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Hilden: Treue Blätter, treue Kunden, treue Hilfe

Hilden : Treue Blätter, treue Kunden, treue Hilfe

Sie ist eine Institution: Seit 27 Jahren verkauft Gerda Grenda Tannenbäume und spendet den Erlös den SOS-Kinderdörfern. Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte.

Gerda Grenda ist schwer beschäftigt: Jannik, ein Student aus Leverkusen und aktuell ehrenamtlicher Helfer beim Weihnachtsbaumverkauf, hat eine neue Helferin eingearbeitet und meldet Vollzug. „Ich habe Gerda beim Weihnachtsbaumkauf kennengelernt und wollte einfach helfen“, sagt er. – Kunden kommen mit Sonderwünschen, der Tee ist alle. – So geht es in der letzten Woche vor Weihnachten immer zu an der Gerresheimer Straße 58, neben dem Bonhoeffer-Gymnasium. Hier verkauft Gerda Grenda auf ihrem Grundstück Weihnachtsbäume für einen guten Zweck. Die mittlerweile 84-jährige Frau denkt noch lange nicht ans Aufhören: „Ich betrachte das hier als Trimm-Dich. Wenn man fast einen Monat lang bei jedem Wetter von früh bis spät draußen herumläuft, hält einen das fit“, glaubt sie.

Seit mittlerweile 27 Jahren verkauft sie Weihnachtsbäume und spendet den Erlös an die SOS-Kinderdörfer. Mehr als 54.000 Euro konnte sie bereits überweisen. Grendas großherziges Engagement für die fremden Kinder hat einen traurigen Hintergrund. Vor bald 30 Jahren ist ihre Tochter Marion, damals Studentin der Medizin in Düsseldorf, mit 24 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben. Zum Gedenken an Marion gründeten die Eltern Gerda und Horst schon bald die Marion-Grenda-Stiftung, die auch Behinderte unterstützt, indem sie Geld für die Assistenzhundeausbildung gibt: „Marion liebte Hunde – wir hatten auch mehr als zwölf Jahre einen – und wollte Fachärztin für Orthopädie werden. Hunde und Kinder, das passt schon.“

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Die Idee, Weihnachtsbäume zu verkaufen, stammt ursprünglich von Studenten, denen Grendas ihr Haus vermietet hatten. „Die wollten mit dem Saison-Verkauf ihre Finanzen aufbessern. Ich fand die Idee so gut, dass ich sie übernommen habe und bin dann im Sommer ins Sauerland gefahren, habe Bäume ausgesucht und markiert und bin im Winter hin, um sie mit Helfern nach Hilden zu transportieren“, erinnert sich die rüstige Frau. Inzwischen lässt sie sich die Bäume aber anliefern. Was heute beinahe alle machen, hat Grenda schon vor bald 30 Jahren eingeführt: „Nicht einfach nur die Ware anbieten, sondern dazu noch Glühwein und Kekse servieren, gute Ratschläge, Geselligkeit, ein Schwätzchen und bei Bedarf den passenden massiven Baumständer aus einer Wuppertaler Behindertenwerkstatt an den Mann oder die Frau bringen. „Das sind die besten.“

Das Konzept geht auf: Ab Ende November wird bei ihr fast rund um die Uhr gekauft. „Einfach anrufen unter 02103 42321 und vorbeikommen. Die meisten Käufer bevorzugen die Abendstunden: Da haben sie Zeit, ein Glas Glühwein oder einen Tee zu trinken, Stollen zu essen und sich zu unterhalten.“ Bisher habe noch jeder einen passenden Baum gefunden. Kein Wunder, besorgt die alte Dame, die viele kuriose Geschichten erzählen kann, doch jedes noch so ungewöhnliche Exemplar für ihre vielen Stammkunden: „Ein Mann wollte immer einen Baum mit zwei Spitzen – für seine zwei Söhne. Als dann der dritte geboren wurde, musste es einer mit drei Spitzen sein.“ Grenda hat immer einen passenden gefunden. Auch den Baum, dessen Form einem Musikinstrument ähneln sollte und natürlich den Hässlichen: „Es gibt mehrere Kunden, die immer nach dem Hässlichen fragen. ‚Der braucht auch ein Plätzchen‘, sagen sie dann und nehmen ihn mit. –Und, noch eine Besonderheit: „Sollte einmal einer vorzeitig nadeln, gibt es im nächsten Jahr kostenlos Ersatz.“

Sie selbst bevorzugt übrigens „Nordmänner, weil die nicht nadeln.“ Geschmückt werden sie mit geschnitzten Holzfiguren und Glaskugeln. „Das hat in meiner Familie Tradition.“ Übrig gebliebene liefert sie beim Wuppertaler Zoo ab: „Für Elefanten und Nashörner sind die eine Delikatesse. Am liebsten mögen sie die Nordmänner mit den weichen Nadeln“, hat sie gehört.

Prominente kaufen ihren Baum schon seit Jahren an der Gerresheimer Straße: WDR-Mann Jörg Schönenborn etwa, Frank Plassberg war mal da; Ex-Bürgermeister Günter Scheib kommt bis heute und holt eine Blautanne ab, die seine Frau bevorzugt. Da sind noch viele andere, insbesondere Künstler, aber, so Grenda: „Neulich hat schon einer geschimpft - ich soll das nicht erzählen.“ Einer ihrer Bäume hat es bis nach Hongkong geschafft, „den hat ein Pilot gekauft, weil die dort viel teurer sind“, ein anderer in den Libanon, zu dort lebenden Christen.

Gerda Grenda reiht Anekdote an Anekdote und unterhält ihre Kunden bestens. Da wird der Tannenbaumkauf zum Event.

Die temperamentvolle Frau vergisst keinen Kunden und keinen Helfer. „Mein erstes Heinzelmännchen war Christian Meyn-Schwarze, der Erfinder der Papa-Zeit. Der wurde kürzlich mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet. – Wissen Sie, ich finde immer Helfer und ich musste noch nie jemanden bitten. Die kommen von sich aus.“

Nach vier Adventswochen ist die Hildenerin aber auch froh, sich wieder ihrer Tätigkeit als Marktforscherin zuwenden zu können, bei Oldtimer-Rennen oder einem Fallschirmsprung durchstarten zu können. „Am schönsten ist der freie Fall“, schwärmt sie.