Walter Furthmann war Haus-Architekt der Firma Henkel

Hilden historisch : Walter Furthmann: Haus-Architekt von Henkel

Walter Furthmann ist ein großer, aber etwas vergessener Sohn Hildens. Der Bau des Rathauses war sein erster großer Auftrag – und sein Durchbruch als Baumeister. In Hilden und Düsseldorf hat er viele Spuren hinterlassen.

Walter Furthmann wurde am 25. Juli 1873 in Hilden als siebtes Kind einer Bäckermeister-Familie geboren. Er besuchte die Bürgerschule in Hilden und machte von 1890 bis 1892 eine Lehre in Düsseldorf. Dann studierte er zwei Jahre in Schwerin. Furtmann arbeitete einige Jahre im Architekturbüro Binder in Budapest. Er heiratete die Künstlerin Klara Krahl (1876-1941) und zog nach Berlin.

Von seinen Verwandten in Hilden erfuhr er, dass der Stadtrat ein Rathaus plante (Hilden hatte 1861 die Stadtrechte erhalten). Furthmann bewarb sich mit einem Fassadenentwurf – und erhielt den Auftrag. Das 1900 fertig gestellte Hildener Rathaus (heute Bürgerhaus Mittelstraße 40) mit neugotischer Sandsteinfassade war sein erster großer Auftrag – und sein Durchbruch als Architekt. Walter Furthmann ließ sich in Düsseldorf nieder. Von der Industriellen-Familie Carl Rudolf Poensgen erhielt er 1902 den Auftrag, die Villa „Seehorst“ im niederländischen Noordwijk zu bauen. Carl Poensgen wurde 1871 Teilhaber des von seinem Schwiegervater Albert Poensgen in Düsseldorf 1860 gegründeten Röhrenwalzwerks, das 1872 mit den Hütten- und Walzwerken seiner Verwandten Gustav und Rudolf Poensgen zur „Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerke AG“ vereinigt wurde. Das Unternehmen war ein bedeutender Hersteller von schmiedeeisernen, längstnahtgeschweißten Röhren.

1903 gewann Furthmann gegen starke Konkurrenz den 1. Preis und Auftrag für die Gestaltung des südlichen Kö-Graben-Abschlusses in Düsseldorf. 1904 gestaltete er das Grabmal, mit dem die Stadt Hilden ihren Ehrenbürger Ferdinand Lieven (Stifter des Stadtwaldes) auf dem Hauptfriedhof ein Denkmal gesetzt hat.

Furthmanns Grabmal für Wilhelm Ferdinand Lieven. Foto: Christoph Schmidt

Die Karriere des jungen Architekten nahm Fahrt auf. 1905 gewann er den Wettbewerb für den Bau des Rathauses in Benrath. Zwei private Eigentümer, Carl Pritschau und Johann Goergens, hatten der damals selbstständigen Stadt ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück geschenkt mit der Auflage, dort ein Rathaus zu bauen. Die beiden Wohltäter waren Schlitzohren. Das neue Rathaus stand mitten auf freiem Acker – und sollte die Umgebung (im Besitzer der Schenker) zu attraktivem Bauland machen. Ihre Rechnung ging auf. Furthmann entwarf ein repräsentatives Gebäude im Stil des Historismus, Ausdruck für den Bürgerstolz der wohlhabenden Kleinstadt.

Mausoleum der Familie Henkel auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof, 1906 entworfen von Walter Furthmann. Skulptur von Karl Janssen. Foto: Endermann, Andreas (end)

Mitglied der Benrather Baukommission war auch Fritz Henkel. Der junge, damals 33 Jahre alte Architekt war dem Waschmittel-Fabrikanten aufgefallen. Ihre Begegnung wurde zur entscheidenden Weichenstellung für Furthmanns Karriere. Ab 1906 war Walter Furthmann für alle Bauaufgaben bei der Firma Henkel zuständig. Er wurde zum „Hausarchitekten“ und lieferte bis über das 70. Lebensjahr hinaus die Entwürfe für das Werk Holthausen. Seine Werksbauten galten mit ihren lebendigen Gliederungen aus gelben Verblendsteinen vor den zurückliegenden Wandflächen aus roten Ziegeln als glückliche Alternative zur Eintönigkeit älterer Fabrikbauten, schreibt Prof. Dr. Walter Buschmann (Verein Rheinische Industriekultur). Gelobt wurde der freundliche Eindruck der Bauten und ihre Großzügigkeit, die viel Raum für freie Bewegung und bequemes Schaffen biete.

Walter Furthmann gewann die Ausschreibung für das Rathaus in Benrath, dadurch wurde Fritz Henkel auf ihn aufmerksam. Foto: Günter von Ameln (vam)/Von Ameln, Günter (vam)

1906 entwarf Walter Furthmann das Mausoleum der Familie Henkel auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof. Bis 1940 entstanden zahlreiche Verwaltungs- und Fabrikgebäude sowie Wohnsiedlungen für Henkel in Düsseldorf, Genthin und Pratteln (Schweiz). Furthmann war daneben weiter als freier Architekt tätig, baute unter anderem Villen an der von Düsseldorfer Unternehmern bevorzugten Meliesallee in Benrath.

Sitzung des Landtags am 12. November 1946 im Gesolei-Saal (entworfen von Furthmann) der Firma Henkel in Holthausen. Foto: Stadtarchiv Düsseldorf/C.A.Stachelscheid/Stadtarchiv Düsseldorf

1910 errichtete er das Verwaltungsgebäude für das Textilunternehmen Kampf & Spindler in Hilden (heute Hotel Am Stadtpark, Klotzstraße 22).

Henkel-Verwaltungsgebäude von Walter Furthmann. Foto: Stadtarchiv Düsseldorf/C. Hüsgen/Stadtarchiv Düsseldorf

Der Gesolei-Saal war 1925/26 ein Entwurf für die Ausstellung „Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“ (Gesolei) in Düsseldorf. Die Firma Henkel feierte ihr 50-jähriges Bestehen und wollte mit der Teilnahme an der Ausstellung auf sich aufmerksam machen. Die Rechnung ging auf: Schon nach wenigen Wochen wurde der millionsten Besucher auf der „Gesolei“ begrüßt. Nach der Ausstellung wurde der Gesolei-Saal (eine Kombination aus Halle und Uhrenturm) ab 1927 auf dem Werksgelände weiter verwendet. Nach 1945 diente die Halle als Bühne für das Düsseldorfer Schauspielhaus und bis 1949 als Sitzungssaal des neugegründeten NRW-Landtags.

Verwaltung Kampf & Spindler Hilden (Klotzstraße 22). Foto: Stadtarchiv Hilden
Der Düsseldorfer Unternehmer Fritz Henkel. Foto: Stadtarchiv Düsseldorf
Architekt Walter Furthmann (1873-1945). Foto: Stadtarchiv Hilden

Walter Furthmann starb am 30. Januar 1945 in Düsseldorf. Der Gesolei-Saal und das Henkel-Verwaltungsgebäude in Düsseldorf-Holthausen zählen zu den bedeutendsten Verwaltungsbauten der 1920er Jahre. Die Seifen- und Sodafabrik ist leider nicht erhalten. Sie wurde für Neubauten im Werksgelände etwa 2001 abgebrochen. „Er (Walter Furthmann) gab der Unternehmensphilosophie und darüber hinaus dem Empfinden seiner Zeit formvollendeten Ausdruck“, schreibt Buschmann: „In den Bauten der Fa. Henkel lässt sich ein wesentlicher Fortschritt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Historismus zur Moderne nachzeichnen. Wir wissen, dass der Fabrikbau in diesem Prozess eine wesentliche Rolle spielte und können in den genannten Bauten eine der bemerkenswerten Entwicklungen unserer Zeit nachvollziehen.“