„Unser Regierungsbezirk ist einzigartig“

Birgitta Radermacher : „Unser Regierungsbezirk ist einzigartig“

Die Düsseldorfer Regierungspräsidentin spricht über ihr erstes Jahr in Amt und Würden.

Frau Radermacher, Sie blicken auf das erste Jahr Iihrer Amtszeit als Regierungspräsidentin für den Regierungsbezirk Düsseldorf zurück: Was hat Ihre Arbeit bestimmt?

Radermacher Viele Termine – vor allem in den ersten Wochen und Monaten. Ich bin mit dem Anspruch angetreten, meinen Regierungsbezirk, der immerhin aus zehn Städten und fünf Landkreisen besteht, von Beginn an nicht nur aus Düsseldorf zu führen, sondern möglichst oft die einzelnen Städte und Kreise aufzusuchen. Da kam mir durchaus entgegen, wenn es beispielsweise Förder-Bescheide des Landes zu überbringen galt. Auf diese Art und Weise habe ich vom Niederrhein bis zum Kreis Mettmann viele unterschiedliche Gebiete meines Zuständigkeitsbereiches kennengelernt. Der persönliche Kontakt ist mir enorm wichtig.

Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis?

Radermacher Der Regierungsbezirk Düsseldorf ist wohl einzigartig in ganz Deutschland – nicht nur aufgrund seiner Bevölkerungsdichte: Er vereint Kommunen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Nehmen wir etwa Städte wie Monheim oder Düsseldorf, die extrem finanzstark daherkommen. Daneben gibt es Kommunen, die ums finanzielle Überleben kämpfen. Da ausgleichend zu wirken und die einen zu fördern, ohne die anderen zu bremsen – das ist eine ebenso große wie spannende Aufgabe.

Sie waren vormals Polizeipräsidentin, inwieweit hat sich Ihr Aufgabenfeld verändert?

Radermacher Das beginnt bei der Zuständigkeit für Lehrer, geht über die Sicherheit im Luftverkehr und die Planfeststellung von Infrastruktur bis hin zur Finanzaufsicht. So etwas können Sie nur schaffen, wenn Sie hervorragende Mitarbeiter haben. Ich kann mich glücklich schätzen, denn ich bin wirklich in der Lage, bei allen Themen auf erstklassige Experten zurückgreifen zu können. Vorteilhaft ist auch, dass ich aus meiner Zeit als Polizeipräsidentin noch einige der Akteure in den Kreisen und Kommunen kenne – wie Landrat Thomas Hendele.

Ihr jetziger Dienstherr heißt Herbert Reul und ist Landes-Innenminister. Sind Sie mit ihm als Chef zufrieden?

Radermacher Absolut. Aber nicht nur als Vorgesetzten. Herbert Reul hat auf kompetente, unaufgeregte Art das Polizeigesetz erneuert. Und das kann ich aus meiner früheren Tätigkeit sagen – es gibt der Polizei endlich mehr Mittel in die Hand, gegen Verbrechen im Land vorzugehen. Ansonsten sind die Berührungspunkte zwischen uns weniger geworden, da die neue Landesregierung die Zuständigkeit für Kommunales vom Innenministerium ja wieder entkoppelt hat.

Sie sprachen eben den Verkehr an. Welches Projekt ist für Sie im kommenden Jahr da besonders entscheidend?

Radermacher Vor allem die Rheinbrücke Duisburg-Neuenkamp. Sie stammt aus dem Jahr 1970, heute stößt sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Der Ausbau der Autobahn A 40 und der Neubau einer leistungsfähigeren Brücke, welche die alte ersetzt, sind zwingend notwendig, damit der Verkehr in den kommenden Jahrzehnten sicher fließen kann.

Es gibt aber bei vielen Bauprojekten dieser Art Sorgen, dass Umwelt oder Lärmschutz leiden könnten. Gerade erst haben auch Bürgermeister aus Ihrem Regierungsbezirk einen Appell an das Land gerichtet, den Ausbau der Autobahn 3 zwischen Leverkusen und Hilden nicht auf die geplanten acht Spuren plus Standstreifen auszudehnen. Was halten Sie davon?

Radermacher Wir müssen zweifellos die Ballance zwischen den Herausforderungen des zunehmenden Verkehrs und den Bedürfnissen von Umwelt und Bevölkerung finden. Ich halte aber nichts von Diskussion ausschließlich um die Anzahl der Fahrspuren. Ein Beispiel: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in London die große Sorge, die Verkehrsprobleme nicht mehr in den Griff zu bekommen, weil – wie es hieß – „die Stadt im Pferdemist zu ertrinken drohe“. Was ich damit sagen will ist: Wer weiß, über welche neuen Techniken oder verkehrliche Möglichkeiten wir in 10-20 Jahren verfügen? Das sollte man nie aus den Augen verlieren.