Jugendamt übernimmt Seminargebühren für Hildener : Stadt sucht Tageseltern – und bildet sie aus

67 Tagesmütter und -väter arbeiten für das Jugendamt. Drei Monate dauert die Ausbildung. Tagesmutter Elisabeth Mura: „Ich schätze es sehr, selbstständig und zu Hause zu arbeiten.“

Für die meisten Eltern ist die Kita die „erste Wahl“, wenn es um die Betreuung ihrer Kinder geht. Rund 240 Mädchen und Jungen zwischen 0 und drei Jahren sowie zwischen drei und 14 Jahren werden in Hilden von Tageseltern betreut. Nur so kann die Stadt den Rechtsanspruch für Kinder unter drei erfüllen. Und wenn berufstätige Eltern Betreuung für ihre Kleinen vor und nach den regulären Öffnungszeiten der Kitas oder am Wochenende brauchen, sind Tageseltern eine interessante Alternative – weil sie viel flexibler auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern eingehen können. „Wir haben nicht zu wenig Tageseltern, sondern viele gute“, betont Anja Voß, stellvertretende Leiterin des Amts für Jugend, Schule und Sport: „Der Bedarf ist nach wie vor da. Und weil natürlich auch Tageseltern wieder ausscheiden, suchen wir ständig neue.“

Tageseltern betreuen in der privaten Wohnung oder in angemieteten Räumen bis zu fünf Kinder, gegebenenfalls zusätzlich zu den eigenen. „Die Tätigkeit ist perfekt für Menschen, die Spaß am Umgang mit Kindern haben und gerne von Zuhause aus arbeiten wollen“, erklärt Juliane Bruchhaus von der städtischen Fachberatung. „Voraussetzung ist aber eine gültige Pflegeerlaubnis der Stadt.“

Für die Erlaubnis nehmen Interessierte unter anderem an einem Qualifikationskurs der Evangelischen Erwachsenenbildung (eeb) Hilden teil. In drei Monaten lernen sie Wichtiges für die Betreuung und Förderung der Kleinen bis hin zu Erster Hilfe. Das Amt für Jugend, Schule und Sport übernimmt die Seminargebühren in Höhe von 790 Euro für Hildener. Sie müssen sich im Gegenzug verpflichten, mindestens ein Jahr lang zu den Konditionen der Stadt zu arbeiten.

In Hilden erhalten Tageseltern 5,10 Euro pro Stunde und Kind. Zum Vergleich: Erkrath zahlt 4,90 Euro, Monheim 5,10 Euro, Mettmann 5,50 Euro und Haan 6 Euro. „Wir können keine Belegung garantieren“, erläutert Anja Voß: „Deshalb ist es für Tageseltern schwierig, mit festen Einnahmen zu rechnen.

Für Eltern sind die Beiträge für Kita und Tagespflege identisch. Sie sind nach Einkommen gestaffelt und bewegen sich zwischen 0 und 430 Euro im Monat. „Der Durchschnitt liegt bei 189 Euro im Monat“, sagt Anja Voß. Dafür wird ein Kind (U3) 35 Stunden die Woche betreut, die Eltern haben ein Familieneinkommen bis zu 75.000 Euro im Jahr.

Elisabeth Mura ist seit September 2017 Tagesmutter. Die gelernte Erzieherin betreut aktuell fünf unter Dreijährige in einer Einliegerwohnung, die dafür eigens hergerichtet wurde. „Ich bin froh, selbstständig und zu Hause arbeiten zu können“, erzählt die 50-Jährige. Zwei ihrer eigenen Kinder sind erwachsen, das dritte ist 14 Jahre alt und geht zur Schule. Die fünf Racker fordern sie, machen Elisabeth Mura aber auch sichtlich glücklich. Sie hat ihren Traumberuf gefunden: „Kindertagespflege ist das, was ich gerne machen wollte.“

Der nächste Qualifizierung beginnt am 26. Februar in Hilden und dauert zehn Wochen – immer dienstags bis freitags von 8.30 Uhr bis 12.45 Uhr. Während der gesamten Kursdauer steht den angehenden Tagespflegeeltern eine kostenfreie Betreuung der eigenen Kinder zur Verfügung. Vorab findet am Dienstag, 5. Februar, um 10 Uhr eine unverbindliche Informationsveranstaltung im Gemeindezentrum der Erlöserkirche, St. Konrad Allee 76, statt. Die Teilnahme ist Voraussetzung, um bei dem Seminar mitmachen zu können.

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