Hilden: Urosepsis ist schwer zu erkennen

Hilden : Urosepsis ist schwer zu erkennen

Heute ist Weltnierentag. Die Urologie-Fachärztin Dr. Anja Diekötter aus Hilden informiert über eine mitunter tödlich verlaufende Krankheit, die in der Regel bakteriell verursacht wird, wenn Harn nicht richtig abfließen kann.

Jede vierte Blutvergiftung entsteht durch eine Infektionskrankheit aus dem Urogenitaltrakt und kann unerkannt und unbehandelt zum Tode führen. Eine so genannte Urosepsis tritt ganz plötzlich auf und ähnelt einer Grippe. RP-Mitarbeiterin Viola Gräfenstein sprach mit der Hildener Fachärztin für Urologie, Dr. Anja Diekötter, über das schwere Krankheitsbild.

Frau Dr. Diekötter, was ist eine Urosepsis?

Diekötter Es handelt sich um eine Vergiftung des Blutes durch Urogenitalbakterien. Eine Urosepsis ist eine Komplikation im Urogenitalbereich oder im Bereich der ableitenden Harnwege. In der Regel wird sie bakteriell verursacht, wenn Harn wegen einer Prostatavergrößerung oder Nierensteinen nicht richtig abfließen kann.

Und das bedeutet?

Diekötter Das Abflusssystem ist nicht frei und somit können sich die Bakterien vermehren. Das heißt, dass der Urin, der infiziert ist, die Niere infiziert und die Bakterien ins Blut übergehen. Trotz aller Maßnahmen, die es gibt, verläuft die Urosepsis in 20 bis 30 Prozent tödlich.

Kann auch mangelnde Hygiene eine Urosepsis verursachen?

Diekötter Nein, Hygiene spielt dabei keine Rolle. Hier handelt es sich um eine Infektion durch eine Abflussstörung der Harnwege.

Wer ist betroffen?

Diekötter Betroffen sind zumeist Patienten, die abwehrgeschwächt sind und deren Körper sich nicht gegen ein aggressives Bakterium wehren kann. Gerade ältere Menschen haben ein reduziertes Schmerzgefühl. Schmerzen, die nicht akut auftreten, sondern schleichend, werden vom einzelnen nicht immer so wahrgenommen, so dass man nicht sofort zum Arzt geht. Und dann ist es oft schon fast zu spät für eine Behandlung.

Was passiert bei einem schweren Verlauf?

Diekötter Es ist vor allem eine Reaktion. Die Sepsis ist das, was man eine Blutvergiftung nennt, weil die Bakterien aus dem Urogenitalbereich ins Blut übergehen. Sie greifen die Gefäßhaut der Blutgefäße an, was diese zerstören kann. Die Folge ist, dass der Kreislauf sowie die Nieren Probleme machen. Es kann zum Kreislaufkollaps und im schlimmsten Fall zum Multiorganversagen kommen.

Wie kann man eine Urosepsis erkennen?

Diekötter Das ist ein Problem, da die Symptome oft grippeähnlich sind. Der Patient fiebert und fühlt sich schlagartig massiv krank. Manche haben Beschwerden im Nierenbereich oder unspezifische Bauchschmerzen. Es gibt leider keine klassischen Symptome. Bei Urologiepatienten mit Nierensteinen oder einer Abflussstörung ist es leichter festzustellen, da der Urologe sofort weiß, worauf er schauen muss. Grundsätzlich sollte man sich an einen Arzt wenden oder sich im Krankenhaus untersuchen lassen, denn im akuten Fall ist schnelles Handeln gefragt. Der Arzt veranlasst auf Verdacht einen Ultraschall und eine Blut- und Urinabnahme. Die Proben werden auf entsprechende Bakterien hin untersucht.

Wie behandelt man die Urosepsis?

Diekötter Erkennt man das Krankheitsbild in den ersten Stunden, dann gibt es eine sofortige intensivmedizinische Betreuung. Die Patienten erhalten per Infusion ein Antibiotikum und werden an einen Monitor angeschlossen. Wenn der Infektträger, der bakterielle Urin, nicht abfließt, dann muss eine Schiene gelegt werden, um einen Abfluss für den Urin zu schaffen. Urologen sind auf dieses Krankheitsbild geschult und wissen, dass es tödlich enden kann, wenn man es nicht erkennt und behandelt.

Gibt es im Krankheitsverlauf Unterschiede bei Männern und Frauen?

Diekötter Bei der normalen Sepsis gibt es bei beiden Geschlechtern keinen großen Unterschied.

(RP)
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