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Stele soll in Hilden an Nazi-Opfer Leo Meyer erinnern

Erinnerung an Leo Meyer : Stele soll an Hildener Nazi-Opfer erinnern

Der Hildener Jude hatte im Ersten Weltkrieg französischen Flüchtlingen in Belgien geholfen und überlebte den Holocaust in einem Kloster.

In Hilden soll schon bald eine Stele an das Schicksal von Leo Meyer erinnern. Therese Neuhaus hatte einen Bürgerantrag eingebracht, der nun von der Politik verabschiedet worden ist. Die Säule soll an der Ecke Mittelstraße/Bismarckstraße aufgestellt werden. Dort lebte der 1891 geborene Meyer zuletzt.

Der Spross einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie floh vor den Nazis und überlebte den Holocaust. Vier Jahre lang kämpfte er im Ersten Weltkrieg für sein Vaterland. 1917 wurde er Ortskommandant in Oost-Malle, einer Kleinstadt im besetzten Belgien. Dort litten Hunderte von französischen Flüchtlingen aus Lille große Not. Meyer half: Mehrfach ließ er heimlich Lebensmittel in ein Kloster schaffen, das die Spenden verteilte. Mehr noch: Er bat seinen Vater um Geld. Dieser schickte ihm 5000 Goldmark, damals ein Vermögen. Er gab das Geld der Oberin und bat sie, damit die Flüchtlinge zu versorgen. Die Nonnen nannten ihn „le bon boche“, den guten Deutschen.

Leo Meyer floh nach der Pogromnacht 1938 – in der er schwer verletzt wurde, sein Vater Nathan stirbt einige Tage später an den Misshandlungen – nach Belgien und bat völlig mittellos im Kloster von Oost-Malle um Hilfe. Die Oberin erkannte „le bon boche“ – und half. Als die Wehrmacht Belgien überfiel, wurde Leo Meyer in dem berüchtigten Lager Gurs in Vichy-Frankreich interniert. Ohne die Lebensmittelpakete von Oberin Beatrix wäre er dort verhungert.

1941 erhielt Leo Meyer „Erholungs-Urlaub“, wurde befristet entlassen. Der Bruder der Äbtissin, der Müller Joseph Briquet, nahm ihn bei sich zu Hause auf. Dort konnte sich der deutsche Jude bis Kriegsende verstecken. 1949 kehrte Meyer nach Hilden zurück, kämpfte um Wiedergutmachung. Sein ehemaliger Nachbar und NS-Ortsgruppenführer Heinrich Thiele hatte sich die fünf Häuser der Meyers samt dem dazu gehörigen Land unter den Nagel gerissen. Gerichte sprachen Thiele frei. Leo Meyer fand keine Gerechtigkeit und starb – krank und zermürbt – 1953 mit 58 Jahren: „Die Zeiten, die ich durchgemacht habe, haben mich umgebracht.“

Therese Neuhaus erzählte im Haupt- und Finanzausschuss die erschütternde Geschichte des Nazi-Opfers. „Als Hildener fühlt man sich heute noch beschämt“, sagte Ludger Reffgen von der Bürgeraktion. Thomas Remih von der FDP schlug vor, bei der Neubenennung von Straßen oder Grünflächen das Gedenken an Leo Meyer einzubinden, und einen Park nach ihm zu benennen. Anabela Barata regte für die SPD eine neue Vortragsreihe an, in der auch das Schicksal von Leo Meyer thematisiert und das Buch über ihn bekannter gemacht werden soll.

Am Ende einigten sich die Politiker auf den Vorschlag von Therese Neuhaus, eine Stele in der Innenstadt aufzustellen. Ein Stolperstein, wie sie für den Rest seiner im Holocaust ermordeten Familie an der Gerresheimer Straße 189/191 liegen, war zuvor abgelehnt worden, da Leo Meyer nicht direkt von den Nazis ermordet oder in den Tod getrieben worden ist. Jetzt muss noch der Stadtrat zustimmen, doch damit ist zu rechnen.