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Ausverkaufte Aula: Helmhol(t)zköpfe machen Satire vom Feinsten

Ausverkaufte Aula : Helmhol(t)zköpfe machen Satire vom Feinsten

Der Satire-Abend "Hausdurchsuchung im Oberstübchen" in der ausverkauften Hemholtz-Aula hat ganz klar und deutlich gezeigt: Die Schüler des Literaturkurses Q1 am städtischen Gymnasium sind alles andere als (Helm-)Hol(t)zköpfe.

An diesem Abend kriegt jeder sein Fett weg. Jeder, der es - dem häufig politischen Anspruch der Satire nach gerecht werdend - verdient: selbstverständlich Donald und Kim, Afd-Wähler, Jens Spahn und Erdogan, Alexander Gauland. Es beginnt mit einer Werbeaktion für die "Wiederbesiedlung ostdeutscher Landregionen": "Nicht geeignet bei Allergie gegen Springerstiefel", ruft die Landbäuerin in die Zuschauerreihen und fragt zwei übergewichtige Engländer nach ihrem Motiv für ihr Interesse an einem Umzug. "Wir wollen Bed&Braxit!"

Das Publikum tobt, derbe Sprüche, intelligente Wortspiele, großartige Kostüme, souveräne Darsteller - schon nach wenigen Minuten wird klar, dieses Unterhaltungsprogramm wird in den kommenden zweieinhalb Stunden halten, was es verspricht. Bühnenaufführungen wechseln sich mit selbstgedrehten Kurzfilmen ab. Im Film "Wohnungssuche- Vorstellungsgespräch 5.0" müssen sich verschiedene Kandidaten als potenzielle Bewerber einer Wohnung den absurden Fragen des Miet-Roboters stellen, ob Dönerbudenmann, Schlampe oder Gangsta Rapper - in Großaufnahmen zeigen fünf der Oberstufenschüler, welch großes schauspielerisches und vor allem selbstironisches Talent in ihnen steckt. "Wir haben seit vergangenem Sommer an dem Programm gearbeitet", erzählt Kursleiterin Verena Wilkes in der Pause. Um sie herum erholen sich die 17- bis 18-jährigen Schüler vom ersten Teil, weil sie ständig in kurzer Zeit in andere Kostüme und Rollen schlüpfen müssen, genießen sie offensichtlich die kurze Ruhephase. "Wir haben in den letzten Wochen teilweise drei bis viermal geprobt, das hat ganz schön Kraft gekostet", sagt Dilara. Alle Szenen, alle Kurzfilme haben sich die Darsteller selbst erarbeitet. "Es macht wirklich eine Menge Spaß", findet Max und Jonas nickt zustimmend, "aber ich weiß nicht, ob ich das später hautberuflich machen möchte."

Mit vielen Effekten, vor allem mit Schwarzlicht, erschafft der Literaturkursus bizarre Eindrücke, Bewegungen wirken wie abgehackt oder in Zeitlupe. Der Kurzfilm "Schlüssel-Erlebnisse und Gedanken-Gebäude" setzt sich plakativ mit subjektiven Realitäten auseinander, Szenen werden in Zeitraffer oder rückwärts gezeigt, die Kamera fängt Details ein. Zum Ende geht es um die gefährliche Entwicklung digitaler Möglichkeiten, bis sich irgendwann die Rollen vertauschen und der Mensch zum Opfer künstlicher Intelligenz wird - wie in der Matrixtrilogie. Mit tobendem Applaus und Standing Ovations endet ein Abend voller Botschaften. Eine aber ist besonders wichtig: es gibt sie, die politisch interessierte, kreative junge Generation mit gesunden Meinungen und Botschaften - man muss ihr nur Platz und Raum geben.

Daniele Funke

(dani)