Gruiten: Stammtisch schreibt Geschichte

Gruiten : Stammtisch schreibt Geschichte

Seit September 2004 vergeht kaum ein Montag, an dem ein Besucher nicht etwas Neues fürs Archiv mitbringt.

Begonnen hat alles damit, dass Johann Peter Kratz als Presbyter der evangelisch-reformierten Kirche in Gruiten feststellte, dass die Kirchenbücher und Unterlagen nicht gut sortiert waren. Das Presbyterium entschied, einen Geschichtsausschuss zu gründen. "Wir haben dann ein Archiv eingerichtet", erzählt Kratz. Unterlagen wurden zusammengetragen, neue kamen dazu. "Außerdem haben wir festgestellt, dass in einem Kirchenarchiv nicht nur kirchliche Dokumente liegen, sondern auch weltliche", sagt Lothar Weller.

Er hatte die Idee, an die Öffentlichkeit zu gehen und einen Geschichtsstammtisch zu gründen. "Es gibt keine evangelische oder katholische Geschichte, es gibt nur eine Gruitener Geschichte", betont Weller. Der erste Geschichtsstammtisch fand Anfang September 2004 in der Cafeteria des Elisabeth-Strub-Hauses statt. Gegründet wurde er von Johann Peter Kratz, Lothar Weller und dem inzwischen verstorbenen Otto Heinze. "Ich dachte damals, wenn mal zwei Jahre rum sind, ist die Luft raus", gibt Lothar Weller zu. Doch der Stammtisch erfreute sich reger Beliebtheit und existiert nun bereits seit fast 14 Jahren. Am Montag feierte er sein 500. Treffen. Eine mehrstöckige Torte hatte Elke Weller extra gebacken und eine Geburtstagskerze durfte auch nicht fehlen.

Längst ist aus dem evangelischen Kirchenarchiv ein Ortsarchiv geworden. "Das Beste ist, dass wir mit der evangelischen Kirche angefangen haben, aber dann die katholische Kirche dazugekommen ist", sagt Peter Kratz. Denn die katholische Kirche ist wesentlich älter. Auch zahlreiche kostbare alte Handschriften und Rechnungsbücher sind dem Archiv übergeben worden, alte und uralte Fotografien. "Auch heute hat jemand ein Schulfoto von 1913 mitgebracht", freut sich Lothar Weller. Jeden Montag trifft sich der Geschichtsstammtisch um 15 Uhr im Predigthaus neben der reformierten Kirche im Dorf. "Wenn wir unter fünfzehn sind, ist eine Epidemie ausgebrochen", erklärt Weller lachend. Meist kommen zwischen 15 und 20 Leute und es vergeht kaum ein Montag, an dem nicht irgendetwas für das Archiv mitgebracht wird. "Vieles scannen wir ein", verrät Peter Kratz. So sind die Unterlagen, Dokumente und Fotos digital vorhanden. Natürlich stehen Lothar Weller und Peter Kratz auch allen Interessierten zur Seite, die nach Dokumenten oder Fotos suchen möchten.

Gerlinde Schulz besucht den Geschichtsstammtisch immer wieder gerne - obwohl sie als Frau eine Seltenheit ist, besteht doch der Stammtisch fast ausschließlich aus Männern. "Ich wohne schon viele Jahre am Ort", sagt sie. Aufmerksam auf den Geschichtsstammtisch wurde sie durch den Aushang im Fenster des Predigthauses. "Es ist schön, die alten Fotos anzuschauen", sagt Gerlinde Schulz. "Fotografieren ist mein Hobby." So hat sie dem Archiv bereits etliche Fotos zur Verfügung gestellt. "Ich habe auch den Umbau hier fotografiert und wie die Düssel umgeleitet wurde", erzählt sie.

Viele Gruitener sind zum Feiern gekommen, denn neben dem Genuss der Geburtstagstorte gibt es auch eine kleine Fotoausstellung zu bewundern. Außerdem bietet eine Dia-Schau Bilder von "Gruiten anno dazumal" und der Vortrag "Gruitener Wolkenkratzer" beleuchtet die Kirchtürme und Schlote des Ortes.

(sue)
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