1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Hilden: Stadtwerke schlagen Bürgerwindrad vor

Hilden : Stadtwerke schlagen Bürgerwindrad vor

Im Auftrag der Stadt haben Gutachter untersucht, ob es im Stadtgebiet Hilden geeignete Standorte für Windkraftanlagen gibt. Wegen zahlreicher Auflagen wurden nur zwei potenzielle Flächen identifiziert, erläuterte Ulrike Kubersky von der Bietergemeinschaft Geo-net Umweltconsulting und plan-gis GmbH im Umweltausschuss:

Eine liegt im Stadtwald nördlich vom Taubenberg, die zweite im Hildener Süden westlich des Oerkhaussees und südlich des Garather Mühlenbachs. Im Stadtwald seien zwei, im Süden drei Windkraftanlagen möglich, jede rund 200 Meter hoch (über Grund). "Nach ersten Prognosen scheinen beide Standorte auch wirtschaftlich zu sein", sagte Kubersky. Für Aussagen über die Machbarkeit seien aber noch weitere Untersuchungen nötig.

Die Fläche im Stadtwald gehört der Stadt Hilden. Die Verwaltung hält Windkraftanlagen dort für nicht sinnvoll. "Die Erschließung würde quer durch den Stadtwald führen", erläutert Bürgermeister Horst Thiele. Zudem liege gleich nebenan ein besonders geschütztes Naturschutzgebiet (Fauna-Flora-Habitat): "Deshalb scheidet dieser Standort für uns aus."

Das sehen Naturschützer ähnlich. "FFH- und Vogelschutzgebiete sind nach dem NRW-Windkrafterlass Tabubereiche, einschließlich ihrer Funktionsräume, erläutert Armin Dahl aus Haan. Claudia Roth, Sprecherin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Hilden, kann sich Windräder nur auf belasteten Flächen entlang von Autobahnen oder Gewerbeflächen vorstellen: "Die wenigen verbliebenen Freiflächen sind für uns aber Tabubereiche." Dazu gehören für sie der Hildener Stadtwald und auch das Gelände am Oerkhaussee.

Die Fläche im Hildener Süden liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Die Stadt hat mit dem Eigentümer bereits Kontakt aufgenommen, erläutert Thiele: "Er kann sich eine Windkraftanlage dort nur mit der Stadt Hilden oder den Stadtwerken, aber nicht mit einem privaten Betreiber vorstellen."

Stadtwerke-Geschäftsführer Hans-Ullrich Schneider wird dem Aufsichtsrat vorschlagen, den Standort im Süden der Stadt weiter zu untersuchen. Der Standort im Stadtwald scheide für die Stadtwerke von vorneherein aus. "Wir wollen als Stadtwerke versuchen, auch hier in Hilden in neue Energien zu investieren", erläuterte Schneider sein Interesse. Für den kommunalen Versorger müssten dabei zwei Bedingungen erfüllt sein: "Es muss betriebswirtschaftlich sinnvoll sein und darf sich nicht gegen die Mehrheit der Bevölkerung richten."

Im Hildener Süden sind theoretisch drei Windkraftanlagen möglich. Ob eine, zwei oder drei Anlagen gebaut werden, habe etwas mit der Wirtschaftlichkeit zu tun — und mit der Akzeptanz. "Es ist vernünftig, wenn dort ein örtlicher Energieversorger zusammen mit der Stadt Hilden Windkraftanlagen baut", ist Schneider überzeugt: "Die Wertschöpfung, die dadurch entsteht, bleibt dann auch in Hilden. Wir können uns auch vorstellen, dort gemeinsam mit interessierten Einwohnern ein Bürgerwindrad zu realisieren."

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Hilden, in dem alle Ratsfraktionen vertreten sind, kommt übernächste Woche zusammen. Wegen der hohen Umwelt- und Immissionsauflagen würden laut Schneider bis zur Inbetriebnahme 16 bis 24 Monate vergehen. Denn für Schallimmissionen gibt es Grenzwerte, für Schattenwurf keine Grenz-, aber Richtwerte, so die Gutachter.

Die Stadtwerke Hilden haben im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Düsseldorfer Stadtwerke-Tochter Grünwerke und der Monheimer Elektrizitäts- und Gasversorgung rund zehn Millionen Euro in drei Windkraftanlagen in Brandenburg investiert. Der Strom, der von den Stadtwerken angeboten wird, stammt ausschließlich aus regenerativen Energiequellen wie Wasserkraft.

(RP)