Städte bekämpfen Ratten unterirdisch

Hilden : Städte bekämpfen Ratten unterirdisch

Eine Fachfirma hat Köder im Kanalnetz ausgelegt. Sechs Kreis-Kommunen arbeiten zusammen.

Unlängst gesehen: Eine wohlgenährte Ratte stöberte durch den Stadt-Park. Kein Einzelfall – und dies hat die Stadt jetzt auf den Plan gerufen. Man setzt bei der Bekämpfung von Nagern auf eine systematische Belegung mit Ködern in den öffentlichen Kanälen.

Rückblick: Anfang 2017 hatte der Kreis Mettmann von den zehn kreisangehörigen Städten die Aufgabe übernommen. Doch Langenfeld und Monheim waren schnell unzufrieden, und ließen das Kreis-Projekt mit ihrem Ausstieg scheitern. „Hilden war mit der Arbeit der Schädlingsbekämpfer zufrieden“, betont Ordnungsamtsleiter Michael Siebert. Das neue Konzept sei ein Paradigmenwechsel gewesen: Statt gelegentlicher oberirdischer Bekämpfung sollen die Ratten systematisch unterirdisch bekämpft werden. „Bis man die Auswirkungen merkt, wird es zwei bis drei Jahre dauern“, sagt Siebert: „Mir war das klar. Ich hätte mir mehr Geduld in Langenfeld und Monheim gewünscht.“ Die günstigen Kosten seien der eigentliche Vorteil der gemeinsamen kreisweiten Ausschreibung gewesen.

Hilden hat rund 56.000 Einwohner. Fachleute schätzen, dass in so einer belebten Stadt zwei bis drei Ratten auf einen Einwohner kommen. Siebert: „Wir haben kein Problem mit Ratten, aber sie sind ein Thema, um das wir uns kümmern müssen.“ Auch Haan hätte gern die Zusammenarbeit auf Kreisebene fortgesetzt.

Deshalb taten sich Hilden und Haan mit vier anderen Kommunen zusammen und schrieb den Auftrag gemeinsam europaweit aus.  ,Auf der Grundlage eines Vertrages mit der Innotec Abfallmanagement GmbH wird ab sofort jeder zweite Kanaldeckel mit einem Köder versehen und entsprechend farblich markiert. In regelmäßigen Abständen erfolgen durch die Schädlingsbekämpfer die Nachkontrolle der belegten Bereiche und eine eventuelle Neubelegung mit Ködern – und zwar so lange, bis die Köder nicht mehr angerührt werden und die Örtlichkeit somit als „rattenfrei“ gelten kann.

Da Innotec in allen beteiligten Städten den Auftrag erhielt, erfolgt dort eine systematische Bekämpfung nach gleichen Standards. Damit ist diese Kooperation von sechs Städten des Kreises Mettmann ein gutes Beispiel für eine gelungene interkommunale Zusammenarbeit.

Eingesetzt werden Giftköder, die aber zeitversetzt wirken. Wenn eine Ratte sofort nach dem Fressen stirbt, registrieren das ihre klugen Artgenossen und sind dadurch gewarnt.

Wichtig: Die Bekämpfung von Ratten auf privaten Grundstücken obliegt allein dem Grundstückseigentümer, betont die Hildener Sachgebietsleiterin Daniela Karberg. Die Städte im Kreis Mettmann haben dazu Verordnungen erlassen, die das genau regeln. Werden Ratten gesichtet, sollte trotzdem in jedem Fall das städtische Ordnungsamt informiert werden.

Viele ekeln sich vor Ratten. Aber sie sind - zumindest hierzulande -  längst nicht mehr lebensgefährlich wie im Mittelalter, als sie die Pest verbreiteten. Die Ratten waren nicht die eigentliche Ursache für den schwarzen Tod. Den überträgt vielmehr das Bakterium Yersinia pestis, und das ist bei seiner Verbreitung wiederum auf Flöhe angewiesen, die bevorzugt vom Blut der Ratten leben.

Ratten können bis zu 120 verschiedene Krankheiten übertragen, andere Wildtiere aber auch. In Europa können Ratten nur Leptospirose übertragen. Diese Bakterien können eine Infektionskrankheit auslösen. Das passiert aber nur sehr selten. Experten schätzen, dass an Leptospiren nur rund 100 Menschen pro Jahr in Deutschland erkranken. In Deutschland werden rund 870 Tonnen Giftköder gegen Ratten und Mäuse ausgelegt.

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