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Hilden: Stadtwald: Erholung wertvoller als Holz

Hilden : Stadtwald: Erholung wertvoller als Holz

Die Kommune will mit ihrem Forst kein Geld verdienen, sondern ihn naturnah und nachhaltig bewirtschaften.

Der Stadtwald ist ein "wirtschaftlich genutzter Erholungswald", erläutert Förster Friedhelm Schüller. "Unser Ziel ist nicht Rendite. Aber das Holz wird wirtschaftlich und nachhaltig genutzt." Schüller beantwortet damit eine Anfrage der Grünen. Die Bezirksregierung Düsseldorf stellt zurzeit einen neuen Regionalplan auf. Die Hildener Grünen wollten wissen: Welche Bedeutung hat der Stadtwald und wie kann man seine Entwicklung nachhaltig sichern?

Nachhaltige und wirtschaftliche Nutzung: Was bedeutet das? Die Holzernte pro Jahr (etwa 1300 Kubikmeter) ist deutlich niedriger als der Holzzuwachs (rund 1800 Kubikmetern). "Die Differenz ist unsere Sicherheitsreserve", erläutert Schüller. "Geschlagen werden nur die schlechten Bäume, die guten lassen wir stehen." Nach dem Zweiten Weltkrieg war im Stadtwald für Brennmaterial übermäßig abgeholzt worden. Dieser "Untervorrat" sei durch Zurückhaltung bei der Holzernte in den vergangenen Jahrzehnten inzwischen wieder ausgeglichen worden.

Wirtschaftlich gesehen hat der Stadtwald einen Wert von rund drei Millionen Euro (Holzbestände und Grundstücke). Dieser Wert wurde in der Eröffnungsbilanz der Stadt bei Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements 2007 errechnet. "Der Erholungs- und Naturwert des Hildener Stadtwaldes ist ungleich höher", betont der Förster.

Und wie geht es den Bäumen im Stadtwald? "Dem Wald geht es fast genau so schlecht wie vor zehn Jahren", stellt Schüller nüchtern fest: "Nur redet kaum mehr jemand drüber."

Nur jeder dritte Baum (34 Prozent) in den Wäldern Nordrhein-Westfalens ist ohne Schäden, stellte Landesumweltminister Johannes Remmel im Waldzustandsbericht 2012 fest. 41 Prozent der Bäume haben schwache Schäden. Zum Vergleich: 1984 waren noch 59 Prozent der Bäume ohne Schäden und nur zehn Prozent in der höchsten Schadensklasse. Remmel: "Die Werte sind immer noch besorgniserregend. Wir haben heute mehr als doppelt so viele Bäume mit starken Schäden als zu Beginn der Aufzeichnungen vor etwa 30 Jahren." Der Eiche gehe es schlechter, sie bleibe das "Sorgenkind" des Waldes. Buche und Fichte gehe es etwas besser, die Kiefer habe die besten Messwerte der Hauptbaumarten.

Das sei im Hildener Stadtwald nicht anders, berichtet Schüller. Allerdings sei der Stadtforst noch relativ vital. Das habe mit zwei natürlichen Gegebenheiten zu tun. Zum einen sei der Forst als ein klassischer, stark strukturierter Mischwald mit standortgerechten, heimischen Baumarten angelegt worden. Die Artenvielfalt sorge auch für die Stabilität der Bestände. Zum anderen bestehe der Stadtwald großflächig aus relativ jungen Bäumen (40 bis 60 Jahre alt). Diese Bäume seien erfahrungsgemäß vitaler als Altbäume.

Der Forst ist bei Besuchern zu Recht beliebt, an manchen Tagen bei zu vielen. Schüller: "Am Wochenende ist echte Erholung nicht mehr möglich. Dann wird der Wald zur Park- und Sportlandschaft, in der sich Jogger, Radler, Reiter, Hundefreunde und Spaziergänger tummeln." Jeder einzelne Besucher sehe sich als Naturfreund, erkenne aber nicht die Belastung, die er durch das massenhafte Auftreten für die Natur bedeute.

Was viele gar nicht wissen: Der Stadtwald ist ein großartiges Geschenk von Wilhelm Ferdinand Lieven (1839-1902) an seine Heimatstadt. Er war ein bescheidener Mann und Wohltäter. Von seinen Eltern erbte er das Gut Haus Horst. Das machte ihn wirtschaftlich so unabhängig, dass er 1871 mit 32 Jahren Hildens jüngster Stadtverordneter wurde und ab 1884 seiner Stadt 18 Jahre als Beigeordneter diente — unbesoldet im Ehrenamt.

Als Lieven 1902 starb, bedachte er in seinem Testament die katholische Kirchengemeinde Hilden und die Stadt Hilden. Sie erbte seinen Wald, einschließlich Gebäuden, Land und Wiesen — insgesamt 730 Morgen. Zum Dank errichteten Stadt und Kirchengemeinde ihrem Wohltäter auf dem Hauptfriedhof an der Kirchhofstraße ein imposantes Grabmal. An seinem Geschenk, dem Stadtwald, können sich die Bürger heute noch jeden Tag erfreuen.

(RP)