Hilden: Verdi-Mitglieder geben sich kampflustig

Hilden: Verdi-Mitglieder geben sich kampflustig

Von den mehr als 900 Mitarbeitern der Stadtverwaltung Hilden waren gestern knapp 70 im Ausstand.

"Die Bahnen und Busse sind voll, die Stimmung ist hervorragend!", ruft Verdi-Gewerkschafterin Stephanie Peifer in ihr Handy, während im Hintergrund Rufe und Trillerpfeifen ertönen. Um 7.15 Uhr trafen sich gestern Morgen am Hildener Bahnhof Verdi-Mitglieder, die während des laufenden Warnstreiks zu einer Kundgebung nach Köln fuhren. Wegen dieses Warnstreiks blieben in Hilden und Haan Kitas geschlossen oder boten einen Notbetrieb an. Von den gut 900 Mitarbeitern der Stadtverwaltung Hilden waren knapp 70 im Ausstand, berichtet Stadtsprecher Klaus Helmer. Die Bürger dürften davon aber nur wenig gemerkt haben. Gestreikt wurde unter anderem bei der Grünpflege, Straßenreinigung, Straßenunterhaltung und auf den Friedhöfen. Die vereinbarten Beisetzungen fanden alle statt. Auch die Müllabfuhr war wie geplant im Einsatz. Ebenso wie die "Politessen".

Am deutlichsten waren die Streiks in den Kindergärten zu spüren. Das Familienzentrum Kunterbunt/Traumquelle war wie angekündigt geschlossen, ebenso wie die Kita Rehkids und Itterpänz. "Die Eltern mussten die Betreuung der Kinder leider privat sicherstellen", berichtet Urlich Brakemeier, Leiter des Amts für Jugend, Schule und Sport. Die Kita Rappelkiste hatte eine Notgruppe eingerichtet. "Die Kreisverwaltung Mettmann konnte alle Dienste aufrechterhalten", meldet Sprecherin Tanja Henkel von dort. "Die Straßen waren überraschend frei", berichtet Nicole Rehmann, Sprecherin der Kreispolizei Mettmann: "Wir hatten nicht mehr Staus und Unfälle als sonst. Das freut uns auch." Die Stadtwerke Hilden melden: "Keine Einschränkungen." Nur wenige Mitarbeiter seien im Ausstand, doch der Kunde "spürt davon nichts", berichtet Sprecherin Sabine Müller.

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Eng sieht die Personallage hingegen für den OGS-Betrieb an der Hildener Gemeinschaftsgrundschule am Elbsee aus. "Es fehlen ohnehin schon drei Kolleginnen, die krank sind", berichtet Leiterin Christiane Gierke. Gestern traten dann noch vier Erzieherinnen in den Streik. Auf den Unterricht hatte das zwar keine Auswirkungen, er konnte normal weiterlaufen. Doch für die Betreuung der Kinder nach dem Unterricht konnte die Schule nur eine Notgruppe bereit halten. Die Schulleitung hatte die Eltern daher schon im Vorfeld gebeten, ihre Kinder nach dem Unterricht nach Hause zu holen. Die meisten Eltern täten das auch, erzählt Gierke, so dass sich die Betreuer in der Regel nur noch um ein gutes Dutzend Kinder kümmern müssen. Die OGS-Leiterin hofft, dass der Streik nicht so lange andauert wie beim letzten Mal: "Das wäre sehr bedauerlich. Wir haben nächste Woche ein tolles Trommelprojekt." Auch an den Kitas mussten viele Eltern den Streik in ihren Alltag organisieren. "Ich weiß von Nachbarn, dass eigens die Oma aus Berlin anreisen musste", berichtet Anne Henze, Vorsitzende des Jugendamts-Elternbeirats. Weil ihr eigener, zweieinhalb Jahre alter Sohn in eine Awo-Kita geht, sei sie selbst vom Streik nicht betroffen. Doch sie wisse von befreundeten Familien, dass die begrenzte Zahl an Urlaubstagen in solchen Lagen schnell schrumpfe. "Und das geht zu Lasten der Familienzeit." Zugleich aber haben viele Eltern Verständnis dafür, dass Erzieher mehr Lohn für ihre Arbeit haben wollen: "Ich hoffe, dass die einfach ihr Geld kriegen", sagt Anne Henze.

(RP)