Hilden: Busfahrplan ist nun schlechter zu entziffern

Hilden: Rückschritt für sehbehinderte Kunden

Nach Haltestellen-Umbau sind die Fahrpläne schlechter zu lesen. Vor allem in Dunkelheit kann Stephanie Lannert die Listen kaum entziffern.

Stephanie Lannert ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Die 59-jährige Hildenerin ist stark kurzsichtig, auf Entfernung nimmt sie ihre Umgebung nur schemenhaft und undeutlich wahr. Und wenn es dunkel wird, ist es sogar noch schlimmer. Stephanie Lannert nutzt daher regelmäßig den Bus, um zum Einkaufen, zur Arbeit oder zu Freunden zu kommen.

Am Busbahnhof Gabelung konnte sie früher vergleichsweise leicht den Fahrplan lesen. Der war im Infocenter der Rheinbahn von Innen an der Schaufensterscheibe befestigt, so dass man von außen den Plan problemlos einsehen konnte. Vor allem: Das Fenster war mit mehreren Strahlern von oben beleuchtet, so dass auch der Fahrplan selbst bei Nacht noch gut zu erkennen war. „Da ich hochgradig fehlsichtig bin, freute ich mich sehr über diese Erleichterung des Alltags, besonders am Abend und in der dunklen Jahreszeit“, sagt Lannert.

Doch seit der Umgestaltung des Knotenpunktes vor einigen Monaten ist es mit dieser Erleichterung vorbei. Denn die Rheinbahn hat im Zuge einer Vereinheitlichung der Haltestellen an der Gabelung die Fahrpläne aus dem Schaufenster des Infocenters herausgenommen und in die für Din-A3-Blätter ausgelegten roten Wechselrahmen an einer Stange der Bushaltestelle eingesetzt.

Leider sind diese Wechselrahmen selbst nicht illuminiert und die Straßenbeleuchtung in der Nähe „reicht im Dunkeln nicht aus“, sagt Stephanie Lannert. Und die in den Boden eingelassenen Strahler am Infocenter machen es in ihren Augen sogar noch unangenhmer: „Die Strahler blenden bei Nacht regelrecht.“ Auch am Tag braucht Lannert eine Leselupe, um die Abfahrtszeiten auf den Fahrplänen entziffern zu können. Sie würde sich wünschen, dass die Angaben ein paar Punkte größer dargestellt wären. Allerdings sei ihr die Problematik für die Rheinbahn durchaus bewusst. Denn schließlich muss der komplette Plan für eine Buslinie ja auf einer Seite untergebracht werden.

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Dass aber ausgerechnet am Busbahnhof Gabelung bei der Umgestaltung die speziellen Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen so wenig berücksichtigt wurden, wundert Lannert sehr: „Gerade an dieser Haltestelle steigen viele ältere Leute um“, hat sie beobachtet. Dass es auch anders geht, hat die ÖPNV-Intensivnutzerin an der Haltestelle Lindenplatz festgestellt. Dort seien, so hat sie es beobachtet, die Pläne in neuen beleuchteten Vitrinen aufgehängt worden.

Eckhard Lander von der Unternehmenskommunikation der Rheinbahn zeigt Verständnis für die Probleme der Kundin. „Die Rheinbahn wollte ein einheitliches Erscheinungsbild für die Haltestellen und damit auch für die Fahrpläne schaffen“, begründet er die Verlegung der Pläne an der Gabelung, heraus aus dem Infocenter, hinein in die roten Rahmen. So könnten die Mitarbeiter bei einem Fahrplanwechsel auch einfacher die Pläne austauschen. Für das Öffnen der Rahmen haben sie entsprechendes Werkzeug, aber keinen Schlüssel für das Infocenter. Hoffnung auf eine mögliche Beleuchtung der roten Wechselrahmen könne er nicht machen: „Soweit ich informiert bin, ist das nicht geplant.“

Also muss Stephanie Lannert wohl auch in Zukunft im Dunkeln mit Taschenlampe und Lupe hantieren, um in Hilden von A nach B zu kommen.