Müsli mahlen mit dem Rad

Der schrille Pfiff des Schiedsrichters schallt durch die neue Dreifachhalle an der Grünstraße. Das Trainerteam der JSG Haan-Hilden bekommt den Ball zugesprochen. Die Spieler in den grellgrünen Shirts spurten in Richtung Tor, dicht gefolgt von ihren Gegnern aus der C1-Jugendmannschaft. Sie versuchen, den Tempogegenstoß noch abzublocken. Die Abwehr muss sich schließlich geschlagen geben, doch der Torwart hält. Jubel brandet v auf. "Damit bleibt es beim Spielstand von 32:26 für unsere Trainer", verkündet Hallensprecher Ralf von der Höh. Die Handballer sind bereits wieder in der gegnerischen Hälfte. Die Nachwuchsspieler in den schwarzen Trikots greifen an und die Nummer acht trifft. "Das ist unser Matthes", schallt es aus dem Lautsprecher, begleitet von begeistertem Beifall.

400 Gäste beim Fest

"Die ursprünglich für unsere C1 eingeplante Mannschaft des Haaner TV ist nicht gekommen und so haben wir spontan unsere Trainer aufs Feld geschickt", sagt René Witte. Der Sportliche Leiter der JSG lässt seinen Blick über die gut gefüllten Ränge schweifen beim Neujahrsfest und nickt zufrieden. "Wir haben heute rund 400 Leute hier und sind damit sehr zufrieden. Unsere elf Jugendmannschaften stellen sich vor, und die Eltern lernen sich kennen – das ist eine perfekte Einstimmung auf das neue Jahr."

Der schrille Pfiff des Schiedsrichters dringt nur gedämpft in das Foyer herüber. Dort strampelt sich Marte auf dem Müslifahrrad ab. Kräftig tritt der Neunjährige in die Pedale und treibt damit die Mühle an, die auf dem Lenker montiert und über die Kette mit den Pedalen verbunden ist. Das Gerät rattert, während die goldgelben Hafer- und Dinkelkörner langsam durch einen Trichter im Mahlwerk verschwinden. Gleichzeitig füllt sich die Papiertüte auf der linken Seite des Rades zusehends.

Der neunjährige Marte schrotet zum ersten Mal sein Müsli selbst. "Das esse ich auch gerne, aber nicht jeden Morgen", sagt der Nachwuchshandballer und strampelt weiter, bis der Trichter oben leer und die Tüte unten voll ist. Kaum ist er abgestiegen, greift er sich sofort einige Haferflocken heraus und steckt sie in den Mund. "Schmeckt gut", sagt er zufrieden und macht sich auf den Weg in Richtung Halle.

Im Vorbeigehen wirft er nur einen flüchtigen Blick in den Gesundheitsraum. Dort kniet die sechsjährige Finja vor einem Sandkasten voll mit Salzkristallen und gräbt mit einer Plastikschaufel nach Halbedelsteinen. "Einige habe ich schon gefunden", sagt sie und zeigt eine Handvoll glänzender rosa, rötlicher und brauner Steine. "Doch ich will noch mehr finden", sagt Finja und stößt die Schaufel tief in den raschelnden Berg aus glitzernden Kristallen.

"Das Salz ist 250 Millionen Jahre alt", berichtet Andrea Grube-Holz von der Hildener Salzgrotte. "Es heißt zwar Himalaya-Salz, stammt jedoch aus Pakistan." Seine wohltuende Wirkung entfaltet es bei Andrea Grube-Holz nicht nur in der Küche, sondern auch in ihrer Wellness-Grotte, die sie mit zwölf Tonnen Salz aus Pakistan und dem Toten Meer ausgekleidet hat.

Süßes hat der neunjährige Maxi gerade am Kuchenbüffet genascht. Sein Mund ist noch schokoladenverschmiert und auch seine Zähne zeigen bräunliche Spuren, als Kieferorthopäde Dr. Matthias Alexy mit der Kamera das kleine Gebiss beleuchtet. "Ab zum Zähneputzen", entscheidet der Fachmann und schickt den Jungen mit Helferin Ayse Kader auf die Toilette.

"So, jetzt zeig mir mal, wie du die Zähne putzt", fordert Ayse Kader Maxi vor dem Waschbecken auf und hält ihm eine Bürste mit Zahnpasta hin. Der Neunjährige schrubbt von rechts nach links über seine Schneidezähne. "Wir machen das jetzt mal richtig", sagt Kader und führt Maxi die Hand. "Wir fangen oben hinten an. Die Bürste schräg ansetzen und dann in kreisenden Bewegungen jeden Zahn und das Zahnfleisch mitputzen. So rutschen die Essensreste dort nicht hinein und lösen keine Entzündungen aus."

Während Maxi Zähne putzt, liegt der zehnjährige Tim bei Melanie Zimmermann auf der Liege. Die Physiotherapeutin hat beide Hände um den Knöchel des Jungen gelegt und erklärt ihm, was er machen kann, wenn er beim Handball umgeknickt ist. "Du legst beide Hände um den Fuß und stellst dir vor, dass du wie mit einer Star-Wars-Pistole Wärme dazwischen hindurchschießt", sagt die Expertin und schaut Tim an. "Wo spürst du die Wärme jetzt?", fragt sie. "In meinem Arm", antwortet ihr kleiner Patient. "Und wo noch?" "Am linken Ohr", antwortet Tim und fasst mit seiner Hand dorthin. "Bis dahin können die Verspannungen gehen, wenn du umgeknickt bist. Deshalb zeige ich dir heute diesen Trick, damit du das in Zukunft selbst reparieren kannst."

Auf die Füße der Sportler schaut einige Schritte weiter auch Ralf Hermes. Der Orthopädieschuhtechniker hält mit einer Kamera das Gangbild der Kinder fest, um es anschließend zu analysieren. "Dieser Junge hier beispielsweise setzt den Fuß in der Fersenmitte auf. Das Knie dreht sich bei jedem Schritt nach innen und das Becken kippt weg", erklärt der Fachmann und lässt das Video ablaufen, in dem einer der jungen Handballer in einer schwarzen Sporthose auf ihn zuläuft. "Er setzt die aktive Muskulatur zum falschen Zeitpunkt ein und das hat auch Auswirkungen auf seine Leistung", betont Ralf Hermes. "Ihm würde ich Gymnastik empfehlen, um die Koordination zu verbessern."

Der scharfe Pfiff aus der Schiedsrichterpfeife durchschneidet den Raum und verkündet, dass in der Halle nebenan bereits das nächste Spiel der Nachwuchshandballer begonnen hat.

(domi)