Hilfe für benachteiligte Schüler : Summer School bringt Schüler voran

Schüler, die es in der Schule schwer haben, hängen durch die corona-bedingte Schließung jetzt noch stärker hinterher. Ayten und Bekir Arslan tun etwas dagegen: Ihr Verein „Hand in Hand“ arbeitet den Unterrichtsstoff mit den Kindern und Jugendlichen auf – kostenlos.

HILDEN Es herrscht eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre in der Hildener Summer School. Ältere und jüngere Schüler sitzen – natürlich mit Mundschutz – an  Tischen und lernen. „Die Mädchen und Jungen sind sehr motiviert, es macht viel Freude“, sagt Bekir Arslan. Für seine Frau Ayten und ihn bedeutet die Summer School allerdings auch sehr viel ehrenamtliche Arbeit, da der Verein „Hand in Hand“ möglichst vielen Schülern die Möglichkeit geben möchte, an der Summer School teilzunehmen.

Die Arslans bieten wesentlich mehr Gruppen an als geplant; Bekir Arslan zeigt auf einen proppenvollen Stundenplan, der die Wochen der Sommerferien im Lernzentrum am Nove-Mesto-Platz 3B füllt. „Aber wir machen das gern, denn wir möchten gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.“

Der Bedarf ist groß: „Wir haben einen Eingangstest beispielsweise in Mathematik gemacht, und zwar mit Schülern der 8. und 9. Klassen mit Stoff der 7. Klasse. Wenn das eine Klassenarbeit gewesen wäre, hätten alle eine 5 oder 6 geschrieben.“ Durch die Corona-Pandemie hatten die Schulen wochenlang geschlossen, noch immer ist kein regulärer Betrieb möglich. „Das trifft besonders die hart, die es ohnehin schon schwer in der Schule haben“, erklärt Bekir Arslan. In NRW gäbe es leider keine geförderten Maßnahmen zur Lernförderung. Vielmehr setze die Landesregierung auf Freiwilligkeit in Kommunen, Schulen und Lehrerschaft. Eine Handvoll Vereine allerdings, die täten etwas: „Wir möchten die Lerndefizite der betroffenen Schüler auffangen und ihre Kompetenzen stärken.“ Die Teilnahme ist für die Schüler kostenlos.

Die Decke des Unterrichtsraums haben die Schüler geschmückt, sie haben die Fahnen ihrer Herkunftsländer gemalt. Schüler aus Deutschland sind ebenso dabei wie Mädchen und Jungen aus dem Iran, dem Irak, aus Syrien und Afghanistan. Oft seien es sprachliche Defizite, die Bekir Arslan und die weiteren Ehrenamtler, die die Kinder mit dem Unterrichtsstoff begleiten, feststellen, in Mathematik aber beispielsweise seien die Kinder aus Ländern wie dem Iran weiter als andere. „Und jedes Kind hat natürlich seine individuellen Talente und auch sein individuelles Lerntempo.“

Bekir Arslan möchte immer den ganzen Menschen im Blick haben. Wenn es zu Schulproblemen komme, seien es verschiedene Stellschrauben, die dazu führen, und oft könnten diese verändert werden und das Gesamtbild verändern. „Wir bieten sozusagen ein Wohlfühlpaket für die Schüler an und schauen, wo es hakt.“ Ganz wichtig sei der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung, da die Kinder dies oft nicht kennen und davon unter anderem auch der Lernerfolg abhänge. Auch die EDV, die notwendig ist, um den Unterrichtsstoff in der Corona-Zeit digital zu erarbeiten, sei oft nicht vorhanden, häufig fehle Zuhause zudem die Struktur, um so lange konzentriert zu arbeiten.

Auch unabhängig von Corona bietet „Hand in Hand“ Nachhilfeunterricht an. „Wir sind keine Eintagsfliege, sondern wir gleichen mit einer fundierten Konzeption die Defizite der Schüler auf lange Sicht aus.“ Die Schulleiter und Lehrer der Kooperationsschulen (diese sind vor allem die Grundschule Schulstraße und die Marie-Colinet-Sekundarschule) stellen im Unterricht einen deutlichen Unterschied fest, wenn Schüler diesen in Anspruch genommen haben. „Wir haben zum Beispiel Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, die sich mit ein wenig Hilfe wunderbar weiterentwickeln und ein tolles Abitur ablegen werden.“

Bis auf eine kleine Fördersumme der Stadt Hilden finanziert sich „Hand in Hand“ selbst und freut sich daher über Unterstützung in Form von Spenden und in Form von Ehrenamtlern, die mit den jungen Menschen arbeiten möchten. Der Verein ist telefonisch erreichbar unter 02103 9083320. Zum Ende der Ferien wird Bekir Arslan den Eingangstest wiederholen – „und die besseren Ergebnisse werden zeigen, wie sehr sich die Summer School lohnt.“