Hilden: Verschmitzt und zugespitzt

Hilden: Verschmitzt und zugespitzt

Unsere Silvesterausgabe beschäftigt sich mit Perspektiven für 2009. Der Künstler Hans-Joachim Uthke gibt 2009 sein Atelier auf und reist nach Hawaii, um sich einen Traum zu erfüllen: Er möchte von oben in die Vulkane blicken.

Für einen Künstler wie Hans-Joachim Uthke ist die Komposition eines Werkes "einfach alles". Und ob sie gelingt, ist vor allem eine Frage der Perspektive, die er so erklärt: "Ein Punkt, auf den sich alles konzentriert." Bevor der gebürtige Westpreuße seine ganz persönliche Lebensperspektive in der Kunst fand, erlernte er den "anständigen" Beruf des Kaufmanns. Die Freude am Malen aber hatte er schon als Kind entdeckt: "Ich habe bei meiner Oma jeden Zettel vollgemalt", erzählt der 67-Jährige. Mit 20 Jahren begann er — neben dem Beruf — ein Fernstudium, lernte zeichnen, radieren und lithographieren. Seine ersten Arbeiten waren groß und bunt. Bis zu einem "privaten Bruch", dem "eine Eiszeit der Seele" folgte. Von da an zeichnete Uthke vorwiegend schwarz-weiß, mit Bleistift. Mit den Jahren seien seine Arbeiten dann wieder ein bisschen bunter geworden, erzählt er. Aber auch bissiger. Was er so erklärt: "Mit zunehmender Erfahrung lernt man, hinter die Dinge zu schauen."

Uthke spitzt zu, überzeichnet und rüttelt damit auf: Auch wenn er sich auf Bitte der Rheinischen Post künstlerisch mit der Perspektive für das Jahr 2009 auseinandersetzt. Da schwebt ein Ballon mit der Aufschrift "Wahlgeschenke" in die Luft — geradewegs auf den Stachel einer Heftzwecke zu. Eine andere Zeichnung zeigt vier Silvesterraketen, beschriftet mit den Begriffen Renten, Beschäftigung, Wirtschaft und Finanzen. "Und keiner hat Feuer" kommentiert Uthke das Tableau.

Zwei wichtige Ereignisse sind es, auf die sich seine Erwartungen für 2009 konzentrieren. Nach vielen Jahren gibt der Hildener Uthke sein Atelier in Haan auf: "Es wird mir zu teuer." Was er mit den 1500 Platten tut, Grundstock seiner Radierungen und Lithografien, weiß er noch nicht. Der Rückzug schmerze, gesteht er. Und macht zugleich Pläne für neue Zeichnungen. Dabei umkreist er gerne ein Thema und lässt sich — wie in der Vergangenheit mit Saint-Exupérys "Kleiner Prinz", Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen" oder Wilhelm Busch — gerne von der Literatur inspirieren.

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Dass die Kunst oft brotlos ist, hat auch Uthke erfahren. "Die Leute finden meine Bilder gut, aber sie kaufen sie nicht", sagt er ohne Bitterkeit. Zum Glück müsse er nicht davon leben. Sein Brot hat der Künstler 46 Jahre lang bis zur Rente als angestellter Kaufmann verdient.

2009 will er noch einmal abheben, die Welt aus einem neuen Blickwinkel sehen: "Ich möchte mal von oben in die Vulkane auf Hawaii gucken", sagt er. Im September geht es los, mit Ehefrau Helga (61), die ihn, so sagt er, in 40 Jahren Ehe immer unterstützt hat. Unter anderem wollen die beiden vom Hubschrauber aus die Insel Maui erkunden.

Und eines ist für Hans-Joachim Uthke schon jetzt klar: "Der Stift geht immer mit."

(RP)