Starthilfe für I-Dötzchen in Hilden und Haan

Hilden/Haan : Starthilfe für i-Dötzchen

Der Hildener Kinderschutzbund stattet bedürftige Kinder mit Tornistern aus. In Haan gibt es bei der Kleiderkammer günstige Schultaschen.

Ende August startet das neue Schuljahr. Die Einschulung ist für Eltern ein teures Vergnügen. Finanzschwache Familien können diese Kosten kaum aufbringen. Allein der möglichst kinderrückenfreundliche, ergonomische, reflektierende, leichte und mit beliebten Motiven versehene Tornister kostet schnell 200 Euro oder mehr.

Bei Müller an der Mittelstraße in Hilden gibt es jede Menge Rucksäcke, auf denen Monster, Elfen, Saurier oder Einhörner prangen. Die günstigsten sind für gut 100 Euro zu haben, aber die meisten kosten um die 200 Euro, obwohl sie zum Teil bereits heruntergesetzt sind. Bei Woolworth gab es bei unserer Stippvisite nur noch einen Ranzen für 60 Euro, der ursprünglich 150 gekostet hat. Bei Thalia ist man spät dran, dort sind noch gar nicht alle Modelle eingetroffen. Auch hier sind durchschnittlich 200 Euro fällig. Das Schreibwarengeschäft Kunze und Schneider in der Bismarckpassage bietet gar keine Ranzen mehr an: „Die Leute lassen sich hier nur beraten und kaufen dann im Internet, weil die ihnen hier zu teuer sind“, gibt eine junge Verkäuferin offen zu.

Neben der Schultasche müssen noch eine Schultüte und ein Turnbeutel samt Inhalt, Hefte, Stifte, Bücher und noch einiges mehr angeschafft werden. Die Schulen statten Eltern im Vorfeld mit langen Einkaufslisten aus, auf denen genau steht, was ihr Kind benötigt. Bei Müller in Hilden sind schon drei Wochen vor dem Schulstart mehrere Erwachsene dabei, ihre Listen abzuarbeiten.

„Ein Schulstart kostet mindestens 300 Euro“, schätzt Christa Cholewinski, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Hilden. Zum Glück gibt es in Hilden und Haan Vereine und Verbände, die Spenden einsammeln und mit diesen Schulranzen, Erstausstattung und Zuschüsse zum Schulessen für Flüchtlings- oder Hartz-IV-Familien bezahlen.

 Bereits zum dritten Mal in Folge stattet der Kinderschutzbund in Hilden Flüchtlingskinder mit einem neuen Tornister aus. „Wir möchten den Kindern einen guten Einstieg in den neuen Lebensabschnitt ermöglichen. Da es aber natürlich auch noch andere Familien gibt, für die eine Neuanschaffung eines Tornisters finanziell nicht möglich ist, haben wir erstmals in Kooperation mit dem Stellwerk auch diesen Kindern einen neuen Tornister ermöglicht“ erklärt Christa Cholewinski.

„Bei der Auswahl der Tornister musste es nicht das neueste Modell sein, aber Passform, Stabilität und Gewicht war dem Kinderschutzbund schon wichtig. Zudem sind alle Ranzen mit passendem Turnbeutel und Federmäppchen ausgestattet.“ Man habe einen Händler gefunden, der dem Kinderschutzbund hochwertige neue Tornister für 90 Euro überlasse.

Die insgesamt 16 Tornister sind bereits verteilt. Eltern, deren Kinder nicht zu den Beziehern gehören, können beim Stellwerk im Bürgerhaus fragen, ob ihnen vielleicht Geld aus dem spendenfinanzierten „Härtefonds“ gewährt wird. In Haan erhalten Bedürftige bei der Kleiderkammer für fünf bis zehn Euro sehr gut erhaltene gebrauchte Schulranzen. Das Angebot wird gerne genutzt. „Wir haben zurzeit immer zehn bis 20 Schultaschen, zum Teil mit Zubehör, zur Auswahl“, erzählt Monika Nilgen-Labonté, eine der Gruppenleiterinnen der Kleiderkammer.

Ein anderes Haaner Angebot ruht erst einmal: Heinrich Beyll von der Caritas hatte gut zehn Jahre lang Spendengelder eingesammelt, um armen Kindern das Schulessen zu finanzieren. „Wir haben jedes Jahr etwa 20.000 Euro erhalten und damit jeweils 100 Kinder unterstützt, deren Eltern den Eigenanteil fürs Essen nicht aufbringen konnten.“ Das ist jetzt nicht mehr nötig, weil diese Kosten ab sofort komplett vom Staat übernommen werden. So regelt es das neue Bildungs- und Teilhabegesetz. Beyll und seine Mitstreiter überlegen gerade, wen oder was sie stattdessen mit diesen Spendengeldern unterstützen könnten.

Ab sofort gibt es für fast alle Schulkinder (außer die von sehr gut verdienenden Eltern) 150 Euro Schulbeihilfe pro Jahr. Das ist, denkt man an die Tornisterpreise, immer noch sehr knapp bemessen.

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