Interview Norberto Milharo: Taxi-Fahrer müssen sich "abstrampeln"

Interview Norberto Milharo: Taxi-Fahrer müssen sich "abstrampeln"

Das Mitglied der Taxi-Zentrale Hilden kritisiert die geplante Neufassung der Taxenordnung für den Kreis Mettmann.

Die Verwaltung im Kreis will Taxiunternehmen zur "lückenlosen Nachtdienstbereitschaft" verpflichten. Wie stehen Sie dazu?

Milharo: Das funktioniert nicht, weil es sich schlicht nicht rechnet - zumindest nicht in einer Stadt wie Hilden ohne größeres Nachtleben. Wenn es zum Beispiel zwischen 22 Uhr und den Morgenstunden 20 Aufträge gibt bei 35 Taxen in der Stadt, kann man sich ausrechnen, dass das nicht reicht.

Die Ordnung besagt aber auch, dass Taxiunternehmen die Dienstpflicht mit Hilfe von Absprachen untereinander erfüllen können...

Milharo: Auch das sehe ich kritisch, weil zu gewissen Zeiten kaum einer bereit ist, sein Auto abzustellen. Man kann niemanden verpflichten, die ganze Nacht über zu fahren. Zudem darf man nicht vergessen, dass man als Taxiunternehmer eben auch Mitarbeiter bezahlen muss. In Hilden fahren deswegen viele Unternehmer ganz allein, weil sich ihr Geschäft sonst nicht mehr lohnt.

Vor allem der Mindestlohn wird oft als Argument für die Reduzierung des nächtlichen Taxenverkehrs genannt. Spielt der wirklich so eine zentrale Rolle?

Milharo: Natürlich führt der Mindestlohn dazu, dass sich die Sache für Unternehmen nicht rechnet. Hinzu kommt die Konkurrenz durch Car-Sharing oder Limousinen-Services. Das Geschäft bei uns Taxifahrern ist immer weiter rückläufig.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem klassischen Taxigewerbe und dem Mietwagengeschäft mit vorbestellten Wagen, das viele Unternehmen inzwischen betreiben?

Milharo: Ein Mietwagen ist anonym und nicht als Taxi erkennbar. Dadurch können sich die Fahrer oft bestimmten Kontrollen entziehen. Zudem können die Unternehmen die Preise frei aushandeln, während Taxen an die Tarife gebunden sind.

Wie viele Unternehmer sind überhaupt in der Hildener Taxi-Zentrale organisiert und wie funktioniert sie?

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Milharo: Wir sind in Hilden 24 Unternehmer. Wenn der Kunde in der Zentrale anruft und ein Fahrzeug bestellt, wendet sich der Mitarbeiter am Telefon an den nächsten der sieben Taxistände in der Stadt und klärt, wer verfügbar ist.

Wie reagieren Sie auf die Veränderungen in Ihrem Gewerbe?

Milharo: Man kann nur versuchen, durch Werbung und die eigene Website auf sich aufmerksam zu machen und sich mit verschiedenen Angeboten abzustrampeln, von Flughafentransfers bis zu Kurierfahrten.

Zurück zur neuen Taxenordnung: Die umfasst nicht nur den Passus zur Nachtdienstbereitschaft, sondern enthält auch mehrere Ergänzungen, die die Hilfe beim Ein- und Aussteigen und funktionsfähige Navigationsgeräte oder Straßenpläne betreffen...

Milharo: Das sind doch alles Selbstverständlichkeiten. Natürlich helfen wir den Kunden beim Ein- und Aussteigen. Früher hatten wir den Kofferraum voll mit Straßenkarten, und heute nutzt jeder ein Navi. Verwaltung und Politik sollten sich eher mit ernsthaften Problemen befassen, anstatt solche überflüssigen Regelungen einzuführen.

Was wäre denn Ihr Wunsch?

Milharo: Zunächst einmal brauchen wir mehr Nachwuchs. Ich bekomme kaum noch Fahrer, weil die Prüfung für den Personenbeförderungsschein schwierig und kostspielig ist. Studenten, die sich, so wie früher, mit Taxifahren etwas dazu verdienen, bekommt man so gut wie gar nicht mehr. Auch in diesem Punkt sind Taxifahrer wiederum gegenüber dem Mietwagengeschäft im Nachteil: Denn die Unternehmer in diesem Bereich können Mitarbeiter einstellen, die keine Ortskundeprüfung ablegen müssen.

ALEXANDER RIEDEL STELLTE DIE FRAGEN

(RP)