Hilden: Vom Seidenkontor zum Hotel

Hilden: Vom Seidenkontor zum Hotel

Wo einst die edlen Stoffe lagerten, speisen und schlafen heute die Gäste. Das Hotel am Stadtpark hat das Verwaltungsgebäude der Spindler-Werke vor dem Abriss gerettet.

Hinter der charmanten Fassade aus Naturstein und weißen Sprossenfenstern logieren Gäste in modern ausgestatteten Zimmern, finden Geschäftsessen und Empfänge statt. Das Hotel am Stadtpark öffnete im August 1988 nach langer Umbauzeit erstmals seine Türen. Sechs Jahre lang hatte die Familie Römer das denkmalgeschützte Gebäude zuvor entkernt und saniert.

Ein Denkmal an der Straße Am Rathaus erinnert an die Zwirnmeisterin Berta Bruchhausen. Foto: Anja Tinter

"Das Gebäude war nur teilweise unterkellert. Meter für Meter musste der Boden unter dem Haus sozusagen mit dem Löffelchen und per Schubkarre abgetragen und die Fundamente untermauert werden", sagte Bauherr Helmut Römer im Oktober 1987 der Rheinischen Post. Er war dennoch fest entschlossen, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Spindler-Werke an der Klotzstraße zu erhalten. Nach dem Abriss der Fabrikgebäude im Jahre 1978 hatte der Rat wenig später auch über das Schicksal des schmucken Verwaltungsgebäudes spekuliert.

Unternehmen 1970 aufgelöst

Der Umbau zum Hotel rettete das Haus mit dem Türmchen auf dem Dach vor Abrissbirne und Planierraupe. Der Unternehmer Adolf Spindler hatte es 1877 bauen lassen, um neue Kontorräume für seine Seidenweberei zu schaffen. Als die Firma sich 1863 in Hilden niedergelassen hatte, war die Verwaltung zunächst in das Haus Hagdorn eingezogen. Die Villa war jedoch schon bald zu klein, um Kontor, Wiegekammer und Lagerräume des florierenden Betriebes zu beherbergen. Die Fabrikgebäude standen dort, wo heute noch Spinner-, Färber- und Tucherweg an den einst bedeutendsten Wirtschaftszweig der Stadt erinnern.

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Der letzte Hildener Handweber Karl Hasbach verließ 1913 seinen Arbeitsplatz bei der Firma Spindler. Das Denkmal, das an seine Zunft erinnern soll, stand zunächst vor dem Verwaltungsgebäude an der Klotzstraße. Als das Unternehmen 1970 aufgelöst wurde, zog es zum Pförtnerhaus an der Walder Straße um und steht heute im Itterpark, dort wo einst die Färberei der Spindler-Werke untergebracht war.

Verwaltungsgebäude blieb

Die Bronzeplastik seiner Kollegin Berta Bruchhausen, die als Zwirnmeisterin bei Spindler beschäftigt war, erinnert vor dem Rathaus an die Blütezeit der Hildener Textilindustrie. Einst hatte sie von der Lagerfassade an der Klotzstraße auf die Hildener herabgeschaut.

Vom Seidenimperium der Spindler-Dynastie ist nur das Verwaltungsbeäude an der Klotzstraße übrig geblieben. Der letzte Leiter des Unternehmens, Gert Spindler, starb 1997 im Alter von 83 Jahren, seine Schwester Judith wurde 2006 auf dem Hildener Hauptfriedhof beigesetzt. Beide haben den Umbau der Hauptverwaltung in ein Hotel noch miterlebt. Hinter den Sprossenfenstern, wo einst Schreibtische standen und Seidenstoffe lagerten, speisen und schlafen heute die Gäste der Familie Römer.

(domi)
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