Baseball: Schlagen, Laufen, Fangen

Baseball: Schlagen, Laufen, Fangen

Reportage Die Winterliga des nordrheinwestfälischen Baseball-Verbandes ist für Kinder und Jugendliche eine willkommene Abwechslung, um auch in der kalten Jahreszeit ihrem Lieblingssport nachzugehen. Das zeigte auch das zweite Turnier in Hilden.

Alexander fixiert den Ball mit den Augen. Den Schläger aus Aluminium hält er fest umklammert und zum Schwung bereit. Der 13-Jährige mit dem Spitznamen AJ blendet den Lärm auf der Tribüne offenbar völlig aus, konzentriert sich allein auf seinen Schlagversuch. Im Bruchteil einer Sekunde löst sich die Anspannung. Der Schläger rauscht nach vorne und trifft den Ball mit einem vernehmlichen "Ploing". Während die Kugel noch durch die Luft segelt, ist plötzlich auf dem ganze Feld Bewegung. Die eine Mannschaft versucht, den Ball zu erreichen. Spieler des anderen Teams sprinten von einer Markierung zur nächsten. Lukas (12) erkennt seine Chance, rutscht mit den Beinen voraus in Richtung der so genannten Home Plate. Im nächsten Moment landet der Ball im Handschuh des Schiedsrichters. "Safe!", ruft er laut und deutlich. Lukas ist sicher und hat einen Punkt für seine Mannschaft erzielt.

Die Ähnlichkeit von Baseball in einer Halle und dem so genannten Brennball ist nicht zu leugnen. "Beide Spiele haben die gleiche Grundidee", sagt Torsten Reuter. Der 41-Jährige ist seit 1990 Mitglied der Hilden Wains, die am zweiten Spieltag der Winterliga des Base- und Softballverbandes NRW erneut Gastgeber für Schüler- und Jugendmannschaften sind. Über 200 Kinder kämpfen in der Sporthalle am Bandsbusch auf drei Spielfeldern um Punkte für die Gesamtwertung. "Die Partien sind zeitlich begrenzt. Das sorgt für Spannung und ermöglicht uns eine genau Turnierplanung", erklärt Reuter und eilt mit Klemmbrett und Stift weiter, um Ergebnisse einzusammeln.

Für die Zuschauer bietet die Winterliga die Möglichkeit, die typisch amerikanische Sportart Baseball zu erleben – jedoch bedeutend schneller und deshalb unterhaltsamer. Beinahe alle Spieler tragen spezielle Hosen mit Hüftpolstern sowie die obligatorische Kappe. Auch die Vereinsnamen haben amerikanisches Format: Das Spektrum reicht von den Hagen Chipmunks über die Pulheim Gophers, und die Bonn Capitals bis hin zu den Düsseldorf Senators, die eine Spielgemeinschaft mit den Hilden Wains bilden.

In der Kabine der Wains herrscht nach dem 3:6 gegen die Krefeld Crows dicke Luft. "Ihr trefft die Bälle nicht, weil ihr sie gar nicht seht oder falsch steht", sagt Marc Dütjer. Der Assistent Coach des Jugendteams schaut verärgert zu Nicole und Sven hinüber, die schuldbewusst die Köpfe senken. "Es war schon einiges besser, aber ihr macht immer noch überflüssige Fehler und bewegt euch zum Teil in Slowmotion", stellt Headcoach Nils Becker fest. Die Analyse der Niederlage fällt kurz, aber deutlich aus – und die Spieler wirken einsichtig. "Diesen Spieltag haben wir bereits abgehakt", sind sich die Trainer beim Gang zur Tribüne einig.

In Halle drei bewegen sich die Betreuer aus Wuppertal und Ratingen derweil mindestens ebenso viel wie ihre Schützlinge. Sie stehen wild gestikulierend am Spielfeldrand, dirigieren ihre Akteure von einer Base zur nächsten. Jubel und Enttäuschung wechseln im Sekundentakt. Einem Team gelingt ein so genannter Homerun – das andere wirft den Ball einfach nicht schnell genug zurück zum Schiedsrichter. "In der Halle ist Baseball komprimiert auf das Wesentliche: Schlagen, Laufen und Fangen", sagt Torsten Reuter. "Und es gibt keine halben Sachen", ergänzt er, "sondern immer einen Gewinner und einen Verlierer."

(RP)