Hilden Steine gegen das Vergessen

Düsseldorf · Der Arbeitskreis "Stolpersteine" bereitet die Gedenkveranstaltung am 9. November vor – und sucht aktuell Sponsoren, die einen Hildener Opferstein für den geplanten Gedächtnishügel in Auschwitz mit finanzieren.

Aus ihrem Buch "Stolpersteine für Rolf und Henry Bernstein. Gedenken – Erinnern – Versöhnen" las gestern Karin Marquardt im Gemeindezentrum der Reformationskirche. Das Schicksal der verwandten jüdischen Familien Bernstein und Eichenwald aus Hilden und Benrath ist nur eines von 36, das der Arbeitskreis "Stolpersteine in Hilden" in den vergangenen sechs Jahren recherchiert hat. Am 9. November wird der Opfer des Nationalsozialismus mit einem Sterngang und einem Gottesdienst gedacht.

Sieben Opfer in Pogromnacht

Inspiriert von dem ehemaligen Helmholtz-Lehrer Klaus Herborn wurde der Arbeitskreis von Schülern und Lehrern verschiedener Hildener Schulen, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie der Evangelischen Erwachsenenbildung im April 2004 gegründet. Bereits sieben Monate später kam der Kölner Künstler Gunter Demnig zum ersten Mal in die Itterstadt, um einen "Stolperstein" zu verlegen. 35 weitere folgten – für den vorerst letzten hatte im vergangenen Jahr das Jugendparlament die Patenschaft und die damit verbundenen Kosten von 95 Euro übernommen.

Nicht nur jüdische Bürger, auch Kommunisten, behinderte Menschen, die dem "Euthanasie"-Programm der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, wurden auf diese Weise geehrt – auch Hendrika Grüter, ein evangelisch getauftes Hausmädchen, das in der Pogromnacht aus Solidarität mit seinen jüdischen Arbeitgebern den Freitod wählte. Sieben Hildener wurden allein in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ermordet oder starben an den Folgen der Misshandlungen – "eine erschreckend hohe Zahl für das damals gerade 20 000 Einwohner zählende Städtchen", stellt Marquardt fest.

Alle sechs Wochen treffen sich die 15 festen Mitglieder des Arbeitskreises, um Aktionen wie den Hildener Opferstein für den Gedächtnishügel in Auschwitz zu planen oder weitere Schicksale zu recherchieren. "Bei jedem Sterngang erhalten wir neue Hinweise", berichtet Anita Ellsiepen, die sich besonders an eine alte Frau erinnert. "Die kam aus dem Haus, als wir für Julius Kaupe einen Stolperstein verlegten, und sagte: ,Das ist gut, dass an diesen netten jungen Mann erinnert wird. Der war immer so höflich.'" Wie aus der sprachlos machenden Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden persönliches Interesse wird, haben auch die Theodor-Heuss-Schüler erlebt, die das Schicksal eines achtjährigen Mädchens recherchierten. "Das berührt viel mehr als jeder Geschichtsunterricht", weiß Peter Paul, der selbst an der Haaner Hauptschule Zum Diek unterrichtet hat. Über die Verlegung des Stolpersteins für Benjamin Blankenstein, der die Familie Bernstein in den Niederlanden versteckte und denunziert wurde, hat Birgit Brebeck-Paul einen Film gedreht, der am 23. November um 18.30 Uhr im Saal der Friedenskirche zu sehen ist.

frage des tages

(RP)