Hilden: Taschengeldbörse steht in Startlöchern

Hilden: Taschengeldbörse steht in Startlöchern

Seniorenbeirat, Jugendparlament und Arbeiterwohlfahrt warten ab, ob sie vom Land Fördergelder bekommen.

Das Taschengeld etwas aufzubessern, ist nicht immer leicht. "Ich kenne es selber aus eigener Erfahrung und von Erfahrung anderer — ich habe eben noch mit meiner Cousine gesprochen, die genau dieses Problem im Moment hat —, wie schwer es sein kann, eine Tätigkeit zu finden", erzählt Julia Schnäbelin, die Sprecherin des Jugendparlamentes Hilden. Deshalb sei sie sofort begeistert gewesen, als sie von dem Projekt Taschengeldbörse gehört habe, das in Solingen bereits 2009 umgesetzt wurde. Dort helfen Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren Senioren gegen ein kleines Entgelt (mindestens fünf Euro die Stunde) beim Einkaufen, bei der Gartenarbeit oder bei kleinen Arbeiten im Haushalt. Das Landesministerium für Pflege und Alter hat es vor zwei Jahren als Vorzeigemodell gewürdigt.

Die Börse sei "eine super Möglichkeit, wenn man Zeit hat, einfach mal zu gucken, ob für einen etwas dabei ist", sagt Schnäbelin. Zudem seien es meist nicht "irgendwelche" Jobs, sondern solche, "bei denen man anderen Personen hilft, weil sie Dinge selber nicht (mehr) schaffen. Dies fördert — zumindest hoffe ich das — auch die soziale Ader der Jugendlichen beziehungsweise belohnt diese, die gerne helfen, damit, auf recht einfachem Weg ein bisschen Geld zu verdienen."

In Solingen wird die Taschengeldbörse, die von Jugendstadtrat und Seniorenbeirat ins Leben gerufen wurde, von der Arbeiterwohlfahrt betreut und koordiniert. Dies soll auch in Hilden so laufen. "Wir haben mit Hilfe der Solinger ein Konzept entwickelt, das unter anderem die Rahmenbedingung für die Versicherung und Vermittlung setzt", erklärt Günter Scheib, der Vorsitzende der Hildener Arbeiterwohlfahrt. Ein Förderantrag sei beim Land eingereicht.

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"Wir stehen in den Startlöchern und warten auf den Förderbescheid." Denn ohne den würde es schwierig, das Vorhaben zu finanzieren. Man wolle eine Mitarbeiterin für die Betreuung der Börse einstellen. Außerdem müsse mittelfristig eine Internetseite gestaltet werden, auf der sich Jobsuchende und Jobanbieter melden können. "Anfangs soll das Ganze von Hand koordiniert werden", erklärt Scheib. In Hilden hatte der Seniorenbeirat die Taschengeldbörse angeregt und beim Jugendparlament offene Türen eingerannt.

In Neuss-Grevenbroich soll die Taschengeldbörse am 1. Juni eingeführt werden. "Es hat etwas gedauert, die rechtlichen Formalitäten — insbesondere bei unserem Internetauftritt — genau prüfen zu lassen", erklärt Christoph Bongers. Er leitet den Jugendtreff St. Josef. Die katholische Kirchengemeinde ist Träger der Taschengeldbörse und finanziert sie gemeinsam mit dem dortigen Jugendförderverein. Landeszuschüsse habe man nicht beantragt. Man habe sich zwar das Solinger Vorreitermodell angesehen, dann aber ein eigenes Konzept entwickelt. "Wir sind jetzt gespannt, wie es ankommt", sagt Bongers. Die Jugendlichen hätten schon großes Interesse an der Börse gezeigt. Mit allen Interessenten werde man erst persönliche Gespräche führen. "Als Jugendtreff müssen wir nun gucken, dass wir Senioren mit passenden Jobangeboten finden." Man hoffe, dass sich das neue Angebot in der Pfarrgemeinde herumspreche.

(RP)
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