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Hilden: Straßenlärm vertreibt Anwohner

Hilden : Straßenlärm vertreibt Anwohner

Der Stadtentwicklungsausschuss berät am Mittwoch über einen Lärmaktionsplan (Stufe 1) für Hilden. Alle Straßen, um die es geht, liegen aber nicht in der Zuständigkeit der Kommune. Das ändert sich mit Stufe 2 ab 2013.

Muhammer Simsek ist einer von bis zu 1300 Hildenern, die besonders unter Straßenlärm zu leiden haben. Seit zwölf Jahren wohnt der 36-jährige Vater von drei Kindern (14, sieben und sechs Jahre alt) an der Klotzstraße (L 404). Dort fahren täglich bis zu 17 800 Fahrzeuge vorbei, sechs Millionen Kfz jährlich, hat die Stadt Hilden ermitteln lassen. Der Verkehrslärm überschreitet dabei tagsüber 70 dBA und nachts 60 dBA. Für diese Fälle sieht das Landesumweltministerium "dringlichsten Handlungsbedarf".

Wegen des Verkehrslärms lernt Muhammer Simsek am liebsten in der Uni. Wenn der Mediziner abends ins Bett geht, verschließt er seine Ohren mit Stöpseln: "Sonst finde ich nicht in den Schlaf", sagt er. Abends donnerten Lastwagen mit bis zu 80 km/h durch die enge Häuserschlucht der Klotzstraße und ignorierten selbst rote Ampeln an der Kreuzung zur Neustraße. Für den lärmgeplagten Anwohner steht fest: "Wenn ich im Mai meine Facharztprüfung geschafft habe, werden wir hier wegziehen."

Maßnahmen sind umstritten

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Die Stadt Hilden hat ein Fachbüro Vorschläge erarbeiten lassen, wie man den besonders lärmgeplagten Anwohnern in Hilden helfen kann. Sie wurden zu einem Lärmaktionsplan für Straßen mit besonders viel Verkehr (Stufe 1) zusammengefasst, der am Mittwoch im Stadtentwicklungsausschuss (ab 17 Uhr im Saal des Bürgerhauses, Mittelstraße 40) beraten und beschlossen werden soll. Für die Klotz-/Richrather Straße (bis Baustraße) schlägt die Stadt die Reduzierung der Geschwindigkeit von heute Tempo 50 auf 30 km/h vor. Dadurch sinke der Schallpegel um 1,5 bis 2,5 dBA. Für Anwohner Simsek wäre das zumindest ein Anfang — vorausgesetzt, dass Tempolimit werde auch überwacht.

Der Effekt könne noch verstärkt werden, wenn die Ampeln zu einer "Grünen Welle" geschaltet werden könnten, um den Lärm zu verstetigen, so das Fachbüro. Langfristig könne der Lärm durch den Einbau von Flüsterasphalt gesenkt werden (4 bis 5 dBA), mit dem Düsseldorf gute Erfahrungen gemacht habe.

Umgesetzt werden all die guten Vorschläge wahrscheinlich nicht, fürchtet Planungsamtsleiter Peter Stuhlträger. Weil die Straßen, um die es geht, nicht in der Zuständigkeit der Stadt, sondern von Bund und Land liegen. Und weil die Maßnahmen im Einzelnen durchaus umstritten sind. Die IHK Düsseldorf und die Handwerkskammer sprechen sich beispielsweise strikt gegen Tempo 30 auf innerstädtischen Durchgangsstraßen aus. Auf der Richrather Straße gibt es bereits einen Tempo-30-Abschnitt im Bereich des S-Bahnhofs Hilden-Süd.

Bis 18. Juli 2013 muss die Stadt Hilden auch Straßen mit einer Verkehrsbelastung von 4000 Kfz/Tag hinsichtlich der Lärmbelastung bewerten. Dort könnten Rat und Verwaltung in eigener Zuständigkeit tätig werden. Bei der Rekonstruktion von Straßen könnte dann Flüsterasphalt eingebaut werden, erläuterte Stuhlträger. Die Stadt könnte einen Teil der Kosten über die Beiträge von Grundstückseigentümern refinanzieren. Das Hildener Tiefbauamt will Flüsterasphalt als neuen Standardasphalt einsetzen.

www.rp-online.de/hilden

(RP)