Vier Parteien unterstützen Bürgermeister-Kandidaten

Hilden : Alle für einen, einer für alle

CDU, FDP, Grüne und Bürgeraktion verzichten auf einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten und werben gemeinsam für die Wahl des parteilosen Claus Pommer. Das ist ein politisches Novum.

Politische Beobachter können sich nicht daran erinnern, dass es so etwas schon einmal in Hilden gegeben hat. CDU, FDP, Grüne und Bürgeraktion stellten am Donnerstag Claus Pommer offiziell als gemeinsamen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2020 vor. Die vier (von sieben) Fraktionen verfügen aktuell über 24 (von 44) Sitzen im Stadtrat. Deutlich wie noch nie manifestiert sich damit der politische Wille einer Mehrheit in der Bürgervertretung, Bürgermeisterin Birgit Alkenings (SPD) nach sechs Jahren ablösen zu wollen. Das könne nur mit vereinten Kräften und mit einem parteilosen Kandidaten gelingen, sind sich die vier Parteien einig. Denn möglicherweise entfällt 2020 die Stichwahl und die Entscheidung fällt bereits im ersten Wahlgang. Die Mitglieder von CDU, FDP, Grünen und BA müssen dem Kandidaten-Vorschlag der jeweiligen Vorstände übrigens noch zustimmen.

„Ich erlebe das Rathaus als ideenlos“, erläutert CDU-Parteichef Peter Groß: „Ich möchte, dass die Verwaltung Vorschläge macht, was geht, und nicht groß und breit erklärt, was alles nicht geht.“

„Ich bin selber überrascht, wie viele Bürger über die Verwaltungsführung erbost sind“, berichtet BA-Fraktionsvorsitzender Ludger Reffgen: „Offenbar hat Bürgermeisterin Alkenings bei den Bürgern keinen Amtsbonus mehr.“ „Den Grünen ist wichtig, einen parteilosen Bürgermeistermeister-Kandidaten zu präsentieren“, sagt Parteivorsitzender Hartmut Toska: „Hilden braucht neue Impulse.“ „Bürgermeisterin Alkenings hat in den vergangenen fünf Jahren nicht überzeugt. Sie hat Hilden nicht gestaltet, nur verwaltet“, erläutert Fraktionsvorsitzender Rudolf Joseph die Haltung der Freien Demokraten: „Sie ist ideenlos, mutlos und führungsschwach.“

Er sei sehr dankbar für die breite Unterstützung, sagt Claus Pommer: „Das ist ein Vertrauensbeweis.“ Er fühle sich keiner Partei, sondern den Bürgern verpflichtet. Sollte er gewählt werden, wolle er die „Transparenz des Verwaltungshandelns“ in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen: „Ich möchte den Bürgern zuhören und von ihnen lernen.“ In der Vergangenheit habe man mehr übereinander als miteinander geredet: „Ich möchte als Vermittler wirken, verschiedene Interessen unter einen Hut bringen.“ Pommer will volles Risiko gehen: „Sollte ich als Bürgermeister gewählt werden, werde ich als Landesbeamter ausscheiden.“ Damit würde er auf eine Freistellung verzichten und könnte nach sechs Jahren als Bürgermeister nicht in die Finanzverwaltung zurückkehren, sollte seine Wiederwahl 2026 scheitern. Der promovierte Rechtswissenschaftler und Rechtsanwalt ist in Hilden geboren und aufgewachsen. Der 50-Jährige ist verheiratet und Vater von drei Kindern. „Ich habe mir die Kandidatur lange und gut überlegt – auch mit meiner Familie.“ Pommer leitet das Referat für Grundsatzfragen der Beteiligungsverwaltung im Landesfinanzministeriums. Den Bürgern will er sich öffentlich vorstellen, wenn die Mitglieder von CDU, FDP, Grünen und BA seiner Kandidatur zugestimmt haben. Das wird zum Teil noch einige Wochen dauern. Die vier Ratsfraktionen wollen dem Bürgermeister-Kandidaten Pommer eine politische Plattform und Auftritte verschaffen, daneben aber auch für sich um jede Stimme bei der Kommunalwahl kämpfen und ihr politisches Profil schärfen.

Gewählt wird am 13. September 2020. Aktuell bewerben sich drei Kandidaten um den Chefsessel im Rathaus. Neben Pommer will auch Amtsinhaberin Bürgermeisterin Birgit Alkenings (SPD) erneut antreten. Und auch Claus Munsch (Allianz für Hilden) hat seinen Hut bereits in den Ring geworfen – und will seine Kandidatur aufrecht erhalten: „Ich erhalte viel Zuspruch aus der Bürgerschaft, die ich nicht enttäuschen werde. Es bleibt abzuwarten, welches Profil Claus Pommer entwickelt. Hilden braucht wieder einen Bürgermeister, der die Interessen der Hildenerinnen und Hildener an die erste Stelle rückt und unabhängig von landes- oder bundespolitischen Vorgaben agiert.“ Der Bürgermeister wird direkt von den Bürgern gewählt und ist Chef der Stadtverwaltung. Die Verwaltung muss umsetzen, was der Stadtrat mit Mehrheit beschließt. In der Bürgerschaft (44 Sitze) hat der Bürgermeister eine Stimme. „Durchregieren“ kann er/sie nicht.