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Hilden/Haan: Teure Geldautomaten

Hilden/Haan : Teure Geldautomaten

Die Gebühren für Fremdkunden beim Abheben am Geldautomaten schwanken erheblich. Das Kartellamt prüft bei Sparkassen und Volksbanken, ob die Gebühren zu hoch sind. Die Regionalinstitute verteidigen ihre Modelle.

Wer als Bankkunde in Hilden oder Haan am Geldautomaten eines fremden Kreditinstituts Bares abhebt, muss teilweise mit kräftigen Gebühren rechnen. Spitzenreiter sind die beiden Sparkassen HRV und Haan sowie die Volksbank Remscheid/Solingen mit je einer Filiale in beiden Städten.

Bei dem genossenschaftlichen Institut werden für jede Abhebung eines Fremdkunden 3,50 Euro fällig. Die beiden Sparkassen verlangen 3,95 Euro. Damit liegen die Gebühren deutlich über denen der Privatbanken. Deutsche Bank, Postbank und Commerzbank, die Zweigstellen in beiden Städten betreiben, nehmen einheitlich 1,95 Euro.

Jetzt prüft das Bundeskartellamt mit einer Befragung von über 500 Banken aus dem Sparkassen- und Genossenschaftssektor die Gebührenmodelle. Nach Angaben eines Sprechers steht bereits fest, "dass die Gebührenhöhe bei der Mehrzahl der untersuchten Regionalinstitute deutlich über denen der bundesweit tätigen Kreditinstitute liegt." Es wird vermutet, dass die Institute ihre starke Stellung ausnutzen, um die Preise künstlich hochzuhalten.

Die öffentlichen und genossenschaftlichen Banken in Hilden und Haan verteidigen dagegen ihr Gebührenmodell. "Die anfallenden Gebühren werden angezeigt. Der Kunde des fremden Geldinstitutes kann entscheiden, ob er das Abheben von Geld fortsetzen möchte", erklärt Jochen Schäfer, Sprecher der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert, die in ihrem Gebiet 28 Geschäftsstellen mit 63 Geldausgabe-Automaten (GAA) unterhält. Die Höhe der Gebühr für Fremdkunden nannte Schäfer eine "preispolitische Maßnahme, die vom Vorstand festgesetzt worden ist". Eigene Kunden könnten bundesweit gratis auf rund 25 000 GAA der Sparkassen-Organisation zurückgreifen. Er räumt ein, eigene Kunden würden bevorzugt. Allerdings sei ein "so großes Automatennetz auch mit Kosten verbunden".

Udo Vierdag, Vorstandsmitglied der Haaner Stadt-Sparkasse, hält die Gebühr für angemessen, erläutert zugleich aber, dass die Einnahmen "keine große Relevanz" hätten. Mehr als 98 Prozent aller GAA-Abhebungen würden von Sparkassen-Kunden vorgenommen. Seit die erhobenen Gebühren allgemein am Automaten angezeigt würden, sei sogar ein Anstieg der Nutzer anderer Sparkassen feststellbar, die vielleicht zuvor bei Geschäftsbanken Bargeld abgehoben hätten, sich jetzt aber die zusätzliche Gebühr sparen wollten. Auch Vierdag weist auf den beträchtlichen Aufwand hin, den die weit in der Fläche vertretenen Sparkassen im GAA-Netz trieben.

Wie die Sparkassen-Kollegen verweist auch Jens-Hendrik Hübner, Pressesprecher der Volksbank Remscheid/Solingen, auf das große, von eigenen Kunden gratis nutzbare Netz von bundesweit 18 600 Geldautomaten bei den Volks-, Raiffeisen- und Sparda-Banken. Die Gebühr von pauschal 3,50 Euro pro Abhebung sei unabhängig von der Höhe des Betrages. Nicht immer bleiben Kunden von Sparkassen und Volksbanken gebührenfrei: Etwa wenn sie im Ausland Geld an Automaten fremder Zahlungsdienstleister holen, kostet das mindestens vier (Volksbank), fünf (Sparkasse HRV) und 5,50 Euro (SSK Haan).

Noch in dieser Woche will das Kartellamt die Ergebnisse der Befragung bekanntgeben.

(RP/rl)