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Kampfsport: Sport bringt Menschen zusammen

Kampfsport : Sport bringt Menschen zusammen

Jeden Freitag dreht sich im Multifunktionsraum der AWO-Kindertagesstätte in Haan alles um Taekwondo. Komi Agbopletou lehrt Jungen und Mädchen im Alter von fünf bis 15 Jahren spielerisch die Grundzüge der Selbstverteidigung.

Zielstrebig geht Andreas Schischkin auf Komi Agbopletou zu. Etwa zwei Meter vom Trainer entfernt bleibt er stehen. Beide verbeugen sich voreinander. Andreas trägt einen weißen Dobok, den traditionellen koreanischen Kampfanzug aus leichtem, weißgebleichtem Leinen.

Um seine Jacke hat er einen gelben Gürtel, auch Ty genannt, gebunden. Komi Agbopletou hält in der rechten Hand ein spezielles rundes Kissen. Mit einem Ausfallschritt fordert er Andreas auf, mit den Übungen zu beginnen.

Der 14-Jährige konzentriert sich noch einen Moment, dann folgen explosionsartig die ersten Tritte. Mit ausgestrecktem Beim zischen zwei dynamische Fußtritte auf das runde Handkissen, zwei weitere mit links folgen. Laute Ausrufe koreanischer Begriffe unterstützen die Kraft des Jungen.

Ein lauter Knall ertönt nach jedem Tritt im Raum. Agbopletou wechselt schnell die Handpositionen und zwingt seinen Schüler so, sich reflexartig immer wieder auf neue Punkte zu konzentrieren. Es folgen kräftige Schläge mit beiden Armen, vier weitere Tritte, dann darf Andreas eine Pause einlegen. Leicht erschöpft setzt er sich auf die Bank zu den anderen Schülern. Taekwondo-Trainer Agbopletou ist zufrieden mit ihm, ein Lächeln zeichnet sich in seinem Gesicht ab.

Die Szene im Multifunktionsraum der Kindertagestätte "Am Bandenfeld" der Arbeiterwohlfahrt in Haan erinnert im ersten Moment an eine koreanische Kampfschule. Neun Jungen und Mädchen zwischen 5 und 15 Jahren trainieren hier einmal die Woche. "Wenn alle Kinder da sind, können es auch schon mal 18 bis 20 sein", erklärt Komi Agbopletou.

Als der gebürtige Togolese 1994 nach Deutschland kam, war er bereits im Besitz des Ranges des 1. Dan. "Seit 25 Jahren mache ich jetzt Taekwondo, und in Togo habe ich der Juniorennationalmannschaft angehört," erklärt der 42-Jährige seinen sportlichen Werdegang. Nach der Überprüfung seiner Fähigkeiten und der Abnahme des 1. Dan in Deutschland, hat er es bis heute zum 4. Dan geschafft.

"Die Gürtel im Taekwondo bezeichnen die verschiedenen Ränge. Kinder können den Rang Kup bekommen. Bei den Erwachsenen gibt es den 1. bis 10. Dan", erklärt Agbopletou das Rangsystem der koreanischen Kampfsportart, die auf eine über 1500-jährige Tradition zurückblickt. Der Name Taekwondo kommt von den koreanischen Begriffen "Tae" (Fuß), "Kwon" (Faust) und Do (Geist).

Seit rund anderthalb Jahren bietet die Kindertagesstätte "Am Bandenfeld" in Kooperation mit dem Haaner TB und dem Unternehmen "Sahle Wohnen" für Kinder und Jugendliche ein spezielles Taekwondotraining an. Vor dem Hintergrund der sozialen Aufgabe und der präventiven Jugendarbeit soll den Kindern die traditionelle Selbstverteidigungssportart professionell beigebracht werden.

Neben dem sportlichen Aspekt, der vor allem auf Schnelligkeit und Dynamik abzielt, spielt der soziale Aspekt aufgrund des besonderes Ehrenkodex der Sportart eine große Rolle. "Disziplin und Respekt sind die Basis von Taekwondo. Aber die Welt hat sich heute so entwickelt, dass man eine Sicherheit haben muss, wenn irgendetwas passiert", betont Agbopletou den Nutzen der Selbstverteidigungstechniken im Alltag.

Wie solche Situationen ablaufen können, demonstrieren Andreas und sein Freund Ivan Sergejew in einer weiteren Übung. "Zwei, zwei", ruft ihnen der Trainer noch zu. Beide wissen genau, was zu tun ist. Andreas setzt zwei kräftige Tritte in Ivans Richtung, der 14-Jährige weicht aus. Danach folgen zwei Schläge von Ivan. Abwechselnd führen die beiden so immer jeweils zwei Angriffskombinationen aus, ohne sich aber direkt zu berühren. Zum Schluss verbeugen sie sich erneut voreinander und die Übung ist beendet.

"Ich mache Taekwondo seit etwa zwei Jahren, nachdem mir meine Mutter davon erzählt hat. Ich mache das vor allem, weil man sich wehren kann, wenn man zum Beispiel überfallen wird", erklärt der 14-Jährige seine Intention. Ein weiterer positive Nebeneffekt sei die Integration berichtet Agbopletou: "Gerade der Sport bringt die Menschen zusammen, und alle müssen sich an Regeln halten." Doch im Vordergrund steht bei aller Disziplin immer der Spaß. "Es freut mich, wenn die Kinder Spaß haben — das ist meine Motivation", strahlt der 42-Jährige, der selbst als Bundeskampfrichter etwa alle zwei Wochen in der ganzen Bundesrepublik unterwegs ist.

Zum Abschluss des zweistündigen Trainings stellen sich alle noch einmal in einer Reihe auf und verabschieden sich mit einem lauten "Tae-Kwon-Do" und einer Verbeugung von ihrem Trainer.

(RP)