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Von der Gasanstalt zum städtischen Vollversorger

Hilden historisch : Von der Gasanstalt zum städtischen Versorger

1884 kauft die Stadt die Gasfabrik Kampf und Cie. Das ist die Geburtsstunde der Stadtwerke Hilden.

Eine Leiter, zwei Ölgefäße aus Blech und eine kleine Laterne zum Anstecken – das war die Ausrüstung für den ersten Hildener Laternenanzünder namens Hochkeppel. Eigentlich war Hochkeppel, dessen Vorname nicht überliefert ist, Nachtwächter in Hilden. Aber im August 1852 hatte der Fabrikant Johann Wilhelm Kampf den Antrag gestellt, die Mittelstraße bei Dunkelheit zu beleuchten. Die Stadt genehmigte acht Öllampen, vier an Häusern, vier auf Pfählen. Bis 23 Uhr sollten die Lampen brennen, aber nur an wirklich dunklen Abenden. In mondhellen Nächten wurde das Öl, für das die Anwohner bezahlten, lieber gespart. Anfang der 1860er Jahre erkundigte sich Bürgermeister Albert Koennecke in Mettmann nach der dort bereits eingeführten Gasbeleuchtung, holte Angebote ein. Wieder nahmen Fabrikanten die Sache in die Hand. 1864 bauten sie eine Gasanstalt Kampf und Cie an der Kirchhofstraße, auf Höhe der Kolping-, damals Gasstraße. „Die hiesigen Fabrikanten beabsichtigen, ihre Etablissements mit Gaslicht zu beleuchten, um nicht länger dieses billigere und bessere Beleuchtungsmittel zu entbehren“, notierte Bürgermeister Albert Koennecke. Gas wurde aus Kohle gewonnen. 3030 Meter Gasleitung waren bei der Eröffnung der Gasanstalt 1864 bereits verlegt, und 17 moderne Gaslaternen erhellten die Innenstadt. In den folgenden Jahren wurden es ständig mehr, die Geschäfte liefen gut, und die Gasanstalt konnte die Preise mehrfach senken.

1884 übernahm die Stadt die Gasfabrik für rund 60.000 Mark. Das war die Geburtsstunde der Stadtwerke. Damals gab es in Düsseldorf schon eine elektrische Straßenbeleuchtung. Die Bergischen Kleinbahnen würden Strom verkaufen, hieß es. Aber in Hilden war das noch Zukunftsmusik. Nur für eine Klingel am 1900 eingeweihten Rathaus (heute Bürgerhaus Mittelstraße 40) ließ die Stadt sich von den Kleinbahnen Strom liefern. 1906 gab es 99 Gaslaternen in Hilden, einige davon blieben mittlerweile die ganze Nacht an. Auch die alten Öllampen wurden noch benutzt, jetzt mit Petroleum. 1907 legten die Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) eine Stromleitung von Düsseldorf nach Benrath, und zwar über Hildener Stadtgebiet.

Der Hildener Fabrikant Johann Wilhelm Kampf gründete 1864 die Gasanstalt W. Kampf und Cie. Foto: Christoph Schmidt

Da entschlossen sich die Stadtwerke, in das Geschäft einzusteigen. Wer sich bis zum 1. Juli 1908 für den Strom anmeldete, bekam das Kabel gratis verlegt. Wieder war das Rathaus zuerst dran: Die Bürgermeisterwohnung im obersten Stock bekam elektrischen Strom. Ein Jahr später führten sechs Kilometer Stromleitung zu den Hildener Haushalten. Im Licht von fast 2000 Glühlampen verbrachten die Hildener die dunklen Winterabende. Viele Jahre lang erleuchteten Strom und Gas die Stadt gemeinsam. Erst 1968 erlosch die letzte Gaslaterne in Hilden.

Hingucker: der Gasbehälter auf dem Hof der Stadtwerke Hilden (dahinter der Schlauchturm der Feuerwache). Foto: Christoph Schmidt

Weitere Meilensteine in der Geschichte der Stadtwerke: Am 27. Dezember 1972 wurden die Stadtwerke eine GmbH, ein Unternehmen. Sie versorgten die Hildener mit Strom, Erdgas, Wärme und Wasser. 1987 konnten die Stadtwerke das Mittelspannungsnetz vom RWE kaufen und dadurch nicht nur Haushalte, sondern auch Großabnehmer in der Industrie mit Strom beliefern. Ende 1997 beschloss die Europäische Union die Liberalisierung des Energiemarktes. Kunden konnten sich ihren Strom- und Gasversorger frei wählen. Die Stadtwerke Hilden mussten ihre Netze (gegen Entgelt) für Mitbewerber öffnen.

Das Stadtwerke-Gebäude Am Feuerwehrhaus erhielt 1996 eine neue Solar-Fassade. Foto: P. Hympendahl/Christoph Schmidt

Folge des Wettbewerbs auf den Energiemärkten: Die kleinen Stadtwerke Hilden brauchten einen starken Partner. Deshalb beschloss der Stadtrat nach hartem Kampf (Bürgerbegehren scheiterte) und hitzigen Diskussionen, 49,9 Prozent der Anteile an die Stadtwerke Düsseldorf für rund 52 Millionen Euro zu verkaufen. Zum 1. November 2015 kaufte die Stadt die Hälfte davon für 24,8 Millionen Euro zurück. Ohne den Rückkauf hätte aufgrund von gesetzlichen Vorgaben eine Netzgesellschaft gegründet werden müssen. Diese Millionen-Kosten wollten sich beide Anteilseigner sparen. Aus heutiger Sicht war der Anteile-Verkauf ein gutes Geschäft für die Stadt Hilden – und für die Stadtwerke-Kunden. Sie profitieren von relativ günstigen Preisen. Der Großteil des Erlöses der Stadtwerke-Teilprivatisierung wurde nicht ausgegeben, sondern sicher von der Stadt Hilden Holding angelegt.

1987 kauften die Stadtwerke Hilden das Stromnetz vom RWE. Dritter von links Stadtdirektor Dr. Karl-Detlev Göbel. Foto: Christoph Schmidt/RP-Archiv/Christoph Schmidt

Seit 2013 beliefern die Stadtwerke ihr Kunden ausschließlich mit Grünstrom – und sparen dadurch jährlich rund 53.000 Tonnen Kohlendioxid ein. Sie produzieren sauberen Strom aus Sonnenlicht und betreiben einen Windpark – allerdings nicht in Hilden. Sie tun viel für die Lebensqualität der Hildener, weil sie unter anderem auch das Waldbad und das Hildorado sowie die O3 betreiben, eine der erfolgreichsten Ortsbuslinien im Kreis. Ende 2017 entschied der Aufsichtsrat der Stadtwerke, Millionen in den Aufbau eines eigenen Glasfasernetzes zu investieren. Das ist die neue Lebensader des digitalen Zeitalters. Und deshalb eine enorm wichtige Investition in die Zukunft der Stadt. So wie damals der Erwerb/Bau der Gas-, Strom- und Wassernetze. Weil sie Lebensadern sind, ist es so wichtig, dass sie in der Hand eines kommunalen Versorgers (und damit der Stadt) sind – und bleiben.