Hilden: Stadtwerke starten Glasfasereinbau

Hilden: Stadtwerke starten Glasfasereinbau

Im Gewerbegebiet West kommen die Leitungen in den Boden und bis in die Häuser. Der Markt bleibt umkämpft.

Nach Anlaufschwierigkeiten - es fanden sich nicht genügend Interessierte - hat der Einbau von Glasfasern im Gewerbegebiet West begonnen. Das schnelle Internet kommt dabei nicht nur zu Gewerbetreibenden, sondern innerhalb der Aktionsgrenzen auch in Privathaushalte. Hauptstützpunkt ist dabei die Neustraße; von dort aus fräst eine Maschine den Bürgersteig Stück für Stück auf. Die Ummantelung der Fasern kommt in die Erde, die Platten "sind abends wieder an Ort und Stelle", wie Hans-Ullrich Schneider erklärt. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Hilden ist zuversichtlich, dass sein Bauzeitplan eingehalten werden kann: Bis Ende des Jahres soll das gesamte Mischgebiet bis an die Stadtgrenze Düsseldorf verkabelt sein. Wobei: Kabel sind es ja eben nicht mehr.

Das Verfahren ist einfach und kompliziert zugleich. Einfach, weil es aussieht wie jede andere Baustelle der Stadtwerke auch, bei denen es um Anschlüsse aller Art geht. Kompliziert, weil die Fasern erst mit einem speziellen Verfahren in die dann liegenden Ummantelungen hineingezogen werden. Das Kabel, das schließlich durch ein Loch in der Wand in die Häuser gelegt wird, ist kaum fingerdick und endet in einer kleinen Buchse. Die Menschen, die die Arbeit verrichten, sind Angestellte der Firma bam-w&f aus Frankfurt, die die Ausschreibung der Stadtwerke gewonnen hat. "Derzeit sind wir mit einer Kolonne von acht Mitarbeitern und einer Fräse hier in Hilden", sagt Bauleiter Louis Backus. "Im April kommen weitere zwei Kolonnen und zwei Fräsen hinzu, damit wir die Bauzeit auch einhalten können."

350 Kunden haben die Stadtwerke für das Projekt mit dem Namen "hildenMedia" bisher gewonnen, und sie hoffen darauf, dass sich weitere während der Bauphase finden, in der die Kosten für den Anschluss noch um die Hälfte reduziert sind. In der ersten Phase kostete der Anschluss nichts. "Ähnlich wollen wir auch in den Gebieten Kreuz Hilden und Mitte sowie Hilden-Ost vorgehen", sagt Stadtwerke-Sprecherin Sabine Müller, "bisher gibt uns der Erfolg recht." Eigentümer von Immobilien haben zum Beispiel nichts gegen die digitale Aufrüstung ihrer Häuser, wenn ein Mieter dies beantragt: "Es kostet sie ja nichts." Der Kunde zahlt später einen Monatsbeitrag, der vom Umfang der Leistung abhängt. Für Privatleute liegt der Preis zwischen 42,90 und 59,90 Euro im Monat, für Unternehmen kann er bis zu 379 Euro und darüber liegen.

Slavomir Benesz und Aldeslam Aissati verlegen an der Düsseldorfer Straße zeitgleich mit anderen Leitungen Faserrohre. Foto: stenzel
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Wie umkämpft der Markt in Hilden ist, zeigte zuletzt ein Streit zwischen Stadtwerken und Telekom. Letztere hatte bei Gewerbekunden für das eigene Glasfaser-Produkt mit dem Argument geworben, die Stadtwerke wären von ihren Ausbauplänen zurückgetreten. "Die Sache ist jetzt vom Tisch", sagte Schneider gestern: "Unwahrheiten darf man auch als Konkurrent nicht verbreiten." Zumal die Stadtwerke den Fall Glasfaser erst angefasst hätten, nachdem von Seiten der Telekom "in Hilden jahrelang nichts geschah". Experten gehen davon aus, dass Deutschland den digitalen Anschluss ohnehin längst verpasst hat - um mindestens zehn Jahre sei man hinter den weltweit Führenden der Branche hinterher. Die Telekom will Glasfaser in den Gebieten Hofstraße und Itterpark legen, wendet sich dabei aber ausschließlich an Geschäftskunden, nicht an Privathaushalte. Die Preise für Anschlüsse und monatliche Kosten gibt es beim Konzern nur auf Anfrage.

Es ist übrigens klar, dass die Stadtwerke nach Bauzeit und Anschluss in den jeweiligen Gebieten die Leitungen auch für andere Anbieter öffnen. "Das ist dann ähnlich wie bei Strom und Gas", sagt Projektleiter Oliver Schläbitz. "Der Kunde kann dann seinen Anbieter individuell wählen." Umgekehrt läuft das natürlich auch. Wer jetzt angeschlossen wird, aber noch einen Vertrag mit einem anderen Anbieter hat, erfüllt erst diesen Vertrag bis zu dessen Ende. "Doppelbelastungen wird es nicht geben", so Schläbitz.

(RP)