Haan: Strom sparen und Klima schonen

Haan: Strom sparen und Klima schonen

Interview Clemens Hölter startete vor zehn Jahren die Aktion "No-Energy". Der Haaner holte gemeinsam mit dem Umweltbundesamt die Redaktion einer großen Computerzeitschrift ins Boot, die künftig Noten für den Stromverbrauch von Geräten vergibt.

In der Messehalle "GreenIT" auf der CeBIT in Hannover präsentierten das Umweltbundesamt und Clemens Hölter von der Aktion "No-Energy" ein neuartiges Energiesparsiegel, das den Kunden als Orientierungshilfe in Bezug auf den Stromverbrauch dienen soll. RP-Mitarbeiter Daniel Oelbracht unterhielt sich mit dem Haaner über die neuartige Bewertung, die Reaktion des Bundesumweltministers und die Vorteile für die Gartenstadt.

Herr Hölter, wieso muss es eine neue Energiesparplakette geben?

Clemens Hölter Nach sechs Jahren mit unserer Stromsparer-Plakette war die Zeit einfach reif. Die von der Aktion "No-Energy" geforderten Grenzwerte für den Standby-Betrieb von Elektro- und Elektronikgeräten haben zwar teilweise Einzug in eine EU-Verordnung gehalten, aber über den realen Stromverbrauch erfährt der Kunde nichts. Weder EU noch Umweltbundesamt dürfen Messwerte beurteilen und Noten vergeben. Und das bekannte System der Energieeffizienzklassen bei der weißen Ware ist inzwischen zu starr. Nicht umsonst musste eine Steigerung von A auf A+ und A++ eingeführt werden.

Wie funktioniert das neue Siegel?

Hölter Ab sofort werden die jährlichen Stromkosten mit Hilfe einer praxisnahen Formel berechnet, in Euro dargestellt und mit Schulnoten bewertet. Renommierter Partner ist die Redaktion der Zeitschrift "Computerbild", die künftig zum Beispiel PCs entsprechend testet. Sonderfälle in der Nutzung eines Gerätes spielen keine Rolle, sondern es liegt ein typisches Szenario mit Leerlauf, Arbeiten, Vollauslastung, Standby und Auszustand sowie ein durchschnittlicher Strompreis zugrunde. Weitere Gerätekategorien folgen.

Was ist das Besondere an der Bewertung?

Hölter Die Notenskala entwickelt sich weiter. Kommen neue Geräte mit geringerem Stromverbrauch auf den Markt, liegt die Messlatte für alle übrigen Geräte automatisch höher. Eine gute Note zu erhalten wird schwieriger. Auch der Strompreis wird regelmäßig angepasst. "Computerbild" macht mit der Bewertung den Anfang, in Kürze folgt die "Audio-Video-Foto-Bild".

Wie waren die Reaktionen auf die Plakette auf der CeBit?

Hölter Es gab viel positive Resonanz. Kurz vor dem Beginn der Messe hatten noch mehrere Umweltverbände eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für den Stromverbrauch gefordert. Mit der Plakette rennen wir also offene Türen ein. Als der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen an unseren Stand in Hannover kam, habe ich ihm die Bewertung erklärt. Er war von der Initiative äußerst angetan. Erste Hersteller haben angefragt, wie sie die Plakette erhalten können.

Welche Auswirkungen erwarten Sie denn?

Hölter Wenn es gelingt, die Plakette im Handel zu etablieren, werden die Hersteller reagieren. Die Nachfrage muss allerdings von den Kunden ausgehen. Wenn die Hersteller ihre Produkte verbessern und den Stromverbrauch reduzieren, dann ja nicht nur für den deutschen Markt, sondern europa- oder sogar weltweit. Die EU gerät ebenfalls unter Zugzwang und wird mittelfristig sicher eine Kennzeichnungsverordnung auf den Weg bringen. Die Kombination von Testergebnis und Energienote ist optimal für die Kaufentscheidung des Verbrauchers geeignet.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Aktion "No-Energy"?

Hölter Ich bin sehr zufrieden. Ich habe Kontakte zu interessanten Partnern geknüpft und baue das Netzwerk weiter aus. Die Erfolge lassen auch Haan gut aussehen. Mein Ziel ist es, die Stadt in Sachen Klimaschutz vorwärts zu bringen. Ein Baustein ist die Gründung der No-Energy-Stiftung für Klimaschutz und Ressourcen-Effizienz noch in diesem Jahr.

www.no-energy.de

(RP)