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Unwetter Hilden/Haan: Starkregen und Unwetter setzt Stadt unter Wasser

Feuerwehr im Dauereinsatz : Starkregen setzt Hilden und Haan unter Wasser – Bäche treten über Ufer

Starkregen hat Hilden und Haan in der Nacht zu Mittwoch voll erwischt. Dutzende Keller stehen unter Wasser, Bäche sind übergetreten. Die Feuerwehr ist seit 1 Uhr im Dauereinsatz.

Die hauptamtliche Wache und die Freiwillige Feuerwehr Hilden sind am Mittwoch seit etwa 1 Uhr in der Nacht im Einsatz – ihre Haaner Kollegen erreicht um 2.04 Uhr der erste von unzähligen Notrufen. Ein großes Regengebiet zieht zu dieser Zeit über die Region. Starkregen prasselt auf die beiden Städte herunter. Binnen Minuten laufen Keller voll Wasser.

Aufgeschreckte Anwohner versuchen, mit Eimern Wasser aus den Kellern zu schöpfen. Doch viele müssen bald aufgeben. Zu viel Regen kommt in zu kurzer Zeit vom Himmel. Viele Nachbarn sind im Urlaub und bekommen von dem Unwetter nichts mit. Gegen 4 Uhr tönt Sirenenalarm aus Erkrath. Dort trifft es die Bürger besonders hart.

In Hilden treten Bäche über ihre Ufer. Im Norden der Stadt überflutet der Hoxbach angrenzende Felder, Gärten und auch viele Häuser. Teilweise steht das Wasser einen halben Meter im Keller. Anwohner versuchen, sich mit provisorischen Sandsäcken gegen die Fluten zu schützen und füllen Müllbeutel mit Sand.

„Im nächtlichen Einsatz waren über 40 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Hilden. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden über 34 Einsatzstellen abgearbeitet. Weitere 30 Einsatzstellen stehen noch aus, minütlich kommen neue Einsätze rein“, sagte eine Feuerwehrsprecherin am Vormittag. „Da der Regen noch anhalten wird, werden wohl die nächsten Stunden die Einsätze nicht weniger.“ Nicht nur vollgelaufene Keller halten die Feuewehrleute in Atem, sondern auch Brandmeldeanlagen, die durch den Starkregen ausgelöst worden sind, und der Verdacht auf undichte Gasleitungen. Besonders schlimm getroffen trifft es die Loewestraße und die Biesenstraße sowie alle Grundstücke rund um den Hoxbach.

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 In Haan unterspült der Regen die Diekermühlenstraße. Im Bereich „Zur Mühlen“ in Gruiten errichtet die Feuerwehr einen Schutzwall aus Sandsäcken, um zu verhindern, dass von einem Feld ablaufendes Wasser in ein Wohngebäude läuft. „Wir sind mit 26 Kräften und sechs Fahrzeugen im Einsatz“, sagt ein Feuerwehrsprecher. Rund 100 Einsätze arbeiten sie seit 2.04 Uhr ab. Manche sind am Abend noch offen, als sich die Lage weiter verschärft: Die Düssel überflutet Gruiten-Dorf. Zudem erhält die Feuerwehr Meldungen über vom Wasser eingeschlossene Personen, Beschädigungen an wichtiger Infrastruktursowie massiven Gebäudeschäden. Durch umgestürzte Bäume und eine eingestürzte Brücke ist derzeit die Verbindung nach Solingen über die Ohligser Straße, sowie die Ittertal- und Walder Straße nicht möglich.

„Da es immer weiter regnet, rechnen wir mit weiteren Hilfeersuchen.“ In einigen Fällen kann die Feuerwehr jedoch nicht helfen – wenn der Keller nur fünf bis zehn Zentimeter unter Wasser stehe, könne die Feuerwehr mit ihren großen Pumpen nicht viel ausrichten. Diese Geräte seien für größere Wassermassen ausgelegt. Darüber hinaus unterstützt die Feuerwehr Haan derzeit den Rettungsdienst des Kreises Mettmann mit einem geländegängigen Sanitätsfahrzeug, um im Bedarfsfall in schwer zu erreichende oder verschlammte Straßen zu gelangen.

Die Mitarbeiter vom Kanalbetrieb sind seit Dienstagabend um 21 Uhr im Dauer-Einsatz, teilte Haans Stadtsprecherin Sonja Kunders am Nachmittag mit. „Die Anlagen funktionieren alle, aber die Rückhaltebecken sind so gut wie voll, so dass bereits der Notüberlauf angesprungen ist. Das Einsatzteam hat aber alles im Griff und erwartet für Mittwochabend noch weitere Einsätze.“

In der Region sind von Mittwochnacht bis Mittwochmittag innerhalb von neun Stunden über 100 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, berichtet Christoph Nietfeld, Fachgebietsleiter Gewässer beim Bergisch-Rheinischen Wasserverband mit Sitz in Haan: „Das war ein Ereignis deutlich über 100 Jahre Wiederkehr.“ Nach diesem Wert ist der Hochwasserschutz ausgelegt. Das bedeutet: Die 99 Regenbeckenanlagen und 42 Hochwasser- und Regenrückhaltebecken des BRW in der Region sind voll und laufen kontrolliert über.

„Wir haben Konzepte gegen Starkregen“, betont Dieter Drieschner, Sachgebietsleiter Stadtentwässerung bei der Stadt Hilden: „Wir bauen Regenrückhaltebecken, entlasten die Gewässern, vergrößern die Kapazität der Kanäle, wir reinigen regelmäßg die Kanäle und die Sinkkästen. Aber gegen solche Mengen in so kurzer Zeit sind auch wir machtlos.“  Stadsprecherin Lina Schorn ergänzt: „In diesen Fällen können nur private Vorsorge helfen und, in erster Linie durch die Feuerwehr, Schadensbegrenzung vorgenommen werden.“ Wegen des Starkregens verzögert sich die Müllabfuhr in Hilden. Die Restmüll- und Bioabfallgefäße, die am Mittwoch nicht geleert werden können, werden am Donnerstag und am Freitag nachgefahren.

Die lange angekündigten Bauarbeiten auf der A46 in Fahrtrichtung Wuppertal zwischen Haan-Ost und dem Sonnborner Kreuz sollten eigentlich um 6 Uhr beendet werden – der Starkregen hat jedoch Kies aus dem Baustellenbereich auf die Fahrbahn gespült, sodass die Sperrung noch bis in den Nachmittag hinein verlängert wird. Zunächst muss die Autobahn gereinigt werden, teilte die Autobahn GmbH mit.

Bis Freitag, 8 Uhr, gilt Warnstufe rot für halb NRW. „Ab Mittwochmorgen anhaltender gewittriger Starkregen mit 60-100 l/m² in 24 Stunden“, schreiben die Experten der Unwetterzentrale. Die Feuerwehr rechnet erst ab Donnerstag mit einer Besserung der Wetterlage. Bis dahin können auch noch weitere Starkregengebiete über Hilden und Haan hinwegziehen.

Bei der Feuerwehr haben sich schon viele Menschen gemeldet, die sich auf weiteren Regen vorbereiten wollen. Sandsäcke sind eine Möglichkeit, jedoch müssen sie irgendwie befüllt werden. Wer nah am Hoxbach oder der Itter wohnt, sollte Elektrogeräte aus dem Keller holen und in den oberen Stockwerken lagern, hieß es am Mittwoch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dutzende Keller nach Starkregen in Hilden vollgelaufen

(tobi/cis)