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Hilden: Streit um städtische Wildnis

Hilden : Streit um städtische Wildnis

Die Stadt Hilden soll ihr verwildertes Grundstück zwischen Walter-Wiederhold-Straße und Zeissweg durchforsten, fordert Nachbarin Anita Bergner. Dazu sieht Tiefbauamtsleiter Harald Mittmann aber keine Veranlassung.

Das rund 2500 Quadratmeter große städtische Grundstück zwischen Walter-Wiederhold-Schule, Walter-Wiederhold-Straße, Eichenstraße und Zeissweg ist eine grüne Insel, umgeben von Bebauung. Nachbarin Anita Bergner würde da eher von einem Dschungel sprechen: "Ich kann ja selbst den Turm von St. Johannes Evangelist nicht mehr sehen."

Die Stadt Hilden habe das Areal verwildern lassen, beschwert sie sich in einen Brief bei Bürgermeister Horst Thiele. Folge: Das dichte Unterholz locke "Ungeziefer" und Füchse. Der Räuber habe erst die Gelege ihrer indischen Laufenten geplündert und dann alle sechs Tiere totgebissen.

Die pensionierte Lehrerin fordert die Stadt auf, "ihren Pflichten als Grundstückseigentümerin und Nachbarin nachzukommen und umgehend das Grundstück wieder in den gepflegten Zustand einer Obstwiese zu versetzen" — so habe es beim Ankauf durch die Stadt Mitte der 1980er Jahre ausgesehen.

Dann werde dem Fuchs auch der Unterschlupf genommen, glaubt die Beschwerdeführerin, die in ihrem 1100 Quadratmeter großen Garten wieder indische Laufenten halten will: "Die fressen die Schnecken und halten das Unkraut nieder." Der Fuchs verbreite den Fuchsbandwurm und damit die Tollwut, warnt Bergner. Sollte die Stadt nicht bis 22. Juni tätig werden, will sie sie verklagen. Geäußert habe sich die Stadt zu ihrem Schreiben vom 21. Mai bisher nicht.

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"Wir pflegen das Gelände so, wie es jeder Nachbar erwarten kann", sagte dazu gestern Tiefbauamtsleiter Harald Mittmann. Ein bis zweimal im Jahr werde das Grün an den Rändern ein bis zwei Meter weit zurückgeschnitten, damit es die Nachbarn nicht belästige. Füchse lebten heute längst nicht mehr nur im Wald. Als Kulturnachfolger des Menschen sei Reinecke auch in gepflegten Siedlungsgärten anzutreffen. Durch Auslichtung des Unterholzes (wie von der Bürgerin gefordert) sei der Fuchs nicht fernzuhalten, glaubt Mittmann.

Über die Nutzung des Geländes wird schon mehr als 25 Jahre gestritten. Die Stadt Hilden hatte das Gelände Mitte der 1980er Jahre gekauft. Dort sollten zwei- bis dreigeschossige Wohnhäuser für kinderreiche Aussiedlerfamilien gebaut werden. Die Nachbarn protestierten: Grundstücksbesitzer der Walter-Wiederhold-Straße hätten unter anderem Teile ihrer Gärten (im Schnitt 1000 Quadratmeter groß) abgeben müssen. 1995 nahm die Stadt einen zweiten Anlauf und wollte dort eineinhalbgeschossige Einfamilienhäuser errichten. Die Pläne scheiterten wieder am Widerstand der Anwohner. 2003 beantragten die Unabhängigen, das Gelände zu rekultivieren und dort eine Obstwiese anzulegen. Dafür fanden sie jedoch keine Mehrheit im Rat.

Dirk Boß, damals Leiter der benachbarten Walter-Wiederhold-Grundschule, schlug vor, das Areal in ein "Abenteuerland für Kinder" zu verwandeln. Auch daraus wurde nichts. Für eine Bebauung gibt es eine Reihe von Hindernissen, erläutert Andreas Trapp, Leiter der Bauaufsicht im Rathaus. Der Stadtrat müsste zunächst einen Bebauungsplan aufstellen. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises werde in jedem Fall durch ein Gutachten prüfen lassen, ob sich dort seltene Tiere und Pflanzen angesiedelt haben. Schließlich müsste noch die Walter-Wiederhold-Straße als Erschließung ausgebaut werden. Dafür müssten die Anwohner Grund und Boden abtreten.

(RP/rl)