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Sven Lutter: „Wir arbeiten sehr nah am Leben“

Interview : „Wir arbeiten sehr nah am Leben“

„Manchmal sind wir auch die Feuerwehr“: Der Geschäftsführer der SPE Mühle spricht über die Arbeit der sozialpädagogischen Einrichtung und die Herausforderungen.

Fünfzig Jahre Arbeit für Menschen, denen es nicht so gut geht – die SPE Mühle hätte aus diesem Anlass viel Grund zu feiern. Corona lässt das nicht jeodch zu. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Sven Lutter macht deutlich, wo die Schwerpunkte der „Mühle“ liegen.

Bedauern Sie und ihr Team, dass es kein Jubiläumsfest geben wird?

Lutter Wir haben schon den Umzug in die Räume am Nove-Mestro-Platz im vergangenen Jahr wegen Corona nicht feiern können. Und auch jetzt können wir nicht verhindern, dass sich jemand ansteckt. Eine große Party passt einfach im Augenblick nicht. Die 50 Jahre sind wichtig, aber verändern unsere Arbeit nicht.

Wo liegen die Schwerpunkte?

Lutter Wir arbeiten in vielen Bereichen sehr nah am Leben. Die Probleme heißen drohende Obdachlosigkeit, Drogenkonsum oder Schwierigkeiten mit Kindern und Jugendlichen. Von der Grundkonstruktion her sind wir ein sozialer Verein, dessen Aufgabe es ist, soziale Probleme zu lösen. Dabei sind wir aus unserer Gründungsgeschichte heraus eng mit der Stadt verbunden. Manchmal sind wir auch die Feuerwehr.

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Inwiefern?

Lutter Ein Beispiel war die schnelle Unterbringung von rund 20 unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen. Die haben wir innerhalb von fünf Tagen organisiert. Dabei ist die enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wichtig. Überhaupt eine die Abteilungen übergreifende Arbeit mit dem Sozialamt.

Die Mühle hat über 60 Mitarbeiter. Was muss man mitbringen, um bei Ihnen tätig zu sein?

Lutter Neben der fachlichen Qualifikation ein beeindruckendes Maß an Teamfähigkeit. Und eine ausgesprochen soziale Ader. Was die Sache allerdings nicht immer leichter macht.

Warum?

Lutter Es geht in Deutschland häufig nach Statistiken, Regeln und Zahlen. Wir sind von der Landesregierung und beim Thema Sucht auch vom Landschaftsverband abhängig. Da macht man häufig einen Spagat zwischen den Systemen.

Und wie sind Sie als gebürtiger Hamburger zum Mühlen-Chef in Hilden geworden?

Lutter Ich habe während meines Jura-Studiums in Koblenz meine Frau kennengelernt. Die stammt aus Haan. Später habe ich für die Bundesagentur für Arbeit in Köln als Jurist gearbeitet. Als mein Schwiegervater, Paul Lutter, als Chef in der Mühle aufhörte, haben wir lange diskutiert, ob ich wechseln soll. „Hier ist das echte Leben“, habe ich gedacht und mich damals beworben.

Gibt es einen Wunsch zum 50.Geburtstag?

Lutter Es sind gerade große Umstruktuierungen in Planung. Wir sind als Verein zu groß geworden und wollen drei Tochtergesellschaften gründen. Es wäre einfach schön, wenn wir in Zukunft Rahmenbedingungen fänden, die uns weiterhin ermöglichen, unsere soziale Arbeit fortzusetzen.