Serie: "Ich war einmal...": Viel Platz für die Jugend

Serie: "Ich war einmal...": Viel Platz für die Jugend

Das mächtige Haus der Jugend wurde einst für die Hitlerjugend gebaut. Nach dem Weltkrieg diente das heutige Denkmal als Jugendherberge, Flüchtlingsunterkunft und vor allem als Treffpunkt für die junge Generation.

Wie der Bug eines Schiffes scheint das Haus der Jugend zwischen Klotz- und Schulstraße hindurchzupflügen. Die zahlreichen Sprossenfenster lassen viel Licht in die Räume des denkmalgeschützten Gebäudes fluten. Wo heute VHS-Kurse stattfinden und sich Briefmarkenfreunde und Umweltschützer treffen, wurde einst die Jugend auf Adolf Hitler eingeschworen.

Das "Haus der Jugend" zwischen Klotz- und Schulstraße steht unter Denkmalschutz. Foto: Olaf Staschik

Zum 50. Geburtstag des Führers am 20. April 1939 luden Bürgermeister Schomburg und Ortsgruppenleiter Thiele zu einer Feierstunde ein, um "das Hildener Heim der Hitler-Jugend unserer Jugend zu übergeben". Knapp zwei Jahre zuvor hatten die Ratsmitglieder der Stadt in einer nichtöffentlichen Sitzung den Bau zwischen Klotz- und Schulstraße beschlossen.

Baumaterial wiederverwendet

Laut Protokoll vom 5. Juli 1937 teilte der Bürgermeister mit, dass für die Errichtung des HJ-Heimes der Abbruch des Hauses Schulstraße 52, der daneben stehenden Baracke sowie des alleinstehenden Schul-Nebengebäudes notwendig sei. Die Mieter der betroffenen Wohnungen hatten zuvor bereits die Kündigung bekommen.

Alles, was nach dem Abriss ihrer Häuser noch verwendbar schien, sollte nach dem Beschluss des Rates als Material für den Neubau dienen. Als die Maschinen die Gebäude dem Erdboden gleich machten, verschwand auch die Erinnerung an die Schrotthandlung, die in den 1920er Jahren auf dem Grundstück ihre Geschäfte gemacht hatte.

Die Witwe des Händlers Fritz Hennemann hatte den Mietvertrag für das Haus Schulstraße 52 sowie Lagerplatz, Schuppen und Stallungen am 16. September 1924 gekündigt, "da sie sich mit ihrem Sohn in geschäftlicher Hinsicht getrennt habe". Die von ihr errichteten Gebäude gingen damit in das Eigentum der Stadt über. Sie ließ in das Haus zunächst Mieter einziehen, setzte sie aber zwölf Jahre später vor die Tür, um Platz für den Neubau zu schaffen.

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Zeitweise eine Jugendherberge

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Haus kurzfristig dem Nachwuchs der Feuerwehr als Quartier. Das Rhein-Echo teilte am 7. Dezember 1946 mit, dass die Provinzial-Feuerwehrschule Koblenz, "die im Frühjahr 1946 nach Hilden in das ehemalige Jugendheim in der Schulstraße übersiedelte", inzwischen nach Warendorf umgezogen ist.

Die Jugendherberge, die in dem Gebäude anschließend Übernachtungen für wandernde Jugendliche anbot, musste Mitte der 1950er Jahre ihren Betrieb einstellen. Zwei Jahre lang dienten die Räume Flüchtlingen als Unterkunft. Erst im Juli 1956 konnte der Herbergsverband das Haus nach den nötigen Instandsetzungsarbeiten wieder für Jugendliche öffnen. Bis Anfang Dezember 1956 verzeichneten die Betreiber 880 Übernachtungen.

Im Oktober 1958 übernahm die Stadt das Gebäude und setzte einen Heimleiter ein, der über die Nutzung der Räume entscheiden sollte. "Es ist beabsichtigt, die Räume im Winterhalbjahr für Werksarbeit, für Bildungsveranstaltungen der behördlichen Jugendpflege, für Spiel, Sport und bei Bedarf für Übernachtungen zu nutzen", heißt in einem Ratsprotokoll. Bis heute steht das Haus der Jugend offen.

Die Serie entsteht in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Hilden.

(domi)
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