Kommentar: Von der Stadt beigesetzt

Kommentar : Von der Stadt beigesetzt

Wachsam sein!

Viele Menschen beklagen die Anonymität unserer Lebenswelt. Einige, ohne ihr etwas entgegenzusetzen. Andere stellen sich gegen den Trend und setzen auf alte Tugenden wie Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit. Sie tun das Naheliegende und kümmern sich um die Menschen in ihrer Nachbarschaft. Das muss nicht darin gipfeln, dass man sich täglich auf die Pelle rückt. Schon ein wacher Blick für Ungewöhnliches kann im Zweifel Leben retten. Ein Anruf, ein Besuch, die Frage, ob alles in Ordnung ist. So viel Zeit muss sein. Und so viel Menschlichkeit. ja

Hilden (ja) Das Hildener Ordnungsamt wird immer dann aktiv, wenn sich keine Angehörigen eines Verstorbenen finden lassen – egal ob er in seiner Wohnung, einem Heim oder im Krankenhaus verstirbt. "Nach dem Bestattungsgesetz NRW ist die Stadt dann verpflichtet, sich um die Beerdigung zu kümmern", sagt der stellvertretende Amtsleiter Daniel Beier. Rund 20 Fälle dieser Art registriert das Ordnungsamt durchschnittlich pro Jahr. Der Verstorbene werde dann in einem anonymen Reihengrab auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. Auch um die Kosten gering zu halten – für die Stadt und für mögliche Erben. "Es könnte ja sein, dass sie sonst fragen, warum wir eine teure Bestattung gewählt haben", sagt Beier. Denn das Ordnungsamt sorgt nicht nur für die Beisetzung, sondern sichert auch den Nachlass des allein lebenden Verstorbenen. Ein vom Amtsgericht Langenfeld eingesetzter Nachlasspfleger forscht anschließend auf dieser Basis nach möglichen Hinterbliebenen und Erben und gibt der Stadt eine Rückmeldung, ob diese der Kommune die Kosten für die Beerdigung zurückerstatten können.

(RP)
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