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Statt Museum: Freiluft-Kunst in der Stadt

Hilden : Statt Museum: Freiluft-Kunst in der Stadt

Die Museen sind zurzeit geschlossen. Das Wetter ist aber schön. Und an vielen Orten blüht die Kunst.

Unsere erste Station ist der Skulpturengarten rund um das historische Kutscherhaus, Domizil des Künstlervereins H6 an der Hofstraße 6. In dem idyllischen Garten, mitten im Herzen der Stadt, geht es um das Zusammenspiel von Kunst und Natur. Das Spektrum der Arbeiten umfasst klassische Skulpturen sowie Objekte und Installationen. Die gestalterische Freiheit im Umgang mit Formen und Materialien lässt größtmögliche Assoziationen zu. So ist ein formenreicher, spielerischer Parcours entstanden. Die Skulpturen laden dazu ein, sie zu umgehen und von allen Seiten zu betrachten und zu berühren. Der Garten steht jedem Besucher offen, der Eintritt ist frei.

Vom H6 sind es nur ein Paar Schritte bis auf die Mittelstraße. In Höhe der Reformationskirche steht die „Eilige Einkäuferin“ (1982) von Professor Karl-Henning Seemann. Am anderen Ende der Mittelstraße steht ihr Pendant, die „Pandora“ (1998). Seemanns künstlerisches Werk wurde erstmals 1966 mit dem Rudolf-Wilke-Preis der Stadt Braunschweig gewürdigt. 1972 wurde er an die Fachhochschule Aachen berufen und von 1974 bis 1999 war er Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Aufgeweckte Kinder stehen häufig vor der „Eiligen Einkäuferin“ stehen und fragen, „warum die Frau sechs Beine hat“. Das bringt Erwachsene häufig in Verlegenheit: Gute Kunst sorgt für Fragen.

Bevor wir uns das Pendant, die „Pandora“, anschauen, biegen wir rechts ab Richtung Warrington-Platz. Links neben dem Itter-Karre ist der „Kleine Warrington-Platz“. Dort steht das pyramidenförmige Metallrohr-Objekt „Tanzende“ des Bildhauer Willy L. Bitter. Die tanzenden „Linienfiguren“ sind sein Markenzeichen.  2002 machte der selbstbewusste Kreative von sich reden, als er auf den Kreis-Kulturpreis verzichtete. Er sollte geteilt werden – das sei bei einem Preis für ein Lebenswerk nicht möglich, meinte Bitter – und lehnte ab.

Zurück geht es auf die Mittelstraße und dann Richtung St.-Jacobus-Kirche. Dort steht Seemanns „Pandora“. Die Statue wird bei den Hildenern wegen der Geldscheine und weil sie vor einer Lottoannahmestelle steht, auch „Lottofee“ genannt.

Zwischen der Kirche und dem neuen Jacobushof gelangt man auf die Mühlenstraße. Wir wenden uns nach links Richtung Rathaus und stoßen nach etwa 250 Metern rechts auf eine Statue. Dort stand zuvor die Lederfabrik Jüntgen. Mehr als 120 Jahre lang, bis in die 1980er Jahre, wurde dort Leder gegerbt. Daran erinnert eine kleine Bronzeplastik des Bildhauers Olaf Höhnen neben der Mühlenstraße. Sie zeigt einen Lohgerber, der sich mit seinem Schabmesser in der Hand über ein aufgespanntes Fell beugt und es bearbeitet. 1987 hat der Architekt Hans Strizewski den Komplex Mühlenstraße mit 200 Wohnungen entworfen.

Von dort aus sind es nur ein Paar Schritte bis zum Rathaus (Am Rathaus 1). Im Innenhof steht die Bronze von Bernd Altenstein. „Unser kleiner Planet“ hat sie der Künstler genannt. 1992 wurde sie aufgestellt. Man muss schon genau hinschauen: Die Weltkugel und ihre Bewohner lassen viele Interpretationen zu.

Berthold Welter und Jochen Schwab nennen ihre Schöpfung in Form eines Schenkelknochens „Hommage an Wilhelm Fabry“. Sie ist 1,7 Tonnen schwer und steht vor der historischen Kornbrennerei (Benrather Straße 32a).. Das stattliche Objekt misst mit Sockel 2,70 Meter. Ein Schenkelknochen mit Gelenkpfanne war das Modell, aber nicht irgendeiner. „Der Knochen einer Ziege, mitgebracht aus Kreta, der auf meinem Schreibtisch lag, hat uns inspiriert“, erzählt Welter. „Er erschien uns für unser Vorhaben ideal, weil das Gelenk so ausgeprägt ist.“ Der Reiz der Oberfläche des Eifeler Sandsteins liegt in der bewegten Struktur. Gekrönt wird das Objekt durch ein ionisches Kapitel, nachempfunden der Form eines Ziegen-Oberschenkelknochens mit Gelenkpfanne.

Über die Poststraße gelangen wir zum Bahnhof Hilden. Wer einen Eindruck vom künstlerischen Schaffen Heinz Brelohs (1940 in Hilden geboren, 2001 in Köln gestorben) bekommen möchte, findet in der Bronzeplastik „Lebensgröße II“ auf dem Bahnhofsvorplatz ein eindrucksvolles Anschauungsobjekt. Seine Witwe Krimhild Becker hatte es 2009 der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Breloh arbeitete als Professor und Dozent im In- und Ausland. 1989 erhielt er den Preis des Deutschen Künstlerbundes. Skulpturen von Breloh stehen unter anderem vor der St. Nikolaikirche in Wismar, auf dem Moltkeplatz in Essen und vor dem Wissenschaftszentrum der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Werke von Breloh werden unter anderem im Kolumba-Museum (Köln) sowie im Museum Schloss Morsbroich (Leverkusen) – in renommierten Einrichtungen also. Und auf dem Bahnhofsvorplatz in Hilden. Und hier endet unser Kunst-Rundgang.