Hilden: Villa im Dornröschen-Schlaf

Hilden: Villa im Dornröschen-Schlaf

Vor 16 Jahren starb Hildens Ehrenbürgerin Dr. Ellen Wiederhold. Seitdem steht ihre ehemalige Villa an der Düsseldorfer Straße 101 leer. Die Eigentümer würden unter bestimmten Bedingungen verkaufen.

Die Hildener Unternehmerfamilie Seiffert kaufte Ende 2005 die Wiederhold-Villa samt Park — um die alte Blutbuche davor zu retten und eine massive Bebauung zu verhindern, erläuterte gestern Christoph Seiffert. Die Villa sei inzwischen nicht mehr bewohnbar. Das Objekt werde nicht aktiv angeboten. Man sei aber bereit, unter bestimmten Bedingungen zu verkaufen. Es habe ein paar Anfragen gegeben, aber nichts Konkretes.

Das "rote Haus" an der Düsseldorfer Straße ist seit 16 Jahren unbewohnt. Der Park ist durch eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung geschützt und darf nicht bebaut werden. Foto: Olaf Staschik

Dr. Ellen Wiederhold war 25 Jahre (1969 bis 1994) Bürgermeisterin der Stadt Hilden. Vor 16 Jahren, am 4. September 1995, verstarb die sozial engagierte Unternehmerin und vielfach geehrte Ehrenbürgerin. Seitdem ist ihre Villa an der Düsseldorfer Straße unbewohnt. Um das markante "rote Haus" und seinen Park haben Stadt, Erbengemeinschaft und Naturschützer jahrelang trickreich und erbittert gestritten.

Streit vor Gericht

Das Landhaus war von dem Bauunternehmer Otto Nebel, Gründungsmitglied der "Hildener Aktienbaugesellschaft" vermutlich um 1900 errichtet worden. Nach dem Tod von Wiederhold 1995 wollten ihre Erben die "rote Villa" abreißen und das 5500 Quadratmeter große Grundstück mit Wohnungen bebauen. Die Stadt versuchte, das historische Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Ein erster Versuch scheiterte 1998. Erst auf Druck der Stadt sah das Rheinische Amt für Denkmalpflege eine Denkmalwürdigkeit gegeben.

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Dagegen zog die Erbengemeinschaft vor Gericht. Im Februar 2003 verständigten sich die Stadt Hilden und die Erben auf einen Kompromiss. Entlang der Düsseldorfer Straße wurde der Neubau von Wohnungen gestattet. Der Park mit seinem Baumbestand sollte dafür erhalten bleiben. Eine weit über 100 Jahre alte Blutbuche direkt an der Düsseldorfer Straße hätte allerdings gefällt werden müssen.

Das wollte der Bund für Umwelt und Naturschutz Hilden (BUND) nicht zulassen. Er beantragte bei der Oberen Landschaftsbehörde, den gesamten Park unter Schutz zu stellen — und hatte damit Erfolg. Im Februar 2004 erklärte die Bezirksregierung den Park "mit sofortiger Wirkung" für maximal vier Jahre zum "geschützten Landschaftsbestandteil".

Die Stadt Hilden wurde von dieser Entscheidung völlig überrascht. Die mit der Erbengemeinschaft abgestimmten Baupläne waren durchkreuzt. Die Erben reichten Klage gegen die Entscheidung der Höheren Landschaftsbehörde ein, setzten sich dann mit der Bezirksregierung und der Stadt an einen Tisch. Ergebnis: Die Erben schlossen im Juli 2005 eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit der Kommune ab. Der Park im hinteren Teil des Geländes wird erhalten. Im Gegenzug sagte die Bezirksregierung die Aufhebung der "Sicherstellung" zu. Die "ortsbildprägende" Blutbuche an der Düsseldorfer Straße durfte doch gefällt werden. Das bedauerte die Bezirksregierung. Auch die "baurechtlichen Belange" der Eigentümerin sowie die Planungshoheit der Stadt seien zu berücksichtigen gewesen.

Durch Seifferts Ankauf des Anwesen 2005 wurde die Blutbuche vor der Axt gerettet — bis heute.

(RP/rl)