Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt: Stadtmitarbeiter sind die Leidtragenden

Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt: Stadtmitarbeiter sind die Leidtragenden

Die Festnahme eines mutmaßlichen Räubers, der Angestellter der Verwaltung ist, darf seine Kollegen nicht in Verruf bringen. Eine Empfehlung für die nächste Zeit.

Der schreckliche Überfall auf einen Senior in Haan hat viele erschüttert ob der Brutalität, mit der die Täter vorgegangen sind. Sie haben den Mann schwer verletzt, obdachlos gemacht und traumatisiert.

Vor einigen Tagen vermeldete die Polizei einen Fahndungserfolg in der Sache, sie hat die mutmaßlichen Täter festgenommen. Einer von ihnen ist Angestellter bei der Stadt Haan, wird derzeit aber nicht bezahlt. "Ich bedauere außerordentlich, dass ein Mitarbeiter der Stadt Haan Hauptverdächtiger bei diesem grausamen Raubüberfall ist", sagt Bürgermeisterin Bettina Warnecke. "Sollte das Vertrauen der Bürger in die Arbeit der Stadtverwaltung gelitten haben, so habe ich dafür Verständnis. Ich bitte aber zu bedenken, dass alle anderen Mitarbeiter der Haaner Verwaltung die Tat genauso verurteilen wie die Haaner."

Ganz genau: Alle Stadtmitarbeiter sind die Leidtragenden, weil einer sich womöglich als Schwerverbrecher entpuppt. Da der Mann unauffällig und nicht vorbestraft war, hat die Nachricht von seinem mutmaßlichen Tun auch die Verwaltungschefin kalt erwischt. Es ist nicht realistisch, einzufordern, dass ein Arbeitgeber so etwas voraussieht oder durch Maßnahmen verhindern kann. Allerdings sollte die Stadtspitze jetzt offensiv mit der Sache umgehen - und damit ist ganz klar nicht gemeint, etwa die Identität des Mannes öffentlich zu machen.

Vielmehr war es so, dass der spätere Räuber gleich zweimal als städtischer Mitarbeiter bei seinem späteren Opfer erschien, um die Lage zu sondieren. Der Senior berichtet, dass der Täter in seiner Arbeitskluft bei ihm ankam. Dass er angab, etwas kontrollieren zu müssen. Und dass er ihm seinen offiziellen Ausweis zeigte. Daraufhin ließ der alte Mann ihn ein.

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"Unsere Beschäftigten setzen sich tagtäglich für unsere Stadt ein und haben unser Vertrauen verdient", sagt Warnecke zu Recht. Dass das Vertrauen zumindest in diesem Fall unbegründet und gefährlich war, zeigte sich jedoch.

Deshalb empfehle ich für die nächste Zeit eine Offensive der besonderen Art. Die Verwaltung sollte sich überlegen, ob sie angesichts des Vorfalls verunsicherten Bürgern stärker entgegenkommt. Wie wäre es, wenn alle die Möglichkeit erhielten, sich über einen kurzen Telefonanruf bei der Stadt rückzuversichern, wenn ein städtischer Trupp oder einzelner Mitarbeiter vor der Tür steht und behauptet, etwas erledigen zu müssen?

Nein, damit würden nicht alle verdächtigt, im Gegenteil. Auch für die Mitarbeiter wäre die Vorgehensweise eine Versicherung - so lange sie nötig ist.

goekcen.stenzel@rheinische-post.de

(RP)