Stralsund verdrängt Hilden von der Spitze.

Hilden: Silber für Einkaufsstadt Hilden

2016 kürt die Beratungsgesellschaft IFH Köln Hilden zur attraktivsten Einkaufsstadt Deutschlands. In diesem Jahr gewinnt Stralsund, die Kunden wählen Hilden auf Platz zwei.

Was macht eine attraktive Innenstadt aus? Das hat die IFH Köln fast 60.000 Besucher in 116 Städten in ganz Deutschland gefragt. Alle Ortsgrößen und Regionen waren vertreten. 2016 wählten die Befragten überraschend Hilden auf Platz 1 in der Kategorie 50.000 bis 100.000 Einwohner. Diesmal ging die Krone an Stralsund,  Hilden kommt auf Platz 2 von 30 teilnehmenden Kommunen dieser Größe.

Stadtmarketing-Geschäftsführer Volker Hillebrand ist trotzdem nicht traurig: „Auch wenn wir den Titel ,Attraktivste Einkaufsstadt Deutschlands’ in unserer Größenklasse an Stralsund verloren haben, freuen wir uns über das gute Ergebnis, welches sogar noch geringfügig besser ist als vor zwei Jahren.“ Hilden erhielt diesmal die Note 2,0 nach 2,1 vor zwei Jahren. Zum Vergleich: Die Durchschnittsnote in der Größenklasse Hildens betrug 2,5. Zudem sei Hilden mit der Tourismus-Metropole Stralsund (2016: 505.000 Übernachtungen) nur bedingt vergleichbar, meint Hillebrand.

Stralsund (knapp 60.000 Einwohner) liegt an der Ostsee, gilt als das „Tor“ zur Insel Rügen und ist eine alte Hansestadt mit zahlreichen Baudenkmalen. Die Altstadt gehört seit 2002 zum Unesco-Weltkulturerbe. Stralsund ist Universitätsstadt und hat mit dem Ozeaneum ein Meeresmuseum von internationalem Rang. „Wir haben kein Schloss und keinen Dom“, scherzt Hillebrand: „Hildens Schloss steht in Benrath und unser Dom in Köln – trotzdem hat Hilden  wieder so gut  abgeschnitten.“

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Besonders bei Ambiente und Flair habe Hilden von den Befragten gute Noten bekommen. „Sehr gut“ bis „gut“ gab es für die Erreichbarkeit mit Bus, Auto und Fahrrad. Ladenöffnungszeiten, Gastronomie- und Dienstleistungsangebot. Ebenso für das Ambiente der Innenstadt: Gebäude/Fassaden, Plätze/Grünflächen, Sauberkeit, Sicherheit und Lebendigkeit der City sowie für Events, Feste und Veranstaltungen. Auch das Angebot im Einzelhandel ist gut bis sehr gut, abgesehen von den Sparten Wohnen/Einrichten und Sport/Spiel/Hobby. Dort wurde nur ein „befriedigend“ vergeben. Auch das gastronomische Angebot hat sich verbessert, sieht man einmal von der Kategorie Fast Food/Imbiss und Gastronomie im Handel ab (Note 3) ab.

Welche Schlussfolgerungen zieht das Stadtmarketing aus der Studie? „Der Status quo ist ganz in Ordnung“, meint Hillebrand: „Aber Online-Kunden sind in der Befragung nicht wirklich vertreten.“ Die Digitalisierung des stationären Einzelhandels sei das Thema, das über die Zukunft der Einkaufsstadt Hilden entscheide. Mehr als 520 Milliarden Euro setzte der Einzelhandel 2018 in Deutschland um, schätzt IFH, mehr als zehn Prozent im Online-Handel.  Dieser Anteil wird weiter zulegen – auf Kosten und zu Lasten des stationären Einzelhandels. „Deshalb muss der stationäre Einzelhandel sein Sortiment online verfügbar machen“, fordert Volker Hillebrand: „Service und persönliche Beratung sind und bleiben weiter wichtig. Für den Kunden kann der Einkauf im Laden zum Erlebnis werden – oder genau zu seinem Gegenteil.“

Einige Fakten zum Hildener Handel: 2016 wurde ein Bruttoumsatz von rund 455,9 Millionen Euro erzielt. Die Verkaufsfläche summiert sich auf 133.765 Quadratmeter. Der Hildener Handel ist regional stark: Die 340 Einzelhändler machen knapp 60 Prozent (rund 273 Millionen Euro) ihres Umsatzes mit einheimischen Kunden und etwa 40 Prozent (182 Millionen Euro) mit Kunden von auswärts. Die Hildener Bürger kaufen alle Sortimente zu 70 Prozent in ihrer Heimatstadt ein. Das ist ein ungewöhnlich hoher Anteil. ⇥Christoph Schmidt