungsdichte", sagt Jens Müller. 75 bis 80 Prozent der Gebäude würden mit Erdgas beheizt. Weil die neue Therme sogar unter dem Dach installiert werden kann, bleiben Kellerräume frei. Für Öl oder Pellets müssen Lagerräume vorgehalten werden. Gasbrennwert-Heizungen sind heute Stand der Technik; aber auch für Öl gibt es Brennwertanlagen. Die Kessel können nicht nur ihre Leistung an den Bedarf anpassen, sondern nutzen auch die Hitze des Abgases und sind daher effizient. Solarkollektoren auf dem Dach —1,25 Quadratmeter pro Person — können helfen, die Heizung zu unterstützen.

Wärme aus der Umwelt Im Neubaubereich schreiben das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Energie-Einsparverordnung eine Komponente zur Nutzung regenerativer Energien vor. In vielen Fällen werden das Solarkollektoren auf dem Dach sein. Heizen mit Biomasse (dazu zählen auch Pellets) kann in Frage kommen, aber auch der Einsatz einer Wärmepumpe, die zum Beispiel Fußbodenheizungen versorgt. Jens Müller rät, gerade im Neubaubereich bei der Systementscheidung auch die Folgekosten zu bedenken. Wärmepumpen gibt es inzwischen auch gasbetrieben.

Kraftwerk im Keller Strom produzierende Heizungen sind in den letzten Jahren entwickelt worden. Dabei verbrennt ein Motor Gas und produziert dabei Strom und Wärme. Möglichst viel des eigenen Stroms sollte im Haus verbraucht werden können. Die kleinen Blockheizkraftwerke kommen nicht ohne Zusatzheizung für die Wintermonate aus. Allerdings gibt es inzwischen kombinierte Aggregate. Zukunftsmusik ist die Brennstoffzelle.

Heizung als Dienstleistung Wer seine Ölheizung durch eine Gasheizung ersetzen will, dem gewähren die Stadtwerke einen Zuschuss. 450 Euro, verteilt auf drei Jahre, werden dem neuen Kunden gezahlt. Bei einer Investition zwischen 6000 und 8000 Euro, nur ein kleiner Anreiz. Eine andere Möglichkeit ist das Modell "Heizung plus". Dabei übernehmen die Stadtwerke die alte Anlage, die Finanzierung, den Bau und die Unterhaltung der neuen Heizung. "Das ist eine Art Leasing", so Müller. Während der Laufzeit von fünf bis 10 Jahren übernimmt der Versorger auch die Gewährleistung. Für das Sorglos-Paket werden monatliche Modulpreise und die Verbrauchskosten berechnet. 100 Anlagen wurden 2011-2013 gebaut.

(RP)