Hilden: Stadtwerke-Kunden verwirrt

Hilden : Stadtwerke-Kunden verwirrt

Der lokale Energieversorger erhöht 2010 den Strompreis und bietet dazu neue Tarife an. Viele Verbraucher haben die Informationen dazu nicht verstanden. Pressesprecher Oliver Schläbitz gelobt Besserung.

Die Stadtwerke Hilden erhöhen zum 1. Januar 2010 den Strompreis um 7,5 Prozent. Seitdem stehen beim dem lokalen Energieversorger die Telefone nicht mehr still. Viele der rund 35 000 Strom-Kunden haben das Anschreiben dazu offensichtlich nicht verstanden.

Herr Schläbitz, zurzeit rufen viele Kunden mit vielen Fragen wegen der Strompreis-Erhöhung bei ihnen an. Was schließen Sie daraus?

Schläbitz Dass wir ein sehr interessantes Angebot machen.

Kann man nicht auch daraus schließen, dass Ihre Information zu kompliziert ist?

Schläbitz Wir haben auch schon in der Vergangenheit Preisanpassungsschreiben losgeschickt. Diesmal haben wir zum ersten Mal etwas Neues gemacht. Wir bieten unseren Kunden Alternativen an, da viele Kunden eine Preisstabilität oder einen Onlinetarif wünschen.

Trotzdem bleiben viele Fragen. In der Tarifinformation ist beispielsweise von Arbeitspreis, Festpreis, Messpreis oder Höchstpreis die Rede. Der Kunde will doch bloß wissen, was er heute zahlt, was er morgen zahlen soll und wie er sparen kann. Warum ist ihre Aufschlüsselung so kompliziert?

Schläbitz Wir unterscheiden uns da nicht von anderen Unternehmen in der Branche.

Das lasse ich nicht gelten. Bei der Internet-Plattform verivox beispielsweise gibt man den Jahresverbrauch ein und erhält dann ein Strompreis-Angebot, das man mit anderen Anbietern vergleichen kann. Warum machen Sie das nicht auch so?

Schläbitz Weil Sie dort einen bestimmten Verbrauch eingeben, etwa 4000 Kilowattstunden. Dann bekommen Sie einen Jahresbetrag für Strom. Das geht bei uns selbstverständlich auch. Der Unterschied ist nur: Wir schreiben mit einem Anschreiben alle 35 000 Kunden an, die haben alle unterschiedliche Verbräuche und Zählerkonstellationen.

Die Kunden verwirrt das aber scheinbar mehr als das es ihnen hilft. Warum nennen Sie nicht die zu zahlende Grundgebühr und den Preis für die Kilowattstunde. Dann kann jeder Kunde mit einer einfachen Multiplikation seinen alten und seinen neuen Strompreis ab 2010 ausrechnen.

Schläbitz Das machen wir bereits. Die Grundgebühr, das ist der Festpreis, und der Preis für die Kilowattstunde, das ist der Arbeitspreis.

Dann benutzen Sie Begriffe, die vielleicht in der Energiebranche üblich sind, aber nicht für viele Otto-Normal-Verbraucher.

Schläbitz Wir wollten mit dem Preisanpassungsschreiben größtmögliche Transparenz herstellen, alle denkbar möglichen Tarif-Konstellationen abzubilden. Wir haben sehr viele unterschiedliche Kunden, Kunden mit wenig und mit viel Verbrauch, Kunden mit einem Zähler und oder mit zwei Zählern, Privatkunden oder Gewerbetreibende.

Die meisten Ihrer Kunden sind doch Privatkunden mit einem Zähler. Denen würde eine vereinfachte Tarif-Information mit Grundgebühr und Preis pro Kilowattstunde sehr entgegenkommen.

Schläbitz Da haben Sie recht. Wir werden künftig unsere Kunden gezielter anschreiben. Für uns war diesmal wichtig, den Kunden im Zusammenhang mit einer Preiserhöhung auch Alternativen anbieten zu können. Die Stadtwerke Hilden bieten einen neuen günstigen Tarif mit 24 Monaten Preisgarantie und einen Online-Tarif für preisbewusste Kunden, die keinen persönlichen Kontakt wollen. Die große Resonanz darauf zeigt, dass wir damit richtig lagen. Es war nicht unsere Absicht, die Kunden zu verwirren.

Werden die Kunden-Anschreiben künftig anders aussehen?

Schläbitz Stadtwerke haben einen anderen Versorgungsauftrag und eine andere Kunden-Konstellation als virtuelle Stromanbieter im Internet. Nach der angekündigten Anpassung wird sich beim Strompreis der Stadtwerke Hilden 2010 nichts mehr ändern. Sollte sich der Stromtarif danach wieder ändern, werden wir sicher darüber nachdenken, wie wir unseren Kunden das einfacher und klarer als bisher mitteilen können.

(RP)
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