„Waldhaus“ soll  Denkmal werden

Hilden : „Waldhaus“ soll Denkmal werden

Das Haus hat Denkmal-Wert, sagen die Fachleute.Heute berät erstmals die Politik. Der Eigentümer will denkmalgerecht sanieren.

Der Name „Waldhaus“ ist verblasst, aber noch auf der Fassade zu erkennen. Ein stattliches Haus, leider ziemlich verwahrlost, mit schönen großen alten Bäumen. Hinterm Haus gluckert die Itter. Eine besondere Immobilie, wirbt ein Makler im Internet. Das stimmt. Das Gebäude wurde um 1900 als Café Restaurant mit Wohnung im Obergeschoss erbaut. In den 1920er Jahren sollen hier wilde Partys gefeiert worden sein – das bekannte Tanzlokal lag so schön abseits.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war das „Waldhaus“ ein beliebter Treffpunkt für britische Soldaten. In der Waldkaserne waren Teile der britischen Rheinarmee stationiert. Und die lag nur wenige Gehminuten entfernt. Zuletzt sei das „Waldhaus“ als Wohn- und Praxishaus genutzt worden, berichtet der Makler. Über die Jahre sei leider nur wenig für die Instandhaltung getan worden. Dann reichte der damalige Eigentümer eine Abbruchantrag bei der Stadt Hilden ein. Dadurch wurde die Untere Denkmalbehörde auf das Objekt aufmerksam. Gemeinsam mit dem Amt für Denkmalpflege im Rheinland, dem Antragsteller für den Abbruch und dem Architekten für den Neubau schaute man sich das Haus innen und außen an. Ergebnis: Das Waldhaus ist ein Denkmal, stellte die Denkmalkommission des Landschaftsverbandes Rheinland fest. Es steht, einschließlich des historischen Baumbestandes, unter vorläufigem Denkmalschutz.

Das Gebäude sei weitestgehend original erhalten, erläutern die Experten. Sein Erscheinungsbild, die Bauart und Ausstattung seien sehr qualitätsvoll und mit zahlreichen Details aus der Entstehungszeit erhalten. Die Ortslage Kalstert leitet sich von „Kaltstart“ (Kälberschwanz) ab. Das „Waldhaus“ lag früher, wie sein Name schon sagt. allein in einem Waldstück. Hilden erhielt 1861 die Stadtrechte und entwickelte sich im Laufe der Zeit von einer Landgemeinde zu einer bürgerlichen, von Industrie geprägten Kommune. Das Gebäude dokumentiere somit auch die Lebensweise zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Stadtbewohner Erholung auf dem Land suchten. Deshalb bestehe an der Erhaltung des Gebäudes mit dem alten Baumbestand ein „öffentliches Interesse“. Die Verwaltung schlägt dem Stadtrat vor, das Waldhaus samt Bäumen unter Denkmalschutz zu stellen. Wenn die Eigentümer dagegen sind, fällt das Politikern meist schwer. Hier scheint der Fall aber anders zu liegen. Das Waldhaus sei an einen Interessenten verkauft worden, der eine denkmalgerechte Sanierung plant, berichtet die Verwaltung. Erste Gespräche mit den Denkmalbehörden hätten bereits stattgefunden.

Denkmale seien keine Last, sondern hätten im Gegenteil viele Vorteile, betont Christof Gemeiner, Vorstandssprecher des Bundes Deutscher Architekten Bergisches Land:„Es gibt viele Erleichterungen. Man muss beispielsweise nicht die Wärmeschutzverordnung erfüllen. Dazu gibt es Steuervorteile. Deshalb würde ich immer versuchen, aus einem historischen Gebäude ein Denkmal zu machen.“ Der Hildener Architekt hat schon einige Denkmale in Hilden saniert – und ist dafür mit renommierten Preisen ausgezeichnet worden, etwa für seine Wiederbelebung des Hildener Bahnhofs und der Gottschalks Mühle. Gemeiner arbeitet in einem Denkmal: Er kaufte und saniert die Gründerzeit-Villa Walder Straße 24a und brachte dort sein Büro unter. Das mit den Vorteilen stimme, bestätigt Denkmalpflegerin Karin Herzfeld: Die erhöhte steuerliche Abschreibung für Eigentümer rechne sich besonders bei Eigenbedarf.

Sie freut sich besonders, dass beim Waldhaus die alten Holzfenster so gut erhalten seien: „Das ist wirklich sehr selten und ein schönes Detail. Ich kenne in Hilden nur zwei Denkmal-Gebäude, wo das auch noch der Fall ist: das Alte Helmholtz an der Gerresheimer Straße 20 (Sitz von Musikschule und Volkshochschule) und das Kolpinghaus an der Kirchhofstraße (gegenüber der Polizei).“

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